Elektrische Obstverkäufer oder DSL und andere Freuden der Technik
Am Armaturenbrett vom Auto ist das mittlere Beleuchtungslämpchen ausgefallen (endgültig, hatte schon lange einen Wackler), der Lüfter der "Klimaanlage" geht jetzt auch offenbar endgültig nicht mehr, die Kraftstoffleitung hat irgendwo ein Leck, am Gartentisch ist die Farbe abgeplatzt und in der Nacht von Freitag auf Samstag fiel für gut eine Stunde das DSL aus. Da habe ich mir noch nicht viel gedacht - passiert 1 - 3mal im Jahr, oder so. Kam ja dann auch wieder - zufällig, als ich mal den Stecker des DSL-Kabels aus der Wanddose gezogen und wieder reingeschoben hatte. Hatte aber an sich nichts zu bedeuten.
Am Samstag ging es wieder nicht mehr. Power-Lampe morst "lang - kurz, kurz, ... lang, kurz, kurz, ...".
Zuerst rufe ich die TDSL-Störungsstelle an. Ist zwar eigentlich sinnlos, kostet aber nichts. Erst lande ich für eine halbe Stunde (in Zahlen: 1/2h) in einer Warteschleife, dann werde ich mit der Ansage "Alle Plätze sind derzeit besetzt, bitte versuchen Sie es später wieder" (vorher immer wieder "der nächste freie Mitarbeiter ist für Sie reserviert") rausgeworfen.
Beim nächsten Versuch erkennt mich die Anlage anscheinend wieder und wirft mich gleich wieder raus, es seien jedenfalls alle Plätze belegt. Ach nein, der elektronische Obstverkäufer frug mich: "Rufen Sie wegen der gleichen Störung erneut an?" und ersparte mir damit den langen Dialog mit ...
Irgendwann kriege ich dann doch einen freundlichen Herrn dran. Der bestätigt zwar, dass es so etwas wie DSL-Störungen an sich wohl gäbe ... bloß im Moment nicht. Das würden die sowieso nie zugeben. Dann: "Sie haben ja offenbar einen Reseller, sehe ich hier?" - "Ja" - "Da kann ich Ihnen sowieso nicht helfen usw.". Dann will er den Namen wissen. "Meinen Namen?" (erschrocken). "Nein, den des Resellers!"
"Achso - Einsundeins."
"Die haben ja auch eine Servicenummer - naja, die sind ähnlich schwer zu erreichen wie wir ...".
... dem elektronischen Obstverkäufer (also sich selbst). Da gibt es so einen Werbespot(t), ein typischer Viktualienmarkt-Obstverkäufer mit Halbglatze steht einer Frau aus dem Volke mit Migrationshintergrund gegenüber. Freundlich beginnt er zu reden, wenn auch bisweilen etwas abgehackt, wobei er vorübergehend den Kopf auf die andere Seite legt (wo diverse Samples eingefügt werden): "Möchten Sie Äpfel kaufen? Dann sagen Sie >>Äpfel<<. Möchten Sie Birnen kaufen, dann sagen Sie >>Birnen<<. Möchten Sie ..."
Die Dame schließlich, mit etwas Zagen in der Stimme: "Äpfel".
Der Verkäufer starrt sie eine Weile an, überlegt angestrengt und antwortet dann: "Ich habe Sie nicht verstanden. Möchten Sie Äpfel kaufen, dann sagen Sie >>Äpfel<<, ..."
Wiederholt sich ein paarmal, dann spricht der Verkäufer mit erleichtertem kundenfreundlichen Lächeln: "Sie möchten >>Bananen<< kaufen. Wie viele Bananen möchten Sie kaufen? Möchten Sie eine Banane kaufen, dann sagen sie >>eins<<, möchten Sie zwei Bananen kaufen, dann ..."
"Nein, Äpfel! Äpfel!"
Bei Einsundeins geht das etwas besser, nur dass man die ganze Tortur bei jedem Anruf erneut durchleiden muss. Und die Frage, ob man schon einmal angerufen habe, etwa wegen derselben Störung, muss man auch sehr viel später, nach allen Präliminarien, selbst beantworten! Erst muss man jedesmal abwählen, dass man keine Beratung wegen eines Produktes will, und kein WLAN und kein ... dann vermutlich, dass es sich um den Bereich "Technik" handelt (danach kommt dann tatsächlich auch die Alternative einer "Störung" zum Vorschein).
