Digitale Spiegelreflexkamera von Olympus

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Im Auftrag von:

(C) by Johannes Leckebusch 2002

Stand: 23. 05. 2002


Es ist schon merkwürdig - über 20 Jahre mußte ich warten, bis der Markt eine digitale Kamera hervorbrachte, die etwa zum selben Preis wie meine damalige Fotoausrüstung (4000 Mark) mit Abstrichen hier und da fotografisch in etwa das gleiche zu leisten vermag. Allerdings hatte ich damals eine Spiegelreflex mit Wechselobjektiven, einem 24mm Weitwinkel F 2,8, Normal 50 mm F 1,4!, einem lichtstarken (F2,5) 135er, einem F4 200er, Winkelsucher, Balgengerät und einem Zoom mit konstant F2,8 und 35 bis 85 mm.

Mitten im Gewirr der Zweige und Knospen auf eine einzelne Blüte scharzustellen - gelingt nur mit manuellem Fokus und einer Mattscheibe (diese und ff automatische Belichtung).Nahaufnahme - ganzes Bild
Blende 4 und eine 1/500-Sekunde. Auch im Ausschnitt sitzt die Schärfe noch exakt. In der besten Qualitätsstufe hat das ganze Bild eine Auflösung von 2560 x 1920 Pixeln und als JPEG eine Dateigröße von 3,4 Megabyte.Nahaufnahme - Ausschnitt
Selbst bei einer Vergrößerung auf 100% präzise im Blütenkelch scharfgestellt - das machen Sie mit keiner Sucherkamera nach - schon gar nicht mit Autofokus.Nahaufnahme - Ausschnitt 100%

PDF-Datei des deutschen Referenzhandbuches

Da ich immer wieder nach einer deutschen Anleitung gefragt werde, hier ein Dowloadlink der PDF-Version des deutschen Referenzhandbuches der Camedia E-20 Achtung: Die Datei ist 6,32 MB groß! Alle Rechte liegen natürlich bei Olympus. .


Test-CD mit Original-Kameradateien

Überzeugen Sie sich selbst im Vergleich von der Qualität der mit den Kameras gemachten Testbildern: Auf den Internetseiten können die Bilder nur in stark reduzierter Form gezeigt werden. Auf der Test-CD finden Sie die unveränderten Original-Kameradateien aller Testaufnahmen (und weitere, soweit der Platz reicht). Senden Sie bitte Euro 10,- (inkl. Porto, Verpackung und MWSt) mit dem Vermerk "CD Testfotos Pixelgiganten" an Johannes Leckebusch, Schlierseer Str. 27, 83735 Bayrischzell. Absender nicht vergessen! {;-)).


Jetzt kann ich für etwa 2000 Euro eine Olympus E-20p mit fest angebautem Zoom, auf Kleinbild umgerechnet 35 bis 140 mm bei F2.0 bis F2.4, bekommen. Schade, dass man das Objektiv nicht wechseln kann. Es gibt aber Vorsätze, um z. B. auf ein Weitwinkel von 28 mm zu kommen. Und es handelt sich um eine echte Spiegelreflex, die sich auch manuell scharfstellen läßt. Leider fehlt die Abblendtaste, um den Einfluß der Blende auf die Tiefenschärfe prüfen zu können (siehe dazu Beispielaufnahmen weiter unten). Dafür ein anderes, bemerkenswertes Detail: Ein Hebelchen, um intern den Sucher abzudecken, wenn man diesen nicht benutzt, damit durch ihn kein Licht auf den Bildsensor fallen kann (das Problem gibt es bei herkömmlichen Spiegelreflexkameras auch - im Zweifelsfall den Sucher von Hand abdecken, wenn man beim Auslösen nicht durchschaut). A propos Abdecken: Wenn man den eingebauten Blitz benutzt, steht dessen Lichtweg die Hand im Wege, mit der man am Zoomring dreht - ein peinlicher Lapsus im ansonsten gelungenen Design.

Das Objektiv: licht- und zoomstark

Bei der größten möglichen Blendenöffnung von 2,0 bis 2,4 kann man schon fast von einer konstanten Anfangslichtstärke über den ganzen Brennweitenbereich sprechen. Eine hohe Lichtstärke im Telebereich ist nicht nur wichtig, damit man hier möglichst kurze Belichtungszeiten erreicht (je länger die Brennweite, desto größer die Verwacklungsgefahr), sondern auch deshalb, weil gerade in der Kombination lange Brennweite - große Blende das gestalterische Mittel der gezielten Vorder- oder Hintergrundunschärfe seine volle Wirkung entfaltet.

Die maximale Weitwinkeleinstellung ist mit (auf Kleinbild umgerechnet) 35 mm zwar nicht überwältigend, reicht aber für viele Motive aus. Mit einer Vorsatzlinse (Zubehör) läßt sie sich auf 28 mm erweitern. Die automatische Belichtung ist hier exakt, eher knapp - bei manchen Aufnahmen neigt die E-20p aber auch zum Überbelichten. Hier heißt es: Erfahrungen sammeln und gegebenfalls korrigieren oder die Spotmessung gezielt einsetzen.Weitwinkel 35 mm
140 mm sind schon ein "echtes Tele" - und damit kann man manuell bis auf 20 cm scharfstellen, ohne irgendwelche Makroschalter betätigen zu müssen (die sind dem Autofokus vorbehalten). Das Objektiv behält zwar mechanisch beim Durchzoomen die Entfernungseinstellung nicht bei, stellt diese aber auch bei manueller Fokussierung elektronisch nach, so dass man in Telestellung auf ein bildwichtiges Element scharfstellen und dann zurückzoomen kann.Tele 140 mm

