Siegfried Leckebusch

25. 9. 1928 - 11. 8. 1998

Archivnr. 14
Selbstpotrait, lila Doppel, Mischtechnik: Front u. Profil, 1980

Mein Vater starb am 11. August 1998 an Krebs - noch vor seinem 70. Geburtstag. Ironischerweise genau ein Jahr vor der letzten totalen Sonnenfinsternis im alten Jahrhundert, die von Europa aus zu sehen war - denn zeitlebens interessierte er sich auch für kosmologische Vorgänge. Im übrigen kommentierte er, kurz vor seinem Tode, bei einem meiner Besuche in dem Krankenhaus, das er nicht mehr verlassen würde, das zur Neige gehende Jahrhundert: "Es hört genauso auf, wie es angefangen hat ... mit Krieg."


Archivnr. 28
Aquarell, mit Stirnpflaster, 10. 12. 1996, "Bis Weihnachten soll das Loch zugewachsen sein, angeblich"

Bittere Ironie und oft Selbstironie scheint ein bestimmender Faktor in seinem Leben gewesen zu sein - wie auf diesem Selbstbildnis nach einer früheren Hautoperation an der Stirn. Der Wortlaut der Bleistiftnotiz auf dem Aquarell ist als Bildunterschrift wiedergegeben.

Als ich kurz nach seinem Tode sein Werk durchsah - allzu umfangreich ist nicht, was davon geblieben ist, dafür ist es vielleicht um so dichter - machten mich vor allem seine Selbstbildnisse (etwa 30 sind erhalten) tief betroffen. Mir schien, man sollte ihnen eine Ausstellung widmen - aber bisher fehlten dazu die Mittel. Nun habe ich endlich begonnen, sie digital zu fotografieren und eine Zusammenstellung davon für das Internet vorzubereiten.

Ich gebe dazu auszugsweise den Text einer Biographie zur Ausstellung September-Oktober 1986 im Palacio de Mondragon in Ronda (Málaga) ein Spanien wieder. Es ist merkwürdig - meine Kindheit hindurch begleiteten mich der Geruch von Ölfarbe, die Erlebnisse beim Besuch von Ausstellungen moderner Kunst - und doch erlebte ich 1975 bei einem mehrmonaten Aufenthalt zum erstenmal meinen Vater intensiver als arbeitenden Künstler in seinem Atelier im fernen Südspanien (Andalusien), dessen karge Hügel und weisse Casas sich tief in meine Seele einbrannten.

Leider bin ich nur einige wenige Male später nach dort zurückgekehrt, wenn ich mir Reisen leisten konnte, und habe auch ihn, sein Werk (zu Teilen) und das Atelier sowie die Landschaft fotografiert. Aber das ist wieder eine andere Bildgeschichte ...


Selbstbildnis Marokko, Archivnr. 2
Selbstportrait (in Marrokko): gefaltete Figur u. flötendes Kamel (monochrom blau), Öl auf LW, nicht datiert (vermutlich 1972)


Biographie

Im Frühjahr 1973 liess sich der deutsche Maler und Fotograf Siegfried Leckebusch am Ende einer fast einjährigen Reise durch Südfrankreich, Spanien und Marokko auf der Suche nach einem ihm geeignet erscheinenden Wohnsitz in Ronda, Provinz Málaga, nieder. Klima, Land und Leute hatten es ihm angetan. Damit entschied er sich wie schon andere Schriftsteller und Maler für einen geschichtsträchtigen Ort im Hochland Andalusiens, abseits vom Getriebe der Städte und Touristenzentren der Sonnenküste

Hier auf dem Lande widmet er sich der verspäteten Entwicklung seiner Kunst unter den Bedingungen einfachen Lebens. Bis dahin hatte sich das Leben des 1928 Geborenen auf Grund verschiedener Neigungen und Einflüsse beinah widersprüchlich vielseitig gestaltet. 1948 begann er an einer Düsseldorfer Malschule, wechselte bereits nach zwei Semestern und entgegen dem Rat seines Lehrers an die Hochschule der bildenden Künste in München über. Für die Dauer seines Aufenthaltes an der Akademie war er Stipendiat des Bayerischen Kultusministeriums.


Archivnr. 20
Zeichnung auf Packpapier, VII 73, Bleistift

Er erinnert sich, wie er gelegentlich eines privaten Besuchs im Atelier seines Professors in dessen Dokumentationsarchiv mehrere Zeichnungen von eigener Hand fand, welche er weggeworfen, sein Lehrer aber aus dem Abfallkorb der Klasse wieder hervorgeholt hatte. Der junge Malschüler blieb oft dem Atelier fern, bummelte oder besuchte theologische und philosophische Vorlesungen an der Ludwigs-Universität. Ihn quälte die Frage, ob sein Kunststudium eine moralische Berechtigung in jenen erschütternden Jahren nach dem Hitlerkrieg habe, obwohl er bereits 1950 an einer der ersten Ausstellungen der Künstler des Ruhrgebiets in Gelsenkirchen mit zwei expressionistischen Arbeiten, einem Portrait und dem Holzschnitt einer Landschaft teilnehmen konnte (Privatbesitz in Darmstadt).


Archivnr. 21
Fettstiftzeichnung mit Holzschnittkopf nebeneinand., 4. 1993

Archivnr. 27
Öl, Leinwand, rötlich-violett, 18. 6. 1979

Archivnr. 7
Selbstp. expressionist. - rotes Gesicht, Öl auf Hartfaser, Rauhseite, 1970




Wird fortgesetzt

(C) by Johannes Leckebusch 2001