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Karen Mattschull (die ich nie wieder sprechen werde, denn zu den eisernen Prinzipien bei Einsundeins gehört es auch, dass man garantiert jedesmal wieder mit einem anderen Mitarbeiter verbunden wird, auch wenn man nach einer Unterbrechung sofort wieder anruft, so dass man nach dem Dialog mit der Maschine auch dem Menschen erst einmal von Anfang an alles wieder neu erzählen muss ... aber so weit sind wir noch nicht). Karen Mattschull (ich habe Ihren Namen nicht behalten, bekam aber kurze Zeit nach dem Gespräch mit ihr eine E-Mail, die mir diesen mitteilte und wissen wollte, wie ich mit dem Gespräch, das ich gerade mit dem technischen Support geführt hatte, zufrieden sei), Karen Mattschull also ersucht mich, in das FritzBox-Menü zu gehen (dass ich eine FritzBox habe, weiß sie von sich aus), wo ich aber schon bin. Da läßt sie mich dann diverse Einstellungen überprüfen und durchsagen. Endlich findet sie was: Meine Firmware ist zu alt! Die hätte ich wohl noch nie geupdatet!? Habe ich wohl, sogar schon dreimal, aber das kann auch schon drei Jahre her sein, weil es mir irgendwann langweilig wurde.
Also ohne ein Update gehe erst einmal gar nichts. Ob ich denn nicht Bekannte oder Freunde hätte, bei denen ich ins Internet gehen könnte, um mir dann die Firmware auf eine CD oder einen Stick zu laden ... und wenn das nichts helfen sollte, ginge sowieso dennoch vor Montag nichts, da seien erst wieder Techniker da.
Ich beschließe, den Zeittakt-kostenpflichtigen ISDN-Zugang wieder herzustellen. Versuche das, gelingt mir aber nicht. Weil ich vergessen habe, wie das genau geht; und wie es meiner Erinnerung nach gegangen sein könnte, geht es nicht, und vielleicht habe ich auch irgendwelche Dinge auf meinem Rechner gelöscht und abgeschaltet, weil ich sie nicht brauchte (eine DFÜ-Verbindung, irgendwelche Dienste namens Telefonie und noch was, wovon eines vom anderen abhängt oder umgekehrt, was Windows zwar weiß, mir aber nicht sagt, wenn ich nicht weiß, wonach ich es fragen muss).
Das alles erfahre ich in einem wagemutigen Telefonat zu unbürgerlich später Stunde am Samstag von Roy. Er schickte mir dann keine E-Mail mit der Frage, wie zufrieden ich mit seiner Beratung gewesen war, aber er hätte die Höchstnote bekommen. Auf meine Dankesmail antwortet er später mit "viel Glück" (bei Einsundeins ...). Zuvor muss ich allerdings erst ein Passwort suchen. Ich habe mindestens ein Dutzend Passwörter allein bei 1&1 - für allerlei niedliche und unterschiedliche Zwecke. Aber welches brauche ich jetzt? Ich habe (fast, fast!) alle Passwörter irgendwo aufgeschrieben, nur wo?
Roy meinte, es geschähe mehr Schaden durch verlorengegangene Passwörter als durch Missbrauch von Passwörtern, darum sollte man alle Passwörter zusammen an einer leicht zugänglichen Stelle notieren (jaja, ich habe tatsächlich schon einmal so eine Passwortdatei als Text geschrieben, mit diversen Erläuterungen, aber wo ...)
Jedenfalls gelingt es mir dann, via ISDN wieder ins Internet zu kommen, E-Mail zu prüfen und das Firmware-Update zu holen. Das geht, weil mein Rechner auch noch eine ISDN-Karte hat und ein eigenes Kabel zu einer ISDN-Buchse (an der FritzBox vorbei ... jahaha, aber ... aber der Reihe nach).
Ich update schließlich. Alles wie gehabt. Die Power-Leuchte morst mich an. Via ISDN (/über/ die Fritzbox per *2# kann man telefonieren, sonst nix). Kein DSL.
Nun habe ich immer noch die Hoffnung, es könnte sich alles von selbst geben. Ich gehe in mein 1&1-Control-Center (mit CC) und suche eine Möglichkeit, eine Störung zu melden. Sowas gibt es selbstverständlich nicht. Man kann sich allenfalls bezüglich der Konfiguration beraten lassen. Ich schicke eine E-Mail. Es kommt prompt (mitten in der Nacht) eine Antwortmail von einem mit mir befreundeten Automaten, der mir verschiedene Links zur Erläuterung der Konfiguration anbietet und wissen will, ob damit meine Frage beantwortet sei. Ich maile zurück, nein, und wiederhole mich: "Dies ist keine Anfrage, dies ist eine Störungsmeldung!"
Darauf erwidert der Automat nichts.
Am nächsten Tag (Sonntag) morst die Powerlampe weiterhin tapfer. Und am Montagnachmittag morst sie immer noch. E-Mail ist keine gekommen - weder vom DSL-Automaten noch von einem Menschen bei 1&1 (nur die Spam-Übersicht, aber das ist wohl ein anderer Automat, den meine eigentlichen momentanen Sorgen nicht kümmern).