Damals erfolgte der "Weißabgleich" per Filmwechsel oder durch das Vorsetzen von Filtern. Autofokus oder Belichtungsautomatik hatte ich nicht - aber auch nie wirklich vermißt. Die sind heute bei Spiegelreflex und Film-Knipsen längst Standard, tragen aber im Prinzip nichts zu den gestalterischen Mitteln einer Fotokamera bei. Die Schärfe ließ sich blitzschnell durch Drehen am Ring des Objektivs einstellen, und die Belichtung motivsicher mit definiertem Messfeld, Kelle und Zeiger festlegen. Mein Zoom war und ist ein Schiebezoom: Mit einem Ring, der gedreht wird, um scharfzustellen, und vor und zurück geschoben, um die Brennweite zu ändern - also kein Tappen nach dem richtigen Einstellring, und schon gar nicht nach irgendwelchen für Liliputaner entworfenen Wippschaltern, die von der eigenen Nase verdeckt werden. Die einzige Elektrik bestand in einer Knopfzelle für den eingebauten Zeiger-Belichtungsmesser. Sollte die mal (in nach Jahren bemessener Betriebsdauer) leer werden, konnte man per Schätzung oder mitgeführtem Lunasix-Handbelichtungsmesser immer noch fotografieren. Alles mechanisch damals und fast unkaputtbar. Dafür war das Handbuch gerade mal 49 Seiten stark - jetzt drucke ich eines von über 200 Seiten aus (denn es wird nur als PDF-Datei auf der CD mitgeliefert, nebst papierener Schnellanleitung, die viele Detailfragen unbeantwortet läßt).

Zweitausend Euro mögen heute an Kaufkraft weniger sein als damals 4000 Mark - aber wenn ein neuer feinkörnigerer oder höherempfindlicher Film auf den Markt kam, habe ich ihn einfach benutzt - heute kann ich nicht den Chip wechseln, sondern muß eine neue Kamera kaufen, wenn ich mehr Auflösung oder Empfindlichkeit will. Ich konnte mit einfachen, billigen Objektiven anfangen und mich zu teuren, lichtstarken oder zoomgigantischen hochsparen. Ich hatte sogar die Auswahl zwischen einer Handvoll verschiedener Objektivhersteller.

Gut - dafür muß ich mich bei der Digitalen nicht mit unterschiedlichen Filmsorten bevorraten - sondern am besten mit einem 1-Gigabyte-Micodrive und einem Grundkurs in Weißabgleich. Aber wenn ich ein Superweitwinkel, ein Fisheye oder ein astronomisches Tele brauche - oder ein perfekt lineares Makroobjektiv, was dann?

Aber seien wir mal ehrlich - für jeden gestandenen SLR-Fotografen (Single Lens Reflex) sind die heutigen Undeutlich-Zoomsucher-Digitalknipsen eine Qual - mit ihrem meist lahmen Autofokus, ihrem halben Dutzend Motviprogrammen, von denen man nie genau weiß, was sie eigentlich machen, und ihren Brief- bis halb Scheckkartengroßen schwer erkennbaren LCDs. Und da ist das Fotografieren mit einer Camedia E-20p wie wenn der Schmerz nachläßt ... nach dem Bohren. Man atmet auf und genießt und schwelgt in Bildern.


Was braucht der Mann (oder die Frau) eigentlich zum kreativen Fotografieren?

Duftige zarte Töne mag sie offenbar gern, und gibt diese differenziert und warm wieder (automatische Belichtung).Duftige zarte Töne

Ein helles, klares Sucherbild, am besten auf Mattscheibe, auf dem man sofort erkennt, worauf scharfgestellt ist und was im Vorder- oder Hintergrund noch scharf oder schon unscharf ist. Eine Anzeige von Zeit und Blende und die Möglichkeit, für bestimmte Motivteile eine exakte oder Über- bzw. Unterbelichtung zu erkennen. Das alles bot meine alte Canon FTb. Autofokus - man möge mir verzeihen - ist vielleicht eine Notwendigkeit für Einarmige (oder Leute, die sich beim Fotografieren mit einer Hand irgendwo festhalten müssen, was ja auch vorkommt), solange er aber nicht besser und schneller als das menschliche Auge arbeitet, eher lästig. Gut, nichts dagegen, wenn man ihn wahlweise verwenden kann und wenn er schnell und zuverlässig funktioniert - was bei der E-20p der Fall ist. Und ich gebe zu: Es macht Spaß, verschiedene Motivteile anzuvisieren und im Sucher zu beobachten, wie sie bei leichtem Druck auf den Auslöser rasch auf diese scharfstellt und diese Fokussierung dann beibehält, solange man die Taste halb gedrückt hält - bis zum Auslösen oder Loslassen.

Ansonsten: Ein lichtstarkes, möglichst verzeichnungsfreies Objektiv (ev. auch deren mehrere), und insgesamt ein System, das scharfe und farblich detaillierte Bilder machen kann. Der Rest ist Sache des Fotografen.

Und da kommt sie nun: Die Olympus E-20p. Sie ist etwa so schwer (mehr als ein Kilo) und klobig wie meine FTb mit dem Vivitar Serie1-Zoom 35-85mm F2,8 (naja, die Frontlinse ist nicht ganz so untertassengroß), und es wird eine Sonnenblende mit Aussparungen für die Ecken des Weitwinkelbereiches mitgeliefert (wow!). Die Sonnenblende kann auch mit Objektivdeckel angebracht werden, mit etwas spitzen Fingern gelingt dann auch noch das Aufsetzen oder Abnehmen des Objektivdeckels. Eine Öse für ein "Verlier-mich-nicht-Bändchen" hat er leider nicht, dürfte sich aber im Notfall durch einen überall erhältlichen 62mm-Schnapp-Deckel ersetzen lassen. Der Filterdurchmesser (62mm) ist auf dem Objektivring eingraviert.

Fotografieren macht einfach Spaß mit so einer Kamera ... nicht nur, wenn im Frühling die Obstbäume blühen. Hier habe ich mit dem Spot in das Blütengewirr mit dem Himmel gemessen - und natürlicherweise eine eher knappe Belichtung erzielt, die aber ok ist (manuelle Belichtung).Obstbaumblüten gegen den Himmel

Die E-20p hat ein Zoom von (umgerechnet) 35 bis 140 mm und F2.0 bis 2.4. Dafür müßte ein Kleinbildfotograf eine Menge Euro hinlegen. F2.0 als Anfangslichtstärke ist für ein Zoom schon recht beachtlich, der geringe Abfall nur auf 2.4 bei 140 mm sogar excellent.. Und es ist auch ohne Balgengerät "makrofähig" - bis auf 20 cm oder Scheckkartengröße (wenn ich wollte, konnte ich mit meinem Vivitar und Zwischenringen eine auf der Frontlinse sitzende Fliege scharfstellen - aber wer braucht das schon).


