HeckscheibenwischerEs gibt Tage, da sollte man gewisse Dinge nicht unternehmen ... vielleicht hätte ich vorher mein Horoskop lesen sollen, da hätte dann drinstehen sollen, dass ich heute Besuche bei der Autowerkstatt meiden oder mir wenigstens vorher einen genaueren Schlachtplan machen oder erst ausschlafen sollte ... aber genau das war ja das Problem: Ich war zu müde, es war früh am Vormittag, es lag Nebel, war kalt, und ich hätte mich am liebsten schon schlafen gelegt. Um aber irgendwie wieder in den Tag reinzukommen, wollte ich genau das nicht - und stattdesen mein noch Wachsein (auch wenn man dieses nur noch bedingt ein solches nennen konnte) nutzen, um ein paar Besorgungen zu machen. Dabei fiel mir wieder auf, dass der Heckscheibenwischer nicht mehr richtig funktionierte. Er lief immer ein Stückchen über die Scheibe, um dann stehenzubleiben. Nach einer kurzen Pause lief er wieder ein Stückchen weiter, um erneut stehenzubleiben - in irgend einer beliebigen Position. Eingefroren konnte er nicht sein, es war ja wieder etwas wärmer geworden, außerdem hatte ich ihn schon ein paarmal genauer inspiziert und untersucht, ohne die Ursache eruieren zu können. Blieben zwei Theorien: Entweder lag es an dem Intervall-Relais, das ihn immer einmal vor und zurück laufen ließ, und dann eine Pause einlegen, ehe er erneut einen Wischer zu absolvieren hatte. Oder es war irgendwas mit dem Motor, ein Kontaktfehler, ein korrodierter Schleifkontakt, der ihn, einmal angestoßen, seinen Weg nicht vollenden ließ. Ich hatte ja früher schon einmal ein Problem mit dem Heckscheibenwischer - er lief andauernd und wollte selbst, wenn ich ihn abstellte, nicht aufhören. Damals ermittelte ich schon, wo das zuständige Relais sich befand - vorne hinter einer Abdeckung unter dem Armaturenbrett, aber so unzugänglich, dass ich mir beinahe das Handgelenk brechen musste, um es herauszunehmen, und ohne Zuhilfenahme von Werkzeug brachte ich es nicht wieder in Position. Dennoch hatte ich seinerzeit das Relais gegen das leicht zugängliche für den Frontscheibenwischermotor ausgetauscht und schließlich das Relais durch Öffnen und Behandeln mit Kontaktspray wieder zum Funktionieren gebracht.
Aber diesmal war der Fehler ja ein anderer, und ich wußte immer noch nicht genau, wie die Sache konstruiert war - gab es etwa einen Schleifer oder Endkontakt im Motor, der diesen nach einem Lauf abzustellen hatte?
Auch hatte ich früher schon recherchiert, dass dieses Relais über 40 Euro kostete, und bei Bosch sogar noch mehr (ich glaube, um die 60 Euro, wenn auch mit irgendwelchen Zusatzfunktionen, die ich nicht brauchte). Dabei enthält es außer 6 Steckkontakten ein klassisches elektromechanisches Relais, drei Widerstände, einen Blockkondensator (wahrscheinlich Entstörung), einen winzigen Elko (wahrscheinlich die Zeitkonstante - zusammen mit einem der Widerstände) und ein achtfüßiges DIL-IC mit drei aufgedruckten Zahlenreihen. Ach, unter dem Relais sind nochmal zwei Bauteile, die ich erst mit der Lupe anhand der Farbringe auch als Widerstände identifiziere. Diode finde ich keine - wie dem auch sei, ich behaupte nach wie vor, dass das Ganze in der Herstellung nicht mehr als 5 Euro kosten kann. Da ich nun weder Lust hatte, mir das Handgelenk in der Kälte zu verstauchen, noch auf Verdacht so ein teures Relais zu kaufen, fuhr ich zur Werkstatt, um das seltsame Verhalten des Heckscheibenwischers zu demonstrieren, und zu fragen, ob man den Fehler nicht kenne und wisse, woran das vermutlich läge. Der Meister war nicht da. Ich blickte etwas ratlos zwischen den Gesellen umher, und als die Disponentin in der Werkstatt auftauchte, rief ich mutig: Wer kennt sich am besten mit Elektrik aus - mein Heckscheibenwischer spinnt. Nach einigem Rumgefrage wurde mir ein blonder Jüngling zugeteilt, der sich einerseits forsch ans Werk machte, aber auch immer wieder zu einem der anderen lief und ihn über die möglichen Hintergründe des Problems auszufragen suchte. Zeitweilig tummelten sich auch bis zu drei der Herren um mein Auto, teils neugierig, teils scheinbar sachkundig, aber mit Höherem beschäftigt. Ich wollte mich nicht unliebsam einmischen, brachte aber doch mein Wissen an, dass sich vorne unter dem Armaturenbrett ein Relais befände, das für die Intervallschaltung des Heckscheibenwischers zuständig sei. "Jaja, da tauschen wir doch gleich mal das Relais aus. Das haben wir normal auf Lager." hieß es zunächst aus dem Munde des blonden jungen Herrn. Gleichwohl machte er sich zunächst daran, meine Hecktür zu öffnen und die Innenverkleidung abzuhebeln. Das ging sichtlich mit einigem Probieren einher, aber allmählich fand er die Schrauben und Schnapper, wobei er sich auch eines weißen Keils bediente, um das Ding mit krachenden Geräuschen