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Anhang, alle
(restlichen) Gedichte für Susanne (vollständig) Susanne bin
heimgekehrt wie aus einem fernen, nahen land, von
einer sehr weiten reise, hab
mich zum schlafen hingelegt, bin
wieder wach und denke, muß
überschlafen, überwachen, übergrübeln, überwachsen
was dort geschehen ist. habe
in meiner nacht gegrübelt, ob
du wohl schläfst oder was du dir denkst, was
man sich halt so denkt unter seiner decke mit sich allein. am
ersten tage war's wie zwischen fremden, die
sich erst langsam zu erforschen sachlich
dinge tun um freunde sich zu werden. es
ist so viel zu schnell geschehen, sich
an einem wochende so viel von sich zu sagen, vom
gänzlich unbekannt zu einer ganz kleinen umarmung, nochmal
vom telefon gestört, dann ein zweites mal, mit
einer leisen frage und banger antwort. durfte
dich nicht gleich so richtig feste drücken, weil
die haut noch wund von alten bränden ist. bist
scheu, bis leis, bist selbstbestimmt, bist wunschig, läßt
mich endlich ein bißchen an dich ran, und
bleibst doch noch ganz in dir versteckt. du
weißt ja, was du willst, weißt nur noch nicht, was
du schon bist und was du werden kannst, sagst:
bin doch nix besonderes nicht, läßt
kaum dich überreden zu einem kleinen kompromiß: besonders
chaotisch wenigstens, ist ja schon was. heißt
aber: ist der anfang vom wirklich wer besondres sein. man
kann so schnell sich nicht begegnen, man
braucht so seine, frau die ihre zeit, weiß
nicht gleich, wem man da wieder über'n weg gelaufen, das
geht auch mir nicht anders als es dir ergeht, doch
weiß ich wirklich: dir, dir will ich enger noch begegnen, will
dich suchen und vielleicht finden. Johannes. |
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Vollmondhexe Süße, wilde Hexe, Du bist mein Glück, mein Ein und Alles, mein Liebeswerk, mein Lebenstrunk. Wir haben uns so geliebt in dieser Nacht, und Sekt getrunken, Lachs gegessen und uns glücklich wie noch nie gefühlt. Ich brauche Dich so, Du bist mir so gut, bist meine Hoffnung, bist das Salz des Lebens, bist so klug und auch so stolz! Du sollst immer für Dich einstehn, sollst frei sein und Deinen Weg für Dich finden, sollst niemals wieder einsam sein und nie, nie betrogen werden. Ich will mich immer um Dich sorgen, mit Dir Glück und Tränen teilen, und meine Angst ertragen, Du könntest wieder gehen. Doch auch ich brauche meine Freiheiten, wie Du die Deinen. Ich hoffe, wir können sie uns immer erhalten, ohne uns zu verletzen. Und ich wollte Dir noch sagen, daß ich immer ein offenes Ohr haben will für Deine Gedanken, und daß Du mit mir sprechen sollst über alles, was Dich bewegt. Es tut mir leid, daß ich Dich erschreckte mit meinen Reaktionen, ich will versuchen, behutsamer zu sein und mehr darauf zu achten, was Du mir sagen willst. Ich liebe Dich. Johannes |
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Das Hexengrün. Der Block ist aus, rabäh, die Hexe wirkt in Rot und
Blau, in Grau und Schwarz, in Gelb, sie ficht die Farben ins
Quartier, es strömt das Licht, das Dunkel quillt, und äußerst ist es Weiß. Die Pinsel fechten mit den
Farben, geometrisch und vertrackt schwingt sich ein kühn'
Gebilde über´s Bühnenfeld dahin, wer weiß, wie man das
rechnet, Hauptsach, daß es besticht. Auf einmal aber ist es
Aufbegehr, es kömmt etwas ganz arg
verquer, Herr Wagner schafft viel
Ärger, und weil die Farbe sonst nie