Indirekt blitzen

Das Handbuch beschreibt die Verwendung des eingebauten, aufklappbaren Blitzes und aufsteckbarer oder per Kabel anschließbarer externer Blitzgeräte auf zehn Seiten. Der eingebaute aufklappbare Blitz hat einen gewissen Abstand von der optischen Achse des Objektivs, ragt allerdings nicht genügend weit über den Objektivtubus hinaus, um nicht von der Hand, mit der man den Zoom- oder Fokusring dreht, verdeckt zu werden. Auch besteht die Gefahr eines Rote-Augen-Effektes, so dass es einen entsprechenden Vorblitz-Modus gibt. Ich bin kein Freund solcher Aufnahmen - aber ich habe mit der Kamera etwas anderes ausprobiert: Indirektes Blitzen.

Ein Blatt Schreibmaschinenpapier, eine Schere, etwas Klebeband - und im Nu entsteht ein Blitzreflektor Marke MacGyver. (Diese Aufnahme machte netterweise die Canon PowerShot G2)Reflektor für indirektes Blitzen
Damit gemachte Aufnahmen zeigen eine viel weichere Ausleuchtung - der Anteil direkten/indirekten Lichtes läßt sich durch die Transparenz des papierenen Reflektors beeinflussen. Das diffusere restliche Frontallicht erzeugt in den Augen des Kindes ein sanftes Glanzlicht - aber "Kaninchenaugen" dürfte es kaum geben.Indirekt geblitzt

Leider läßt sich der angebaute Blitz nicht schwenken - aber man kann trotzdem sein Licht zur Decke lenken. Das obere Foto zeigt, wie es geht: Einfach aus Papier einen Reflektor ausschneiden und mit Klebeband befestigen. Damit lassen sich in den meisten Wohnräumen, die über eine weiß gestrichene Zimmerdecke verfügen, Aufnahmen mit indirektem Blitz machen. Freilich reduziert das die Reichweite des Blitzes, die sonst je nach Aufnahmeart bei etwa fünf bis maximal 12 Metern liegt, auf wenige Meter, aber die Vorteile sind vor allem bei Personen-Nahaufnahmen auf gesellschaftlichen Anlässen groß: Das Licht ist weich, es gibt keine roten Augen, und die fotografierten Opfer werden nicht geblendet. Außerdem ist der Lichtabfall zum Hintergrund nicht so groß.

Man sollte vorher ein paar Probeaufnahmen machen - wichtig ist, dass der Papierstreifen das Licht im gesamten Blickfeld des Objektivs abschattet - sonst erhält man häßliche Lichtsäume am oberen Bildrand und eine Fehlbelichtung. Das Papier darf ruhig etwas durchscheinen (wie normales Schreibmaschinen- oder Druckerpapier), dann hat man einen Anteil gemilderten und weicheren Frontallichtes und einen Anteil indirekte Aufhellung von der Decke. Falls sich Unterbelichtungen ergeben, kann man die im Handbuch beschriebenen Belichtungskorrekturen ausprobieren. Insgesamt ist das Verfahren aber unproblematisch - es läßt sich auch bei anderen Kameras mit fest angebautem Blitz verwenden - Probieren geht über Studieren!


Blendenspielereien ...

Im folgenden einige "Lehrbuchaufnahmen", die den Einfluß der Blende auf die Tiefenschärfe demonstrieren. Hier ist die Blende möglichst weit offen: F3,2 bei 1/500 Sek. steht in der Datei. Ich hätte schwören mögen, dass ich auf die kürzestmögliche Zeit 1/640 eingestellt hatte, doch finde ich in keiner Datei eine kleinere Angabe als 1/500. Ein Problem der E-20p ist, dass sie im hochauflösenden "Interlaced"-Belichtungsmodus 1/640 als kürzeste Zeit anbietet, bei Tageslicht - hier war es immerhin schon die Abendsonne - kann man praktisch nicht mehr mit voll geöffneter Blende fotografieren.Große Blende - Schärfe im Vordergrund

Und sie ist eine echte Spiegelreflex mit Mattscheibe, man hat am Objektiv zwei gummierte und unterschiedlich profilierte Ringe zum Drehen, einen für das Zoom (keine Wippe zur Motorsteuerung, sondern eine rein mechanische Verstellung!) und einen für die optionale manuelle Scharfstellung - der allerdings nur Signalgeber für die motorische Fokussierung ist und daher etwas hinkt. Dreht man daran, dauert es etwas, bis der Motor nachkommt - besonders, wenn man rascher dreht, es geht aber auch sehr feinfühlig, wenn man langsam dreht. An den Enden des Einstellbereiches gibt es keinen fühlbaren Anschlag - der Ring läßt sich immer weiter durchdrehen - sondern nur ein Aussetzen des Motorgeräusches und der Reaktion auf der Mattscheibe. Nicht ganz intuitiv - aber immerhin: Man kann wieder selbst scharfstellen und es sehen, frau auch, und wenn der Autofokus sich ans Werk macht, kann man sehen, was er macht (und nicht nur hören, ob er noch surrt). Toll ist das! Übrigens hatte ich schon einmal, vor langer Zeit, eine digitale "Spiegelreflex" von Olympus in der Hand: Die C-1400 L. Neben anderen Einschränkungen hatte die aber einen entscheidenden Fehler: Keine Mattscheibe. Daher ließen sich die Fokussierung und Tiefenschärfe im Sucher nicht beurteilen.

