Hochauflösende Digitale Fotografie - eine neue Runde

Auf meiner mittlerweile vierten Seite zum Thema "Digitales Fotografieren" stelle ich einige Testaufnahmen mit der neuen "Spiegelreflex"-Kamera von Olympus vor. Diese Seite ist ein Experiment in doppelter Weise: Zum einen ist sie auf (für mich) neue Weise mit Frames gestaltet, zum anderen stellt sich das Problem, sehr hochauflösende Digitalfotos über das WWW zugänglich zu machen. Da es darum geht, zu zeigen, welchen Qualitätsstandard die digitale Fotografie im "Amateurbereich" inzwischen erreicht hat, ist eine Präsentation in voller Auflösung (in diesem Fall 1280 x 1024 Pixel und 16 Millionen Farben, dh. 24 Bit Farbtiefe) nicht zu umgehen.

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Testbericht C-1400L

Johannes Leckebusch

Für P.M.-Magazin

Die schiere Begeisterung darüber, daß man mit "dititalen Kameras" Bilder in den Computer aufnehmen kann, weicht langsam nüchternen Qualitätsansprüchen - und dabei bildet die etablierte Kleinbildkamera das Richtmaß. Immerhin bewegen sich die neuesten Kameras in großen Schritten darauf zu - erreicht haben sie dieses Ziel noch lange nicht.

Olympus Camedia C-1400 L

Die Olympus Camedia C-1400 L macht zauberhafte Aufnahmen. Um diese auf dem Bildschirm des PC beurteilen zu können, benötigt man eine Grafikkarte mit mindestens 4 MB RAM, die Bilder in der Auflösung 1280 x 1024 Pixeln mit einer Farbtiefe von 24 Bit (16 Millionen Farben) darstellen kann. Das ist zwar immer noch erst etwa ein Fünftel der Auflösung von 3000 x 2400 Pixeln, die ein professioneller Filmscanner von einem Kleinbilddia oder Negativ erzeugt, doch wird damit - wagt man keine zu starken Vergrößerungen - bereits wirkliche Fotoqualität erreicht (etwa bis 18 x 14,5 (A5) cm, das Format ist relativ quadratisch. Auch 25,5 x 20,5 (A4) ist noch recht akzeptabel) Anders als manche früheren Digitalkameras für den Amateurbereich gewinnt die C-1400L ihre hohe Auflösung nicht durch Interpolation, sondern aus echter optischer Auflösung, der CCD-Bildsensor soll 1,4 Millionen Bildpunkte haben. Daher die sehr klaren und scharfen Bilder.

Dies ist die erste digitale Amateurkamera nach dem Spiegelreflexprinzip. Man blickt bei der Aufnahme direkt durch das Kameraobjektiv. Das Bild wird durch ein optisches System aufrecht angezeigt. Der am Kamerarücken angebrachte LCD-Bildschirm wird nur zur Kontrolle gemachter Aufnahmen und für menügeführte Einstellungen benutzt. Anders als bei Kleinbild SLR-Kameras wird das Bild aber nicht auf eine dazwischenliegende Mattscheibe projiziert. Dadurch ist das Sucherbild zwar sehr hell und klar, aber die Beurteilung der Tiefenschärfe (Schärfeverlauf vom Vorder- zum Hintergrund) ist nicht exakt möglich. Auch in anderen Punkten beschränkt sich die Kamera leider noch auf die Prinzipien einer automatischen Knipse: So deckt das festangebaute Zoomobjektiv den fotografisch wichtigen Brennweitenbereich von (umgerechnet) 36mm bis 110mm ab und ist mit Blende 2,8 (Weitwinkel) und 3,9 (Tele) erfreulich lichtstark, auf Blende und Belichtungszeit (1/4 bis 1/10 000 Sek.) hat man aber keinerlei Einfluß: Das regelt die Automatik, die nicht einmal mitteilt, welche Zeit-Blendenkombination sie denn nun ausgewählt hat. Das schränkt die Bildgestaltung gegenüber einer "richtigen" Kamera immer noch ein, da man die Tiefenschärfe nicht selbst bestimmen kann. Immerhin gibt es neben der mittenbetonten Integralmessung auch eine Spotmessung (mit Schärfespeicher) und eine siebenstufige Belichtungskorrektur. Die optisch arbeitende Schärfensteuerung arbeitet manchmal unsicher und braucht mehrere Versuche, um den richtigen Fokus zu treffen - von Hand scharfstellen geht nicht. Für Schnappschüsse (Kinder, Tiere) ist sie wenig geeignet, da sie erst nach einer Verzögerung auslöst und dabei nicht immer richtig scharfstellt. Auch dauert es - das aber bei praktisch allen Digitalkameras - quälend lange Sekunden, bis das Bild abgespeichert und die Kamera für eine Neuaufnahme bereit ist. Wenn es zu dunkel ist, so daß die Scharfstellung nichts mehr erkennt, weigert sich die Kamera, auszulösen - so kann man auch mit Stativ keine Nachtaufnahmen machen. Sie blitzt dann auch nicht mehr. Somit bleibt die Camedia C-1400 L auf dem Weg zur ernsthaften Fotokamera noch nach zwei Dritteln des Weges stecken.