ist, diesmal Peng: ins Grün man
sticht! Es bohrt ins Auge sich die Rampe quer, von Dali bah, von Hitchcock auch entlehnt, grüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüüün. Man ist entsetzt, man
zweifelt am Konzept, will es sich
fügen, es soll ja nicht, es sticht das Grün so arg ins Licht! Es ist heraus, archaisch
grün, mein Gott, mein Gott, ob man´s nicht lieber bricht? Die Hexe ist ganz fröhlich, hat sie nun Farben töhlich, verquer und hin und her, sie wirkt in Rot und Blau, in Grau und Schwarz, in Gelb, sie ficht die Farben ins
Quartier, es strömt das Licht, das Dunkel quillt, und äußerst ist es Grün. Und Vorhang! |
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Julia die Föhnhexe (mehr
oder weniger ungereimte Fassung - aus einer unvollendeten Geschichte) Die Julia, die Julia, die
Julia, die sitzt am Dach und lacht
sich was, Julia oh Julia, hast Schnee
und Blitz, Donner Regen und Grütz'
gehext, alles kunterbunt, oh Julia,
oh Julia! Die Julia, die Julia, die
junge Hex, die reitet auf dem Besen
g'schwind, daß keiner hinterher ihr
kimmt. Die jungen Hexenburschen alle ham sich schon derrennt, oh
Julia! Die Julia, die Julia, die
Julia, saß eines Tages auf der lila
Bank, gar traurig und bedenkelich, weil sie nämlich für sich
fand, ein Mann muß her, oh du liebe
Julia! Die schwarze Katz, die
schwarze Katz, die streicht ihr um die
Beine, die Katz', die will sie
trösten, damit sie nicht mehr länger
weine. Aber a schwarze Katz ist halt
kein Mann. D'rauf braust es und es summt
gar hexengeisterich, vom Himmel her darniedersinkt
das lila lila Ufo. Oh Julia, oh Julia, was des
wohl wieder werd, wenn da jetzt einer
außersteigt, herrjulia. Schon geht sie auf, die lila
Ufotür! Oh Julia, oh Julia, jetzt
kommt'n dicker, dicker Mann daher, der mit'm Ufo gleich die
gelben Petulien zermantscht. Da wird die Hexe Julia ganz
bös' und schimpft, bitter böse Gewitterhexe, oh
Julia! Dein Beet ist doch kein
Ufolandeplatz. Die Julia, die Julia, die
Julia, die hat ein bisserl Angst vor
dem; was kann denn das für einer
sein, der mit'm lila Ufo so mir nix
dir nix vom blauen Himmel aus'm
Föhnstrudel kömmt! Vom linken, linken
Trödelstern, meint er, da käm' er her, oh
je. Julia, liebe Julia, bleib
wachsam, der kann ja viel erzählen und
beschwör'n, doch kleine Hexen sind ja
auch nicht bläd! Oh Julia, oh Julia, oh Julia, nimm Dich sehr in Acht, der
Dicke der, der hat auch Hexerkräfte, jetzt bringst ihm auch a Bier
no glei, Was soll des wer'n, des frog
i frei! Die Julia, die Julia, die ist
nicht dumm, die paßt schon auf, und fragt
den Fremden aus. Wer bist, wo kommst'n her,
was willst' bei mir? Kannst' doch net auf'm
Petulienbeet glei' parken! Oh Julia, oh Julia, der
Tullimator ist im Arsch! So jammert der, und sagt kein
Namen, weil er meint, den kannst Du
nicht verstehn, ja denkt denn der, die Julia
wär' blöd? Dem wirst's schon zeig'n, dem
Hallodri! Oh Julia, wenn's ihm aber
wirklich naß neigeht? Die Julia, die Julia, die is
a guade Hex! Die läßt doch keinen hinten
steh'n, wenn sie ihm auch helfen
kann. Also muß der Ufoklempner her, doch wie kriegt man den am
Hexensonntag? Man muß, so beschließt die
Hexe schnell, mit dem Turbobesen eine Reise
tun. Da jammert er, der dicke
Mann, nein nein nein, auf diesen Besen steig' ich
nicht, der hat kein TÜV-Emblem! Oh Julia, oh Julia, oh Julia,
so ein Jämmerling! Du mußt zum großen Klempner