Bei ansonsten gleichen Aufnahmedaten wie oben: F3,2 bei 1/500 Sek. habe ich auf die Blütenknospen in der Mitte meines Motivs scharfgestellt - sowas kann man praktisch nur mit einer Spiegelreflex und manueller Scharfstellung erreichen. Die Kamera war auf einem Stativ befestigt, der Bildausschnitt also unverändert. Ich habe mit dem Modus "M(anuell", manueller Fokussierung und Spotmessung gearbeitet und eine Belichtungsreihe gemacht, um optimal belichtete Aufnahmen zu erhalten.Große Blende - Schärfe im nahen Mittelgrund

Etwas später wird mir klar, dass die elektronische Fokusverstellung durchaus einen tieferen Sinn hat: Das Zoom ist nämlich eines von denen, die beim Verstellen der Brennweite die Entfernungseinstellung nicht beibehalten (tat mein altes Schiebezoom leider auch nicht). Man müßte also die Schärfe korrigieren. Hier greift nun die Intelligenz des eingebauten Mikroprozessors ein: Auch bei der Betriebsart "Manuell Fokussieren" steuert der Motor die Schärfe nach, wenn man durchzoomt. Nach meinen bisherigen Ergebnissen scheint daher die bekannte Regel zu funktionieren: In maximaler Telestellung (wo man es am besten sieht) scharfstellen und dann zurückzoomen.

Hier lauten die Werte: Blende F11 und 1/58 Sek. Eine kleinere Blende (z. B. 16 oder 22, wie bei KB-Objektiven durchaus üblich) bietet das Zoom der E20p leider nicht. Die Schärfe war wie oben auf die mittleren Knospen eingestellt. Hier ist die "Tiefenschärfe" viel größer, das heißt vor und der fokussierten Bildebene wächst die Unschärfe nicht so rasch. Dafür tritt aber der Hintergrund stärker strukturiert hervor, was bei solchen Aufnahmen meist unerwünscht ist.Kleine Blende - Schärfe im mittleren Vordergrund

Auf jeden Fall ist die Einstellungsmethode durch Drehen an Ringen, welche die Motorik und Sensorik der menschlichen Hand nutzt, jeder Art von Tastenbetätigung meilenweit (oder entscheidende Sekundenbruchteile) überlegen.

Hier lauten die Werte: Blende F2,2 und 1/500 Sek., scharfgestellt habe ich auf den Hintergrund. Eine solche Aufnahmeweise ist zwar sehr ungewöhnlich, kann aber ebenfalls reizvoll sein, außerdem ist sie sehr nützlich, wenn man z. B. gezwungen ist, durch einen Maschendrahtzaun zu fotografieren und diesen möglichst "unsichtbar" machen will. Der Kamerastandpunkt wurde nur um einige Zentimeter seitlich verschoben, um die Steinbrücke im Hintergrund erkennbar zu machen.Große Blende - Schärfe auf dem Hintergrund

Im Übrigen ist der Autofokus affenschnell (ach, geht also technisch doch!). Und wenn ich abdrücke, nimmt die Kamera tatsächlich sofort ein Bild auf (na sowas!). Verzögerung laut Handbuch 60 Millisekunden (0,060 Sekunden - gut eine halbe Zehntelsekunde, das spürt man subjektiv nicht). Sanfte Schnurrgeräusche belohnen die gemachte Aufnahme (man kann sie noch durch ein synthetisches Verschlußgeräusch verstärken lassen - für Hörnostalgiker).

Hier lauten die Werte: Blende F11 und 1/25 Sek., scharfgestellt habe ich auf den Hintergrund. Dadurch wird das Maximum an "Tiefenschärfe" erreicht, tatsächlich hätte man noch etwas mehr in den Vordergrund fokussieren können, ohne dass der entfernte Hintergrund unscharf wird - leider läßt sich das mangels Abblendtaste bei der E20p vor der Aufnahme nicht abschätzen. Im Übrigen ging - wie man sieht - die Sonne weg, da solche Aufnahmen doch recht zeitraubend sind.Kleine Blende - Schärfe auf dem Hintergrund

Nun muß man gar nicht sein veraltetes fotografisches Grundwissen über Zeit und Blende, Schärfentiefe, Motivkontrast etc. einbringen - einfach automatisch knipsen geht auch. Aber man kann und darf wieder - jedenfalls größtenteils. Mit dem Programmeinstellrad wählt man P(rogrammautomatik, A(perture (Blendenvorwahl), S(peed (Zeitvorwahl) oder M(anuelle Einstellung.

... und wissen, was man tut

Hier hätte ich beim Spotmessen mehr auf die Lichter auf den Steinen unterhalb der Bildmitte achten sollen - obwohl hier allenfalls eine Überbelichtung um 1.0 Lichtwerte angezeigt wurde, in den Schatten links sicher mehr Unterbelichtung, wenn ich mich recht erinnere (manuelle Belichtung). Bei einer stärkeren Abweichung als +/- 3.0 blinkt der Zahlenwert im Sucher.Ein Baumstumpf

Bei Blendenvorwahl wird mit dem großen Mehrfunktionsrad auf der Kameraoberseite die Blende, bei Zeitvorwahl die Zeit eingestellt, die Kamera bestimmt, soweit möglich, die jeweils zugehörige Zeit oder Blende. Zeit und Blende werden im Sucher unterhalb des Mattscheibenbildes angezeigt (leider nur ein paar Sekunden lang). Ein Symbol zeigt die gewählte Messmethode (Spot oder Mehrfeld bzw. nichts bei ESP) an. Bei der Einstellung M stellt man am großen Rad oben die Zeit und an einem Rändelrad oben an der Kamerarückseite, rechts vom Suchereinblick, die Blende ein, und im Sucher wird die sich ergebende Über- oder Unterbelichtung (+/0 EV bei exakter Belichtung) in grünen Siebensegment-Ziffern angezeigt. Man kann so also ganz gezielt auch definiert über- oder unterbelichten. Oder bei Spotmessung den Motivkontrast ausmessen, indem man das in der Mitte markierte Messfeld auf unterschiedliche Bilddetails richtet und die Unter/Überbelichtungsanzeige beobachtet. Das ist dann schon wieder so gut wie bei meiner FTb - oder sogar präziser, weil in digitalen Zahlenwerten. Hm - aber schneller wahrnehmbar ist es nicht, eher im Gegenteil: Die analogen Zeigerdifferenzen zwischen Nadel und Kelle - pardon, ich sag ja nichts mehr ...

