Blackdot
Die Ikarinen-Malerin

Die Ikarinen-Malerin

 

Seit ich sie kenne, malt sie Ikarinen.

In ihrem ersten Brief schickte sie mir eine

besonders leichtfüßige, die mir gefiel.

Damals schon in jenem Rot, das sie immer benutzt.

 

Meistens gefallen sie mir, die Ikarinen,

doch heimlich frage ich mich,

warum malst Du nie etwas anderes, nie?

Aber laut traue ich mich nicht, sie zu fragen.

 

Ist es vielleicht, weil es noch keiner

von diesen gelungen ist, wirklich abzuheben,

den fliegenden Frauen, fliegen wollenden Frauen?

Die immer an der Erde kleben bleiben.

 

Wenn sie aber glaubt, ihrem Glück auf der Spur zu sein,

dann will sie immer allein sein, ohne mich.

Dann störe ich. Auch, wenn sie auf den Spuren

ihres Unglücks wandelt. Und da wandelt sie oft.

 

Zigmal hab´ ich Zeit mir gestohlen, ihr zu Hilfe zu eilen,

will ich einmal Zeit mir gönnen, um sie mit ihr

in einem schönen Traum zu verbringen,

dann will sie nicht, daß ich um sie sei.

 

So bleib denn allein, Ikarinenmalerin, und ich werde suchen,

um zu finden, was oder wen ich eigentlich suche.

Denn Dich, wenn ich Dich nicht finden kann,

habe ich wohl doch nicht gesucht.


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