Schrullibein, ich kann ihm heut' nix fexen, die Hexenpost, die ist im
Streik, und außerdem, glaub' ich, der
ist verreist, hat seinen Urlaub sich
genommen, überdreist! Der Schrullibein, der
Schrullibein, der kann Dir alles flanschen, er hat gar Schrauben viele
und auch Schellen, Rohre und auch Drähte, alles
was man Technik nennt, das ist das, was der genau
erkennt. Wir können nur, die Hexe
spricht, auf diesem Besen, da oben
steht er, durch Wald und Luft Erkundung
fliegen, wir fragen alle in dem
1000-Wunder-Wald, bestimmt hat ihn wer geseh'n,
glaub mir's doch! Jammer hier und jammer
da, dem Dicken hilf es nicht, er muß sich auf den
Besen wagen, ganz unbequem. Es sagt die Hexe ihren
Zündungsspruch, der rote Bausch vom
Besen glüht, es raucht, der Besenkraftstoff
blubbert schon, ab geht die Rakete! Es klammert sich der dicke
Mann ganz fest am Hexenbusen an, oh Julia, oh Julia, daß er
nur keine Ohnmacht kriegt, und Du gar hexenhafte G'fühle
hast, doch der Wind, der braust und
singt, es geht dahin ganz
blitzgeschwind. Hei, wie geht es ab, über
Wipfel und die Lichtung, die helle Schneise lang,
über'n Berg hinab, 's wird finster schon,
schalt's Besenfernlicht ein. Der Dicke hält sich wacker,
schon kriegt er Spaß! Oh Julia, oh Julia, wie das
noch enden wird! Die Julia, die Julia, die hat
noch viel zu tun, auf ihrer Reise über'n
1000-Wunder-Wald, doch ihr müßt euch gedulden, weil dies die letzte Strophe
war, doch weiteres folgt ganz
bestimmt! Pah! |
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23. 9. 1978, irgendwann 1991? Susanne gewidmet Auf ein scharfes Frühjahrsweib. (Dies ist kein bierernstes Gedicht, obwohl bei seiner Verfassung ernstlich Bier getrunken wurde. Der Wehtor.) J. B. Ob du's mit den Pferden treibst, fliegst und schwimmst in Wind und Meer, oder in dem Frühlingswald in den welken Blättern schläfst. Auch, das rote Haar das dort schreit, und blendet mein Gesicht, sprich schon, wenn das deines ist, komm ich gleich und hol es mir. Vom Atlantik stammt das Salz das ich schmeck in deinem Schopf. Aus der linken Braue fällt solch ein rauher weißer Sand. Sag, in welcher Wüste du dich geliebt und auch mit wem. Eifersüchtig würd' ich nicht, höchstens auf den Sand, mag sein. Schenkst du mir, ich bitte dich, eine Handvoll Ackerland von den Hügeln Spaniens her, deren Farben Sommer sind. Aus Olivenbäumen stammt dieses Blatt auf deinem Kopf, glänzt so hart und auch so schwer, schmeckt wohl bitter grün. Wälzt du dich im frischen Schnee, füllst damit den Leib dir an, forderst dann: So tau mich auf! Weißt, wie heiß die Männer sind. Solche Scherze und noch mehr treibst du immerfort mit uns. Warte nur, ich setze dann einen Kessel Wasser auf. |
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Fingerspiel im Hügelland Wenn Du allein in Deinem
Bette liegst, wer streicht Dein Haar, wiegt
Deinen Kopf in seinem Arm, führt über Stirn und Nas' und
Wangen den Finger zu den Lippen, wer kneift ganz zart das Kinn
mit Daumen und dem Zeigefinger, küßt leise Dich und sucht,
was Dich umhüllt, ganz langsam abzustreifen, daß sich in Licht und Luft
ergibt, was weich geborgen Dein Leib
besitzt. Wer saugt am Läppchen Deiner
Ohren, liebkost die Brüste, fährt zart die Haut hinab,
sucht mit dem Finger Berg und Tal auf Deinem Körper, verweilt
im Nabel und kitzelt an der Seite, läßt nicht entkommen Dich, so
sehr Du dich auch winden magst. Wer gibt den Brüsten Namen,