Eigentlich sollte man bei so einer Aufnahme ja ein Stativ benutzen - aber wenn's auch so geht ... (siehe Detailausschnitt unten). Übrigens ist diese Aufnahme nicht geblitzt - das Licht stammt von der Sonne, die bei überwiegend bedecktem Himmel mal für eine Weile hervorlugte. Insgesamt erhielt ich an diesem Tag bei automatischem Weißabgleich eher kühl gestimmte Bilder (manuelle Belichtung).Blüten am Birnbaum
Diese - aus der freien Hand gemachte - Nahaufnahme einer Birnbaumblüte, gezeigt ist ein Bildausschnitt, ist etwas überbelichtet. Nach meinen ersten Erfahrungen neigt die Kamera auch bei manueller Spotmessung doch eher zur Überbelichtung - zumindest sollte man, wie bei Diafilm, eher "nach den Lichtern" belichten. Genaueres muß ich erst noch ausprobieren. Bemerkenswert jedenfalls, wie man bei dieser Aufnahme mit Blende 2,4 und 1/500 Sek. mit freiem Auge kaum sichtbare Details erkennt (nein, ich bin keines dieser Weicheier, die sich immer Zeit und Blende notieren - aber wenn es doch in der JPEG-Datei drinsteht ...).Birnbaumblüte

Allerdings hat es mich sehr genervt, dass in der Betriebsart M die LED-Anzeige von Zeit und Blende im Sucher jeweils nach einigen Sekunden verlischt und durch Druck auf die spezielle AEL-Taste rechts oben am Kamerarücken zurückgeholt werden muß, was sich anscheinend nicht anders einstellen läßt. Selbst wenn man die Zeit für die Standby-Abschaltung anders einstellt. Auf diese Weise gehen einem dann doch etliche Schnappschüsse durch die Lappen - weil die Kamera eingeschlafen ist und nichts anzeigt. Bei meiner alten Mechanischen waren die Zeiger im Sucher immer ... aber ich bin ja schon still.

Übrigens ESP und so weiter: Seit ich mal vor Jahren eine Spitzen-Spiegelreflexkamera von Nikon ausprobiert habe (F3? ich weiß es nicht mehr - keine Digitale, das war noch die Postkutschenzeit) und erleben mußte, wie deren Mehrfeldbelichtungsmessung völlig willkürliche Ergebnisse lieferte - und meine Mutter über die manchmal unerklärlichen Ergebnisse ihrer automatisch belichtenden Kamera klagen hörte - glaube ich überhaupt nicht mehr an automatische Belichtungsmessung. Wenn bildbewertende Belichtungssysteme auf die Gewohnheiten von Amateuren ausgelegt sind, müssen sie bei professioneller Bildgestaltung versagen - und umgekehrt. Glauben Sie nur, was Sie selbst messen - und an Ihre eigene Schuld, wenn Sie dabei Fehler gemacht haben. Und: Lernen Sie Ihre Kamera kennen (oder bleiben Sie im Lager dar Amateurknipser).

Auf ein Detail scharfstellen, manuell messen - klappt. Schöne Aufnahme (nachträglicher Ausschnitt) mit besonderem Reiz.Baumblüten vor Holzstapel

Damit sind die wirklich wichtigen fotografischen Einstellungen direkt, also ohne bunte und verschachtelte Menüs, einfach über Drehrädchen und Schalttasten, die allesamt satt zu betätigen sind, zugänglich.

Erstaunlich übrigens, dass man das Sucherbild gleichzeitig durch das Okular und auf dem Farb-LCD beobachten kann. Ein Hochklappen des Spiegels scheint die E20p auch nicht zu kennen - also wird offenbar ein halbdurchlässiger Spiegel benutzt, was aber auf Kosten der nutzbaren Lichtstärke gehen müßte (?).


Genug der Nostalgie - finden wir uns ein bei den nörgeligen Digitalkritikern. Ich ärgere mich auch immer, wenn eine Digitalkamera mit einer absolut nicht praxisgerechten Speicherkarte geliefert wird (was soll mir eine 16-MB-FlashCard in einer 5-Megapixel-Kamera?). Allerdings: Hat man früher Kleinbildkameras danach beurteilt, wieviele Filme es dazu umsonst gab? Nö, nämlich gar keine.

Nach den bisherigen Erfahrungen habe ich dann manuelle Belichtung mit mittenbetonter Integralmessung ausprobiert - und damit die besten Ergebnisse erzielt. Hier ein Ausschnitt aus einer Gegenlichtaufnahme von frühem Grün.Blätter im Gegenlicht

Das Dilemma entsteht ja nur daraus, daß ein Film drei bis zehn Euro kostet, eine halbwegs sinnvolle Speicherkarte aber 50 Euro, so dass man für ein größeres Fotounternehmen auch mal ein paar hundert Euro in Speicher investieren muß. Mit einer 64-MB-CompactFlash wird man noch nicht allzu glücklich - 16 Bilder nimmt sie in der höchsten JPEG-Qualität auf. Allerdings tätigt man diese Ausgaben nur einmal - denn es ist ja nur ein zwischenspeicherndes Medium, das immer wieder benutzt werden kann. Also übergehen wir diesen Punkt. Immerhin: Die E-20p verdaut Flashcard und CompactFlash Typ I und II, also auch das IBM-Microdrive mit z. B. einem Gigabyte Speicherkapazität. Mit letzterem kommt dann ein Gefühl auf wie wenn nach dem Bohren beim Zahnarzt der Schmerz nachläßt: 271 Bilder verspricht die Kapazitätsanzeige bei SHQ (Super High Quality, entsprechend siebeneinhalb KB-Filme mit je 36 Aufnahmen, bei HQ mit ebenfalls maximaler Auflösung, aber höherer Kompression, gar 698), bei TIFF immerhin noch 67 (etwas weniger als zwei KB-Filme). Sie kann auch von einem Kartentyp auf den anderen kopieren, so dass ggf. ein Lesegerät für CompactFlash ausreicht, auch wenn man beide Typen verwendet. USB-Kabel? Ja, klar, vorhanden. Aber wegen (fehlendem) iLink und der Datenmenge eh längst überholt. Und lieber verzichte ich inzwischen auf die Installation jeglicher Kamera-Software auf meinem Computer. Karte rein raus ist sowieso in der Praxis unschlagbar schnell.