wegzuhebeln. Leider brachen von zwei kleineren Verkleidungsteilen, die Schrauben an den Griffen verdeckten, welche zum Zuziehen der Tür für kleinere Autochauffeure vorgesehen sind, auf je einer Seite die Haltefedern ab. "Das kriegen wir schon wieder hin. Bei der Kälte bricht das Plastik eben leicht." Ich versuchte gesprächshalber zu erfahren, ob es denn da hinten noch ein weiteres Relais gäbe. "Ja, das Zeitschaltrelais ist da hinten" wurde mir beschieden. Meine Hinweise auf das Relais vorne wurden nicht weiter beachtet. Schließlich kam der Motor zum Vorschein, aber kein Relais. Darob etwas enttäuscht holte der Jüngling nun ein weiteres Instrument herbei, die bekannte Prüflampe mit Spickerspitze und Krokodilklemme. Er wolle, teilte er mir mit, messen, wie lange der Motor Strom bekomme. "Na - solange er läuft, bis er wieder stehenbleibt!" warf ich ein. "Wenn er aber dauernd Strom bekommt und trotzdem stehenbleibt, liegt es am Motor" entgegnete er, und ich dachte mir: Na schön, dann miss halt. Nebenbei bemerkt: Der Motor lief nahezu geräuschlos und gleichmäßig, klemmte nicht ... nur eben einfach immer nur in unregelmäßigen Abständen bzw. Dauern, und blieb wahllos in irgendwelchen willkürlichen tellungen stehen. Zunächst maß er eine Dauerspannung, dh. sein Lämpchen hörte nicht auf zu leuchten. "Das glaube ich nicht" murmelte ich. Es kam wieder der zweite Geselle herbei und ließ fachkundige Erläuterungen zuteil werden: "Das ist der Dauerplus." Er schaltete schließlich vorn im Auto den Heckscheibenwischer aus, und als nun das Dauerplus immer noch die Prüflampe zum Brennen brachte, machte man sich weiter auf die Fehlersuche. Schließlich entdeckte man doch einen Kontakt, an dem die Prüflampe immer genau so lange brannte, wie der Motor lief. Also weitersuchen: Es wurde eine Verkleidung ein Stück weit ab- und zerrissen, und der eine von beiden nackelte an dem Kabel, wo es von der Tür in die Karosserie übertrat, und der andere nackelte hartnäckig an anderer Stelle an dem Kabel, was den Heckscheibenwischer nicht beeindruckte, er verhielt sich - wieder eingeschaltet - wie vor. Nach weiterer Beratung entschloß man sich, den Schaltplan zu holen. Da die Herrschaften etliche Minuten ausblieben, öffnete ich vorne die Abdeckung, hinter der sich Sicherungen und Relais befanden und tastete und leuchtete mit meiner eigenen Taschenlampe herum, um mein Gedächtnis aufzufrischen, wo sich das Relais eigentlich genau befand. Das eine der beiden blauen war nur schwer zu erkennen, das andere für den Frontscheibenwischer links leicht zugänglich - ich konnte die Relais klicken hören und auch, wenn ich den Finger drauflegte, fühlen, wie sie schalteten. Das für den Heckscheibenwischer schaltete immer nur sehr kurz und unregelmäßig - ganz so, wie der Scheibenwischer lief. Schließlich tauchten die Mannen wieder auf, mit einem Hefter in der Hand. Ich winkte den einen herbei und zeigte ihm das Relais und schilderte meine Beobachtungen. "Jaja, das wissen wir jetzt schon, hier im Schaltplan steht es ja, es gibt nur das Relais da vorne." Ein solches ward auch bald aus dem Lager besorgt, und der Blonde tauschte es in einer mich verblüffenden Geschwindigkeit aus (seine Hände müssen gelenkiger sein als meine). Sogleich funktionierte der Heckscheibenwischer wieder einwandfrei. Es folgte dann der Rückbau der Hecktürinnenverkleidung nebst einigen Debatten, wie die beschädigten beiden kleinen Abdeckungen wieder zu befestigen wären - man holte schließlich eine Art Klebemasse ... Ich bekam dann gleich mein Auto wieder und eine Rechnung, die 29,26 Euro für 0,55 Arbeitsstunden (á 53,20) und 45,89 Euro für "VERZOEGERER", 1.00 Stück, auswies, summa summarum 87,18 Euro.
Die mußte ich aber nicht gleich zahlen - hatte ich auch nicht dabei.
Warum ich das überhaupt so eilig erledigt haben wollte? Am 22. Dezember werde ich meine Schwester abholen, und wenn da wieder so ein Sauwetter ist, möchte ich nach hinten freie Sicht haben, um die potentiellen Mörder beobachten zu können, die erfahrungsgemäß auf der Autobahn München-Nürnberg-Berlin immer unterwegs sind. Das alte Relais habe ich behalten, vielleicht läßt es sich ja reparieren, auch wenn das diesmal nicht ganz so einfach sein dürfte - ich tippe auf den Elko oder das IC, das leider eingelötet ist. Um die 45,89 wäre ich wohl diesmal nicht herumgekommen, aber die gute halbe Stunde Arbeit ärgert mich. Ich hoffe nur, der Blonde merkt sich, wo beim Partner das Relais für den Heckscheibenwischer sitzt. Für weitere Debatten war ich jedenfalls zu müde und bin erst einmal wieder nach Hause gefahren. Und ich war ja unangemeldet einfach aufgetaucht und unterbrach die Arbeit von bis zu drei Leuten an anderen Autos ... tss, tss. |
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