erklimmt der Warzen Gipfel, wer verbirgt sich in des
Bauches Tälern, streichelt Haut und Speck
begierig matt. Wes' Arm umschlingt erst
leis, dann mehr und mehr bestimmt die Weite Deiner Hüften,
streicht an den Schenkeln auf und ab, hascht nach dem Fuß, zählt
rasch die Zehen nach, wandert lüstern hoch der
andern Hand entgegen, die ganz verwundert noch auf
der Schwinge Deiner Hüfte liegt. greift durstig Deine
Hinterbacken fest und kneift hinein. Und dann bedeckt in Deinem
Schoß den Venushügel die eine Hand und drückt ihn
sanft und auch begierig, erforscht und knetet tiefer
dann, bedächtig, währenddes die and're Hand
die Fülle Deiner einen Brust fest umspannt und dort
gefangen hält, wo sie erquillt. Dann reiben zart die Finger
jene dort entsprung'nen Lippen, es wagt sich einer, zart
bestimmt und mutig auch, hinunter in die feuchte
Schlucht bei jenem Wald, um nach der Knospe dort zu
suchen, die im Bauch das Himmelsblau
erweckt. Wer hüllt Dich später wonnig
ein und horcht auf Deinen Atem, sucht Deiner Augen Blick und
wartet mit Dir ab, bis sich in Ruhe wiederfindet
der warme Körper, und Du wieder aufgetaucht aus
jener tiefen Lust, die nie vergehen soll, die
Dir gehört und mir. |
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Yin und Yin und Yang und Yang Weib, Du Runde, Du denkst rund, ich denke eckig, eckig klingt ja wie dreckig, spitz und scharf, aber auch blank und glänzend. Sehnsucht, die ich hab' grad nach Deinem runden Denken, Deinem runden Sein, das ich umfassen will, umfangen und in Dir sein. Weib, Du Lebensschmerz, Notizbuch der Erinnerungen, an traurige Süße und süße Trauer, wärest Du aus meiner Rippe, könnte ich sagen, das Weib ist der Schmerz des Mannes, zu sein. Hohl ist dieser Schmerz, gebärst Du doch mich in leiblich feuchtem Weh. Die Frau ist feucht, und wenn in höchstem Liebesrausch sie hechelt, werden so froschkalt ihre Lippen. Heiß ist sie hier, kühl ist sie dort, liebe ich sie hin und lieb' sie fort. Und rätselhaft, doch ist das Rätsel die Erklärung, denn wärest Du nicht Weib, wie wollte Mann ich sein, ich wüßte ja gar nicht, daß ich was bin. Ich schrieb, um Dich zu necken, Der Mann forscht in Zerstörung, einen Stein zersticht er mit seinem Speer, zu sehen, was innwendig ihn zusammenhielt. Du aber nimmst ihn hin, wickelst hübsch ihn ein und hast ihn so erkannt, umhüllt mit Deiner Weiberphantasienweisheit. Weib, Du runde, rundes Wesen. Indem ich wirklich Dir begegne, sehe ich meine Ecken, aber auch sehe ich meine Rundungen, und auch sehe ich Deine Ecken, und so ecken und runden wir uns zusammen und es ist eine gedachte Einheit in der entzweiten Welt. Von Yin und Yang wie spitzer Guitarrenklang, schreibst Du nun, Ich Yang, Du Yin, das klingt so gleich, ich fühle mich runder mit Dir, fühlst Du Dich eckiger mit mir? Du willst doch in Deiner Welt anecken, nicht lautlos durch sie hindurchgleiten, unentdeckt. Also habe ich Dich entdeckt! Nicht nur für mich, aber für mich auch nur für mich, denn ich bin ohne ein Weib entdeckt zu haben eigentlich gar nicht recht auf der Welt, der dummen, drauf. Wie Du Dich neigst über DeineArbeit, wie Deine Hände weiblich halten, und wie Du manchmal männlich schaust, fast bös, und sagst: Ich denke jetzt. Und ich denke, wie man als Kind mir immer hat gesagt, ich sollte nicht so grimmig schauen, wenn ich doch bloß gedacht! So habe ich früh begriffen: Den meisten Leuten ist Denken häßlich. Du aber denkst, und ich finde es schön, das Weib soll denken, und Mann und Weib gemeinsam lenken. Damit der Weg des Lebens seinen Sinn und Zweck hat in sich selbst. Denn der Weg ist das Ziel! Der gemeinsame Weg das Ziel des zueinander Findens. Und vielleicht, vielleicht wollen wir auch einmal über uns hinaus bewirken, heute malen, morgen schreiben, übermorgen mach ich Dir ein Kind, dem bringen wir dann alles bei. |