Hier kommt es darauf an, den besten Kompromiss zwischen den besonnten weißen Mauern und der schattigen Gasse mitsamt Himmel und Burgtum in Hintergrund zu finden. Szene aus Neubeuern am Inn.Licht und Schatten in einer Gasse

Ein bißchen ärgerlicher ist schon, dass kein Ladegerät mitgeliefert wird, nur zwei nicht aufladbare Lithium-Batteriepacks (die beide zugleich eingesetzt werden müssen). Ladegerät gibt es nur als Zubehör. Aber: Es gehen auch Feld- Wald- und Wiesen-Nickel-Cadmium-Akkus oder NiMH (Nickel-Metall-Hydrid) in der gängigen Größe AA - vier Stück, in jedem Billig-Ladegerät wiederaufladbar (also auch mit meiner Batteriehalter-Widerstands-Zigarettenanzünder-Lösung).

Beim Vergleich des Sucherbildes mit meiner FTb fällt mir auf: Das Bild der E-20p ist vielleicht einen Tick heller (bei Objektivlichtstärke 2.0 versus 2,8), aber wesentlich kleiner. Außerdem hat es kein Mikroprismenraster (Hilfsmittel zum Scharfstellen) in der Mitte. Dafür ist es extrem feinkörnig - eigentlich erkennt man gar keine von der Mattscheibe herrührende Körnung.

Der eigentliche Wehrmutstropfen ist der recht geringe Empfindlichkeitsbereich von ISO 80 bis ISO 320 (zum Vergleich: Die Coolpix 5000 von Nikon läßt sich bis auf ISO 800 einstellen, moderne fotografische Filme sind bis ISO 1000 und höher erhältlich, mit Push-Entwicklung bis zu mehreren tausend ASA). Heute gelten Filme mit ISO 100 als "normal", gebräuchlich sind sie bis etwa ISO 400 für feinkörnige Aufnahmen. Der gesamte Bereich der stimmungsvollen Partyfotografie ohne Blitz aber beispielsweise erschließt sich erst ab ca. ISO 1000.

Der mittelalterliche Stadtkern von Neubeuern bietet viele reizvolle Motive. Hier schafft das indirekte Licht, als Wiederschein von der nicht sichtbaren gegenüberliegenden Häuserfront, im schattigen Durchblick über den Marktplatz eine besondere Atmosphäre.Mittelalterlicher Stadtkern von Neubeuern

Trotz der geringen Empfindlichkeit hat die E20p ein Problem mit zu viel Licht: Das Objektiv ist so lichtstark, dass man bei hellem Tageslicht und der kürzesten einstellbaren Zeit von 1/640 Sek nicht mehr mit voller Blendenöffnung fotografieren kann, ohne Überbelichtungen zu erhalten. Das Handbuch empfiehlt die Verwendung eines Graufilters. Zwar gibt es eine andere Betriebsart (Non-Interlaced), die auch sehr viel kürzere Belichtungszeiten erlaubt, aber dabei halbiert sich die vertikale Auflösung auf die Hälfte - das möchte man bei kreativer Fotografie aber gerade nicht in Kauf nehmen. Also sollte man sich tatsächlich ein oder auch zwei unterschiedliche Graufilter zulegen.

Mehrwert: Fotografische Gestaltung

Um es noch einmal klar zu sagen: Der Wert einer solchen Kamera bemißt sich nicht allein nach dem Vergleich einzelner technischer Daten. Dass zum Beispiel die maximale einstellbare "Filmempfindlichkeit" nur ISO 320 beträgt, ist bedauerlich und schließt manche fotografischen Aufgaben aus - hier kann eine Nikon Coolpix 5000 nützlicher sein. Wenn es aber um die kreative Bildgestaltung geht, das Licht reicht - oder mitgebracht werden kann - ist eine Spiegelreflex, auf deren Mattscheibenbild man das zu erwartende Ergebnis schon exakt vorweg beurteilen kann, durch nichts zu ersetzen. Zum Beispiel ist die gezielte Tiefenschärfe oder auch Unschärfe ein ganz wesentliches fotografisches Gestaltungsmittel. Die fehlende Abblendtaste kann man in gewissem Maße durch Probeaufnahmen ersetzen (schade ist es doch ... und hier ist das Farb-LCD der E20p auch nicht besser als das irgendeiner Durchschnitts-Digitalknipse). Vieles, was sich im Laufe der Jahrzehnte an fototechnischer Erfahrung in der Gestaltung moderner SLR-Kameras niedergeschlagen hat, findet durch Kameras wie die E20p endlich auch bei halbwegs erschwinglichen Digitalkameras Einzug.

Bei diesen Obstbaumblüten vor einem farbig interessanten Felsabbruch konnte ich nicht widerstehen - auch wenn das Motiv der blühenden Bäume nun schon mehrfach vorkam.Obstbaum im Gegenlicht vor Felswand

Dennoch stellt sich die Frage: Wer soll sich so eine Kamera anschaffen? Wer in erster Linie alle Möglichkeiten der kreativen Bildgestaltung ausschöpfen will, die eine Spiegelreflexkamera bietet, ist mit einem herkömmlichen System auf "Filmbasis" und mit Wechselobjektiven immer noch vielseitiger und gegebenenfalls billiger bedient. Ausgenommen im professionellen Bereich, wenn es vorwiegend um Schnelligkeit geht: Hier ist heute keine Zeit mehr, Filme zu entwickeln und diese ggf. zu digitalisieren - es wird erwartet, dass das Bild sofort nach der Aufnahme übermittelt werden kann. In diesem Fall bietet die E20p fast alles - ausgenommen hohe Empfindlichkeit und, nebenbei sei es nochmals erwähnt, die Abblendtaste - was ansonsten eine Spiegelreflexkamera bieten würde. Auch wenn die Digitalen in Punkto Auflösung gegenüber der herkömmlichen Kleinbildfotografie noch etwas aufzuholen haben - das scheint mir inzwischen nicht mehr das wesentliche Manko. Flächenmäßig ist ein 10-Megapixel-Bild auch nicht viel größer als eines von 5 Megapixeln - entscheidender scheint mir hier, dass man demnächst die gleiche Empfindlichkeit und den gleichen Belichtungsspielraum wird nutzen können, und echte Wechselobjektive. Noch höhere Auflösungen sind eher für die Modefotografie oder Einsatzbereiche, in denen heute noch Mittelformat-Kameras engesetzt werden, von Bedeutung, für Reportagen kaum, da Zeitungsbilder selten über A4 reproduziert werden. Ob es im digitalen Bereich jemals zu einem solchen Standard wie dem Kleinbildformat kommen wird - eine wichtige Voraussetzung für frei, auch zwischen unterschiedlichen Herstellern, wechselbare Objektive - weiß ich nicht zu sagen - im Moment sieht es nicht danach aus. Auch wenn so licht- und zoomstarke Objektive wie bei der E20p mehr als 90% des Einsatzbereiches abdecken mögen - Zoomobjektive haben immer noch ihre Probleme, wie beispielsweise Tonnen- oder Kissenverzeichnungen, vor allem im Weitwinkelbereich. Da würde man, etwa bei Architekturaufnahmen, schon gerne zu Festbrennweiten wechseln können.

