Digital Foto 1
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Der diskrete Charme der digitalen Fotografie

Mail an Johannes Leckebusch
Mail an den Autor

(C) aller Fotos by Johannes Leckebusch 1997

Der 23. Februar 1997 wird mir wohl in meinem Fotografenleben unvergeßlich bleiben. An diesem Tag wollte ich etwa ein Dutzend digitaler Kameras ausprobieren - und hatte mich dazu bei Freunden an einem sonnigen Februarnachmittag mit einer  kleinen Schaar Kinder verabredet. Daß wir spät abends noch vor dem PC von Manon saßen und erste Bilder auf dem Monitor betrachteten, war ein Erlebnis. Aber am meisten beeindruckte es mich, daß drei fünfjährige Mädchen und ein achtjähriger Junge immer wieder bettelten: Darf ich noch ein Bild machen? Am meisten faszinierten die Kleinen die Kameras, bei denen man das Bild sofort auf dem farbigen LCD (Leuchtbildschirm) am Rücken der Kamera sehen konnte. Da begriff ich: Meine kritische Sicht auf die kleinen, teuren Spielzeuge, die doch noch so deutlich hinter der Qualität "richtiger" Kameras hinterherhinken, die auf Film fotografieren, den man erst einmal zum Entwickeln geben muß, kann nicht alles umfassen, was dieses neue Medium "Digitales Fotografieren" ausmacht. Außer zu dem Kindernachmittag bin ich mit drei Kameras um den Hals auf dem winterlich zugefrorenen Schliersee herumspaziert und habe Aufnahmen mit blitzendem Eis im Gegenlicht gemacht, und mit einigen ausgewählten Geräten (der Kodak DC50 und der Polaroid PDC 2000) habe ich Fotoausflüge in die Landschaft und nach Schliersee gemacht. Die dabei gewonnenen Erfahrungen ergeben ein gemischtes Bild. Vor allem hat sich meine Hoffnung, die Bilder schneller und bequemer am Computer auswerten zu können, so nicht erfüllt. Man muß zwar nicht in einer muffigen Dunkelkammer mit chemischen Wässerchen herumpantschen, aber dort geht alles schneller. Und einfacher ist es am Computer auch nicht - auf dem Bildschirm sehen die Farben erst einmal ganz anders aus als hernach auf dem Drucker, und das zu korrigieren ist zumindest sehr langwierig.
Um aber noch einmal auf das Treffen mit den Kindern zurückzukommen: Der achtjährige Pascal erwies sich als geborenes Fototalent. Manche seiner Aufnahmen hielt ich bei einer ersten Rückschau glatt für meine eigenen. Und seinem Foto von blinkenden Gläsern abends in dem italienischen Restauraunt würde ich ohne zu zögern einen Preis verleihen - aber urteilt selbst!



Natürlich kann ich die Kamerbilder hier nur in reduzierter Auflösung wiedergeben. Noch reichen Übertragungsraten im Netz - und auch die von den Diensten zur Verfügung gestellten Speicherplätze für Homepages - nicht aus, wirklich hochauflösende Bilder zu zeigen. Dabei liegt für mich als Fotografen der eigentliche Reiz der digitalen Bildbearbeitung, nachdem die Kameras im Preisbereich bis 2000,- DM noch sehr unbefriedigend sind, mehr darin, Negative oder Dias mit einem hochwertigen Filmscanner einzulesen. Der LS-1000 von Nikon ist so ein Gerät - kostet leider nach unseren Recherchen gegenwärtig 4300,- DM. Damit habe ich ein Dia aus meinem Diavortrag "Camping en las nubes - Camping in the Clouds - Camping in den Wolken" eingescanned. In der maximalen Auflösung von 3062 x 2415 Pixeln, die wirklich Fotoqualität bietet, wird diese Datei im .TIF-Format stolze 21 MBytes groß! Auf 320 x 222 Pixel reduziert sind es noch schlappe 240 KByte, und als JPEG nur noch etwa 70 KByte.Nun hatte ich mit der Polaroid-Kamera während des kurzen "Vorfrühlings" eine blühende Krokuswiese aufgenommen (als Fotodatei etwa 5,6 MByte). Allerdings erschien das Gras sehr bräunlich. Mit Hilfe von Corel Photopaint 7 gelang es, ohne die Farbe der Blüten allzusehr zu verfälschen, aus dem erdbraunen Wintergras eine frische grüne Wiese zu zaubern.
In diesem Zusammenhang habe ich mir dann den Scherz erlaubt, Flavia vom südspanischen Strand in die zehn Jahre später aufgenommene, digital verfälschte Frühlingswiese zu setzen. 