Bei dem Versuch, mit der Olympus Reproaufnahmen einer Buchseite zu machen, zeigte sich ein erstaunliches Problem: Richtete man das Bild im Sucher exakt aus, so erschien es auf der Aufnahme deutlich im Uhrzeigersinn verdreht. Hier ist entweder das optische System des Suchers schlecht justiert, oder der CCD-Sensor ist nicht korrekt montiert. Außerdem produziert das Zoomobjektiv je nach Einstellung deutliche Kissen- oder Tonnenverzerrungen. Als Ersatz für einen Scanner ist die Kamera also nicht zu gebrauchen.

Für die Bildaufzeichnung werden sogenannte SmartMedia-Karten mit 2, 4 oder 8 MB benutzt. Auf die 4 MB-Standard-Karte passen in hoher Auflösung 12 oder mehr Aufnahmen, bei minimaler Kompressionsstufe aber nur je vier Stück. Die Qualität ist bei 12 Aufnahmen aber kaum sichtbar schlechter. Mit verringerter Auflösung von 640 x 512 Pixeln kann man 49 oder mehr Bilder aufnehmen. Der eingebaute Blitz (bis ca. 3 m je nach Brennweite) läßt sich durch Zuklappen abschalten. Da die Kamera ein Stromfresser ist, sollte man die im Lieferumfang des "DELUXE Kits" (2498,- DM) enthaltenen vier NHM-Akkus mit Schnellladegerät um einen weiteren Akkusatz ergänzen. Ein Netzteil für die Kamera kostet extra 79,- DM. Ein Video-Ausgang zum Betrachten der Bilder auf einem Fernseher fehlt leider.

Internet: http://www.olympus-europa.com

Wichtige technische Daten Olympus Camedia C-1400L


Zu den Fotos

Herbstblätter

Bei diesen im Winter noch in einer Hecke hängenden Herbstblättern interessierte mich das Spiel von Licht und Schatten und die feinen Strukturen und Farbnuancen. All das sollte für eine Digitalkamera eine schwere Herausforderung sein - und ich finde, die C-1400 L meistert sie erstaunlich gut. Auf meinem 17-Zoll-Monitor, dargestellt von einer Grafikkarte, die bei 1280x1024 noch 16 Millionen Farben darstellen kann, sieht das fast aus wie ein Dia.

Vogelbeeren

So eine Aufnahme bekommt man mit einer Sucherkamera kaum hin. Warum? Wegen der Paralaxe. Dadurch, daß der Sucher gegenüber dem Objektiv seitlich versetzt ist, nimmt er einen etwas anderen Bildausschnitt wahr. Bei großen Entfernungen ist der Effekt vernachlässigbar, bei Nahaufnahmen kann er die gesamte Bildkomposition zerstören. Vielleicht visiert man auch mit dem Sucher durch eine Zaunlücke - die Optik hat aber gleichzeitig ein "Brett vor dem Kopf". Spiegelreflexkameras vermeiden dieses Problem, indem man bei ihnen direkt durch das Objektiv schaut. Ansonsten ist bei dieser Aufnahme noch die geringe Tiefenschärfe von Interesse - oft ein gewollter Effekt - zu der eine lange Brennweite und eine große Blendenöffnung beitragen. Leider kann man die Blende bei der C-1400 L nicht selbst steuern ...

Alte Walze

Abgesehen vom Charme industrieller Formen mit ihren klaren Konturen und einfachen, präzisen Linien - hier gebrochen durch die irregulären Rostflecken - sieht man hier feines Gestrüpp und Geäst im Hintergrund. Wenige Farben (Gelb, bläuliches Grau, Himmelsblau) dominieren das Bild - sind aber in sich differenziert. Dazu grelles Licht und Schlagschatten. Das kommt alles erstaunlich gut heraus - jedenfalls konnte man solche Ergebnisse wohl kaum mit einer der bis vor kurzem auf dem Markt befindlichen digitalen Amateurkameras erzielen.

Winterlandschaft

Eine verschneite Landschaft im Dämmerlicht bei Dunst und Nebel - für viele "gar kein Fotomotiv". Werch ein Illtum! Natürlich würde da eine Kleinbildkamera mit einem guten Diafilm noch viel mehr an Detailreichtum, feinen Konturen und Farbabstufungen im scheinbaren Grau in Grau herausholen. Bis die Digitalen damit gleichziehen - finde ich, kann man solche Motive mit der C-1400 L durchaus schon einmal wagen.