Die E20p ist eine der schnellsten Digitalkameras - so gelingen auch Schnappschüsse bewegter Szenen. Dennoch wird hier die Auslöseverzögerung spürbar - eine rein mechanische Kamera ist immer noch schneller.Pferd beim Training
Oder kommen mal eben zwei Hubschrauber über die Berge geflogen - muß man auch schnell reagieren. Hat hier gut geklappt.Zwei Hubschrauber
Bei der hohen Bildauflösung sind auch starke Ausschnitte noch brauchbar.Hubschrauber Ausschnitt

Für den Amateur ist es eine Preis- und Prestigefrage. Mit Sicherheit ist auch diese Kamera in einem Jahr technisch überholt - soll man nicht darauf warten, bis die letzten Einschränkungen fallen, die Qualität noch besser wird - oder das digitale Fotogerät überhaupt billiger? Das kann nur jeder für sich selbst beantworten. Die Zeiten, in denen man ein einmal angeschafftes Fotosystem 20 Jahre oder länger nutzen konnte, ohne "hintan zu geraten", scheinen aber vorbei - wurde einem da mal ein Objektiv verkratzt oder durch Meerwasser zerfressen, konnte man ein neues anschaffen - ohne gleich eine neue Kamera kaufen zu müssen. Tempora mutantis.

Nochmal - nur so aus Spaß: Gegenlicht-Nahaufnahme von frischen Blättern mit einer kleinen SpinnwebeBlätter im Gegenlicht mit Spinnwebe
Oder eine Pusteblume ganz nah ...Pusteblume - leichter Ausschnitt
... oder vielleicht noch näher (Ausschnitt).Pusteblume - starker Ausschnitt 100%
Diese ist schon etwas abgepustet ...Pusteblume - etwas später
... so dass man mehr vom Innenleben sieht!Pusteblume später - starker Ausschnitt 100%

Reprofotografie

Bei der professionellen Ausstattung und der mit 5 Megapixeln schon sehr hohen Auflösung stellt sich auch die Frage, inwieweit diese Kamera für ernsthafte Reprofotografie einsetzbar ist. Darunter versteht man das Abfotografieren von Gemälden, Zeichnungen, Buchseiten oder Dokumenten für Ausstellungen oder zur Archivierung. Solche Aufnahmen stellen spezielle Anforderungen: Die Kamera muß sich exakt ausrichten lassen, das Objektiv sollte möglichst wenig verzeichnen (gerade Linien nicht krumm abbilden), und neben der Belichtung muß sich vor allem die Farbwiedergabe exakt einstellen lassen (siehe dazu das Kapitel "Weißabgleich" weiter unten).

Ein Selbstportrait aus dem Nachlaß meines Vaters, reproduziert mit der E-20p.Reproduziertes Gemälde

Eigentlich sollte man Reproaufnahmen mit einem speziellen Gestell vornehmen, auf dem die Kamera exakt parallel zum Untergrund ausgerichtet befestigt wird, während Lampen in einem Winkel von etwa 45° von rechts und links die Vorlagen möglichst ohne Schatten und Spiegelungen beleuchten. Häufig gibt es aber Aufnahmesituationen, in denen man keine so idealen Bedingungen vorfindet - dann muß man die Kamera auf ein Fotostativ montieren und von Hand möglichst exakt ausrichten. Hier erweist sich die Kontrolle im Spiegelreflex-Sucher allen anderen Lösungen wie Sucher oder LCD als deutlich überlegen. Die sehr einfache Methode, einen Weißabgleich herbeizuführen, und die Wahl zwischen manueller oder präziser automatischer Scharfstellung tragen ebenfalls dazu bei, dass man solche Aufnahmen bei entsprechender Sorgfalt "gut in den Kasten" bekommt.


TIFF und RAW-Format

Die E-20p kann ihre Bilder außer im JPEG-Format auch als TIFF abspeichern - unkomprimiert und nur in der höchsten Auflösungsstufe. Zusätzlich verfügt sie noch, ähnlich wie die Canon PowerShot G2 über ein RAW-Format, das die Bilddaten des CCD-Bildwandlers unbeeinflußt aufzeichnet. Zur Weiterverarbeitung auf dem PC wird eine spezielle Software oder ein mitgeliefertes Plugin für Adobe Photoshop benötigt.


Testaufnahmen Weissabgleich

Auf der Seite Pixelgiganten habe ich ausführlich beschrieben, was unter Weißabgleich zu verstehen ist und was dabei zu beachten ist. Im folgenden finden Sie Ausschnitte aus den dort erläuterten Testaufnahmen. TESTAUFNAHMEN FOLGEN!!!