Also versuche ich wieder die Einsundeinsstörungsstelle. Ich kriege sogar ziemlich bald eine nette Dame ran, die (nach Absolvierung des Dialogs mit dem Obstverkäufer-Automaten) mit mir einen Dialog beginnt: Was die Lampe an meiner FritzBox so macht, was hier und da auf den diversen Menüseiten der FritzBox steht. Dann versucht sie in meinen Daten was nachzuschauen ... und wird auf einmal ganz verzweifelt. Ihr Computer würde gerade abstürzen, und sie könne jetzt leider nichts für mich tun, ob ich ihr böse wäre wenn ... was? Also, ich muss auflegen und neu anrufen. Mit dem elektrischen Obstverkäufer reden. Dann einer neuen Mitarbeiterin alles wieder neu erklären, mit ihr durch die Menüs der FritzBox gehen. Schließlich will sie wissen, ob ich die Werkseinstellungen wieder geladen habe. Ich bin irritiert, was? Die Fritzbox rückgesetzt? Ich sage, ich hätte die mindestens mal vom Netz (Power) getrennt und wieder neu gestartet; aber um ihr zu Willen zu sein, klicke ich im Menü auf "Rücksetzen" ... das hätte ich /nicht/ tun sollen, denn nach einigen Sekunden wird unser Gespräch getrennt ... ich telefonierte ja gerade über den ISDN-Zweig der Telefonie in der FritzBox.
Also wieder den Obstverkäufer anrufen, einem - diesmal männlichen - Mitarbeiter wieder alles neu erzählen. Nur nicht auflegen, nichts rücksetzen ... einfach immer weiter. Dieser guckt nach und wundert sich über "eine DFÜ-Verbindung". Achso - nun, ich musste ja irgendwie wieder ins Internet, schon um das verlangte Firmware-Update zu machen ... angeblich bestünde diese Verbindung schon seit der letzten Nacht 3 Uhr permanent! Das ginge doch richtig ins Geld! Mich beschleicht leichte Panik - ich habe das extra so eingerichtet, dass die Verbindung nach einer Minute wieder getrennt wird - und außerdem vor einer Neuanwahl ein Dialog erscheint, in dem ich einen Button drücken muss. Der Herr beharrt darauf, die Verbindung bestünde permanent. Ob ich wohl eine Firewall eingeschaltet habe? Ja, die würde das blockieren, ich soll's doch mal ohne versuchen. Die Firewall blockiert die Trennung einer ISDN-Telefonverbindung eines DFÜ-Geistes, auch wenn mir dessen Box unter Windows anzeigt, dass die Verbindung getrennt wurde (und sie vor dem nächsten Abrufen von E-Mail wieder neu zu wählen verlangt)? Ich hoffe, das ist nur ein böser Einbildungs-Alptraum!!!
Irgendwann habe ich diesmal alles bis zu dem Punkt durchgekaut, an dem er schließlich eine Mitteilung an die Technik absetzt! Eine Störungsmeldung! Wow!
Etwa eine Stunde später geht die DSL-Synchronisation anscheinend wieder, nur die Verbindung wird abgewiesen - irgendwas habe ich bei den Benutzerdaten und dem Passwort falsch eingetragen (oder da muss jetzt mit der neuen Firmware etwas nicht mehr rein, was früher drinstand, ein "D" vor der Kennung, wie es scheint), schließlich klappt es. Ich fahre einkaufen.
Als ich wiederkomme, geht es immer noch. Ich erledige ein paar Dinge im Wehwehweh und schreibe diesen Text. Auf einmal klingelt das Telefon (gegen 20 Uhr). Eine nette Dame von der Telekom-Störungsstelle meldet sich! Man habe von 1&1 eine Störungsmeldung bekommen, und sie hätte soeben die Leitung zurückgesetzt und ihres Wissens müsste die nun wieder synchronisieren! Sie scheint etwas enttäuscht, als ich ihr dankbar vermelde, dass die Verbindung schon seit ein paar Stunden wieder funktioniere ... "Naja, vielleicht haben die Techniker da auch schon was gemacht".
Wie dem auch sei - wenn es nur daran lag, dass sie die Leitung resetted habe ("das machen wir immer bei so einer Störung") hätte das der Mensch von TDSL ja schon am Samstag tun können. Aber - wie zu erwarten - hat er sich geweigert. Die Leitung durchzumessen würde Kosten verursachen, und die würde Einsundeins wohl nicht übernehmen wollen - und ich müsse mich schon an die wenden. Und mit dem elektrischen Obstverkäufer verhandeln - bis an die Bananengrenze!
PS.: Um 20.03 traf noch folgende E-Mail ein:
"Sehr geehrter Herr Leckebusch,
die Störung an Ihrem 1&1 DSL Netzanschluss unter der Kundennummer 7xxxxxxx wurde erfolgreich behoben. Unsere Prüfungen ergaben, dass der Anschluss fehlerfrei betrieben werden kann.
Sollte dies nicht der Fall sein, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Wir werden den Vorgang gerne erneut für Sie prüfen und Ihnen eine entsprechende Lösung unterbreiten.
Mit freundlichen Grüßen
Martin B."
Ob Martin der elektrische Obstverkäufer ist?
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