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Auf melancholischen
Wegen Für Susanne Manchmal in der lauen
Dämmerung sinken dunkle Flocken
aus der Luft, legen sich als Asche in
mein Gemüt, die Welt verhüllt im
Schleier dieser Stimmung, die
alles färbt. Ich bin Dein Mädchen,
sagt ein Mädchen bei Hemmingway, doch laß
mich ein Knabe sein; was sie als solcher
treiben soll, scheint sie selbst nicht
recht zu wissen. Will mein Mädchen mein
Mädchen sein? Wer
wir sind - wer sollen wir sein, wer
wollen wir sein, wer können wir sein. Mann
und Frau, Frau und Mann - was ist das? Wie
man Mann und frau Frau ist, so - nein,
wollen wir ja auch nicht sein. Mal
löst sich im hellen Sommerlicht die
Stimmung wieder auf, läßt Wärme in den Kopf, dann
fällt im Tief der Wolken bleicher Schatten zurück
ins Gewinde meines Hirns, ich
liege psychisch flach, die Seele atmet kurz. Sie
schreibt: "Mein Liebster", wie gewohnt, und
von Gewohnheit, "mein Partner", raus
aus dem Trott, beim Frauentreff geklatscht
über das Leben + Lieben + den
Mann im Besonderen, im Allgemeinen. Der
allgemeine Mann, die öffentliche Frau am
See, auf der Wiese, mal hell, mal dunkel, die
eine groß, die andre klein, eine dick, 'ne
andre dünn, doch die Gesichter sind
alle ohne Bezug zu irgendwas. Sie
schreibt: "Eine ganz schöne Mauer habe ich gegen
Dich errichtet" und dann, am Schluß: Dichtest
Du mir mal wieder was??? nach lapidarem Kuß, die
Liebesräusche sind auf der feuchten Wange dieses
irren Sommers recht ermattet, ratlos. Doch
ist, im Seelengrund verankert, ein
langes Band von Freundschaft, menschlicher
Begegnung, die
tiefer ruht als Wangenduft und Schenkelfleisch. Und
dennoch könnte dieses starke Band gebrochen
werden vom schwachem Fleisch. Ob
wir, in diesem Lebenskarussel, uns
voneinander entfernen, oder
nur in weiterem Kreise umwirbeln, lesen
wir's im Kaffeesatz der Seelenreste, ahnen
wir? Haben
wir uns einander nicht bewährt? Sie
klagt vom Schmerz des Einerlei, und
scheint doch mehr in ihren eigenen Seelenlabyrinthen
sich festgeirrt zu haben. Bin
ich ein fester Punkt in ihrer Welt - mal
zu fest, da sie sich nicht verankern will, mal
zu schwach für die wirre Flut, in
der sie treibt? Ich
bin doch nicht Dein Nord- und nicht Dein Südpol, Du
Weibererde. Ich will auch nicht. Ich
will, wenn wir es können, Wege mit Dir zusammen gehen, aber
frei für mich, und Du für Dich. Mal
kreuzen sich die Wege, mal gehen sie getrennt. |
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Die Frau in den Orangen Spazierte
einst in einem Hain, darin
Orangenbäume standen, und
sah auf einer Bank sie sitzen, im
blauen Schatten unterm Baum, die
dicke Frau mit ihrem Bauch. Sie
saß ganz nackend und, so
sah ich gleich, sie
würde bald ein Kind bekommen. Ich
sprach sie an, wie heißest du. Susanne
mit dem dicken Bauch, erwidert
sie und schaut mich an. Ich
bin die Hexe weißnichtwo, und
bald werd´ ich zwei Hexen sein, die
eine wo, die andere nicht. Was