Bei diesem Bild sind also schon eine Menge an Effekten und Programmen beteiligt. Angefangen von dem mit dem Nikon-Filmscanner in digitale Daten übertragenen Kleinbilddia über das mit der semiprofessionellen Polaroid-Kamera fotografierten Bild, das mit Corel Photopaint 7 manipuliert wurde, bis hin zu einem Programm, mit dem man Personen nahezu perfekt aus dem Hintergrund ausschneiden kann. Das Resultat wurde dann für die Wiedergabe hier im Internet wieder mit Photopaint 7 reduziert und per JPEG komprimiert.

Das Manipulationsprogramm ist indeß eine interessante Neuerung, vorgestellt zur CeBit '97. Es heißt PictureIt, und entstammt einer Initiative mehrerer Firmen (wie Microsoft, Kodak und anderen), ein einheitliches Format zur Bearbeitung von digitalen Bilddaten auf PCs zu schaffen, mit dem insbesondere das Problem der langen Bearbeitungszeiten der oft riesengroßen Bilddateien gelöst werden soll. Das Format selbst heißt FlashPix. Mehr darüber vielleicht demnächst. Jedenfalls habe ich mit PictureIt in langer, mühseliger Arbeit den Umriß von Flavia aus dem Strandhintergrund ausgeschnitten und in einen neuen Hintergrund gestellt.

Das ist natürlich noch lange nicht alles, was man mit digitaler Fotobearbeitung anstellen kann. Manches davon, wie sogenannte "künstlerische Effekte", etwa vorgetäuschte Malstile á la Van Gogh oder Wasserfarben interessieren mich eigentlich weniger. Mehr faszinieren mich dagegen die digitalen Umsetzungen altbekannter Laboreffekte wie Solarisation. Mit manchen Programmen - und hier ist meiner bisherigen Erfahrung nach Corel Photopaint das vielseitigste, auch wenn es manchmal nicht gerade einfach zu bedienen ist - hat man hier wirklich die Effekte gut im Griff und kann sie selbst individuell beeinflussen. In diesem Fall bin ich von einem weiteren Portrait von Flavia ausgegangen, das mit einem Weichzeichner-Objektiv aufgenommen wurde.

Hierbei handelt es sich übrigens um eine digital "entstaubte" Version des Diascanns, was man wohl in dieser Größe nicht mehr erkennen kann. Machen kann man so etwas mit Ulead PhotoImpact oder wiederum Corel Photopaint. Für die weiteren Manipulationen diente allerdings (noch) die unentstaubte Vorlage als Ausgangspunkt. Ich mußte feststellen, daß Scans mit einem professionellen Filmscanner wie dem LS-1000 kaum staubfrei zu bekommen sind, wenn man mit der höchstmöglichen optischen Auflösung arbeitet, und manche Verfremdungseffekte heben dann die Staubteilchen um so deutlicher hervor.

Die klassische "Solarisation" entsteht durch Nachbelichten während des Entwickelns einer Vergrößerung. Bildlich gesehen beruht sie darauf, daß zwischen helleren und dunkleren Teilen im Bild Linien oder Bereiche mit abweichender Helligkeit gebildet werden. Dasselbe kann man auch auf Farbbilder übertragen. In dramatischer Weise wurde dieser Effekt gegen Ende des Films "Odyssee 2001" von Stanley Kubrik eingesetzt - ich weiß allerdings nicht, wie das technisch ausgeführt wurde. In Corel Photopaint läßt sich das in differenzierter Weise durch gezieltes und beherztes Verbiegen der Übertragungskurven für einzelne Farbkomponenten erreichen - vielleicht später mehr über die Technik. Hier könnt Ihr erst einmal eines der so gewonnenen Resultate bewundern. Ein anderes bildet die Basis der Hintergrund-Tapete meiner Homepage. Eine weitere interessante Manipulationstechnik ist das Erzeugen von Reliefbildern. Dieser Effekt wird mehr oder weniger automatisch mit gewissen Einflußmöglichkeiten seitens des Anwenders von Corel PhotoPaint erzeugt. Sicherlich läßt er sich auf interessante Weise mit anderen Effekten kombinieren, dazu hatte ich aber noch keine Zeit.

Der Vollständigkeit halber erwähnen sollte ich, daß man auch das Negativ eines Bildes bilden kann - und zwar sowohl in Farbe als auch Schwarzweiß. Umgekehrt kann man so - etwa mit Corel Photopaint - aus einem eingescannten Negativ ein Positiv machen. Allerdings ist diese Umkehr normalerweise bereits mit der Software der Scanner möglich. Auch das Drehen oder Spiegeln eines Bildes gehört zu den Standardmanipulationen.

Mit einfarbigen oder schwarzweißen Bilden lassen sich mitunter grafisch besonders reizvolle Effekte erzielen. Hier noch als letztes Manipulationsbeispiel mit diesem Portrait die klassische "Solarisation" in schwarzweiß, die wiederum mit Photopaint durch manuelles "Verbiegen" der Übertragungskurven erzielt wurde. 

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Johannes Leckebusch