redest du, so warf ich ein, zwei
Hexen sind doch nicht allein. Sie
sah mich traurig an, wie
Orangen waren ihre Brüste, Eine
Hexe mit dem Kind, so
sagte sie mit einem Blick, die
geht bald mit dem Wind. Ihre
Haare rot, rührten leis sich
in dem Frühlingswind, und
unter den Orangen saß sie da, ganz
still und klein, und
so allein. Da
sagte ich: Hör zu, in
meiner Höhle ist es leer, es
ist so leis und ist so still, da
könnte ich zwei Hexen gut vertragen, zu
all´ den andern Plagen. Sie
sah mich an, es leuchtet auf ihr
Blick, der Mund wie eine wilde
Frucht, doch zittert sie: Willst
Du wirklich mich, so
eine wilde Hex - Ich sage dann: Hör
mich an, ich bin ein freier
Mann, ich gehe lange schon
mal hin, mal geh´ ich her, und endlich bin ich´s
leid, such lieber
Hexenfreud! Ach
ja, die Hexe seufzt, des
Mannes Freud, des Weibes Leid, doch
sag, wenn du mich lieben willst, so
täglich mal, die Woche vier, und
wenn ich hexen darf und malen, und
in deinem Garten graben... Was
willst du denn im Garten? Ach,
sagt sie, da pflanz' ich Kräuter und Gemüs', damit
ich uns was kochen kann, was lecker ist, und
Kuchen back ich auch, Und
Bilder mal' ich viel und oft. Und
kommen mag ich auch und gehn, so
wie es mir beliebt ... da
siehst du nun, es ist nicht so, wie
mancher denkt: Die
Hexe her, am Herd sie lenkt und
sonst ist Ruh! Weit
gefehlt - es raucht im Schorn, es
brutzelt in der Pfann, es
qualmt im Topf, und
hexen muß ich auch - das
wird ein arger Schlauch! Das
ist doch alles sehr gescheit, sag
ich drauf, und setze mich zu ihr, ich
dachte schon: Oh wei, jetzt
ist die Höhle ganz entzwei. Doch
wenn du gehst, und wiederkommst dann
hab' ich meine Ruh und doch ein Weib! Und
wenn das Hexenkind dann
kommt geschwind, dann
werden wir es schon mit
ihm verstehn, denn so ein Hexenwesen,
das ist doch ganz gewitzt! Da nahm ich sie in
meinen Arm, und ihre Lippen waren
tief, ihre Brüste waren
rund, die Augen waren
listig, und ihr Bauch - ja,
der war auch. Wir gingen in die
Höhle dann, unweit von dem
Orangenhain, ich trank ein
Fläschlein Wein, sie sagt nicht nein, und seither geh ich
oft unter den Orangen und
denke so allerlei in meinem
Sinn. Johannes Leckebusch
2´92 |
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Die
Ikarinen-Malerin Seit ich sie kenne, malt sie Ikarinen. In ihrem ersten Brief schickte sie mir eine besonders leichtfüßige, die mir gefiel. Damals schon in jenem Rot, das sie immer benutzt. Meistens gefallen sie mir, die Ikarinen, doch heimlich frage ich mich, warum malst Du nie etwas anderes, nie? Aber laut traue ich mich nicht, sie zu fragen. Ist es vielleicht, weil es noch keiner von diesen gelungen ist, wirklich abzuheben, den fliegenden Frauen, fliegen wollenden Frauen? Die immer an der Erde kleben bleiben. Wenn sie aber glaubt, ihrem Glück auf der Spur zu sein, dann will sie immer allein sein, ohne mich. Dann störe ich. Auch, wenn sie auf den Spuren ihres Unglücks wandelt. Und da wandelt sie oft. Zigmal hab´ ich Zeit mir gestohlen, ihr zu Hilfe zu eilen, will ich einmal Zeit mir gönnen, um sie mit ihr in einem schönen Traum zu verbringen, dann will sie nicht, daß ich um sie sei. So bleib denn allein, Ikarinenmalerin, und ich werde suchen, um zu finden, was oder wen ich eigentlich suche. Denn Dich, wenn ich Dich nicht finden kann, habe ich wohl doch nicht gesucht. |
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