Die E20p hat eine eigene, mit WB beschriftete Taste rechts neben dem großen Einstellrad oben, um die Art des Weißabgleichs einzustellen. Im Display erscheint eine "0" für Weißabgleichsmessung (siehe nächster Absatz), ein "A" für Automatisch, oder eine Kelvin-Zahl zwischen 3000 (Glühlampenlicht) und 7500 (sehr blaues Tageslicht, Durchschnittswerte lägen zwischen 5000 und 6500 Kelvin). Dazu braucht man allerdings entweder Fachwissen oder einen Farbtemperaturmesser (die meisten Amateurkameras verfügen über Einstellungen für "Kunstlicht", "bedeckten Himmel" etc., die allerdings auch nicht immer präzise auf eine gegebene Aufnahmesituation zutreffen). Leider sind die Einstellmöglichkeiten, besonders im Kunstlichtbereich, mit 3000 Kelvin und dann erst wieder 3700 Kelvin viel zu grob - normales Glühlampenlicht hat nur etwa 2700 Kelvin, Halogenlicht zwischen 2900 und 3300 Kelvin, Kerzenlicht 2000 Kelvin. Zusätzlich gibt es auf der Kameravorderseite zwischen Objektivtubus und dem Kameragriff eine spezielle Taste, um bei der Einstellung "0" einen messtechnischen Weißabgleich zu speichern. Das ist ein besonders bequemes Verfahren, da es einem das Herumhampeln in irgendwelchen Menüs erspart.

Die Testaufnahmen erfolgen bei simuliertem Tageslicht von 6500 Kelvin (Osram Biolux) und Halogen-Haushaltslampen mit Niedervoltbirnen von ca. 3100 Kelvin.

Automatischer Weißabgleich bei Tageslicht (6500 Kelvin). Die Wiedergabe ist ziemlich neutral, mit einem Hauch ins Orange.Tageslicht mit Automatik
Bei messtechnisch ermitteltem Weißabgleich wird die Wiedergabe noch etwas wärmer, der Unterschied ist aber minimal. Wie oben kommen die Farben etwas blaß.Tageslicht Messung
Auch bei vorgegebener Einstellung auf 6500 Kelvin kaum ein Unterschied - leichte Betonung von Rot und Grün, dh. etwas warm.Tageslicht 6500 Kelvin
Auch diese Aufnahme erfolgte mit fixer Einstellung auf 6500 Kelvin, aber in der Option "Kontrast hoch". Unterschiede zum obigen Bild sind kaum zu erkennen, Ausmessen mit der Pipette des Fotoprogramms weist etwas dunklere Schwärzen und eine leichte Erhöhung des Weiß-Spitzenpegels aus.Tageslicht 6500 Kelvin hoher Kontrast
Soviel läßt sich aus der obigen Aufnahme durch nachträgliche Bearbeitung im Fotoprogramm noch herausholen.Optimiertes Bild
Bei Halogenlampenlicht und automatischem Weißabgleich erhält man einen kräftigen Orange-Stich (die c't 3/2002 sprach von "Schwerem Farbstich im Kunstlicht). Ich verweise auf die Diskussion auf der Seite Pixelgiganten und insbesondere bei der Canon PowerShot G2 .Kunstlicht Automatik
Bei fester Einstellung auf 3000 Kelvin erhält man einen deutlichen blaugrün-Farbstich, ein Zeichen, dass die Farbtemperatur der verwendeten Lampen etwas höher lag.Kunstlicht mit Einstellung 3000 Kelvin
Mit gemessenem Weißabgleich nimmt der Blaustich leider noch etwas zu. Die exakte Farbreproduktion unter Kunstlicht ist mit der E-20p also nicht so leicht - allerdings dürften die geringen Abweichungen nachträglich mit einem Fotoprogramm gut korrigierbar sein.Kunstlicht mit Messung

Erstaunlicherweise überzeugt die Farbwiedergabe der E-20p nicht ganz. Bei Tageslicht tendiert sie etwas zu warmen, aber ausgewogenen Farben. Dass die Farbigkeit der Bilder eher etwas zurückhaltend ist, muß kein Nachteil sein - andere glänzen halt lieber durch mehr Buntheit. Bei Kunstlicht gelangen mir mit kameraeigenen Mitteln keine neutralen Aufnahmen - entweder deutlich orange-stichig oder mit leichtem blau-grün-Stich.



Technische Daten Camedia E20p

Modell: Olympus CAMEDIA E-20P.
Typ: Digitale Spiegelreflexkamera mit 4,5 cm/1,8 Zoll Farb-TFT-LCD-Anzeige.
Effektive Pixelzahl: 4,95 Millionen Pixel (Die tatsächliche Anzahl der Pixel für die Bildverarbeitung.).

(Ca. 2,5 Millionen Pixel im Progressive Scan-Modus)

Speicher: Auswechselbare 3V (3,3V) SmartMedia (SSFDC)-Karte (4, 8, 16, 32, 64 und 128 MB).
Zum Lieferumfang gehört eine 16 MB SmartMedia-Karte. 
CompactFlash Type I/II-Karte (Flash Memory Microdrive* kann bis zu 1 GB verwendet werden).
Aufzeichnungssystem: Standbild: JPEG (mit DCF: "Design Rule for Camera File System"), 
TIFF (nicht komprimiert), DPOF-Unterstützung, 
RAW-Daten (im Lieferumfang enthalten: Photoshop Plug-In für RAW-Modus).
Bildgröße: 2.560 x 1.920 (RAW, TIFF, SHQ, HQ, SQ)
1.792 x 1.344 (SHQ, HQ, SQ)
1.280 x 960 (SHQ, HQ, SQ)
1.024 x 768 (SHQ, HQ, SQ)
640 x 480 (SHQ, HQ, SQ)
Speicherkapazität 
mit einer 16 MB SmartMedia-Karte:
Ca. 1: RAW 2.560 x 1.920
Ca. 1: TIFF 2.560 x 1.920
Ca. 4: SHQ 2.560 x 1.920
Ca. 10: HQ 2.560 x 1.920
Ca. 52: HQ 1.280 x 960
Bildsensor: 2/3 Zoll CCD; 5,24 Millionen Pixel. RGB Interlaced Scan.
Weißabgleich: Vollautomatisch TTL, manuell einstellbar (3.000, 3.700, 4.000, 4.500, 5.500, 6.500 und 7.500 Kelvin) und manueller "one-touch"-Weißabgleich.
Objektiv: Olympus 4fach Zoomobjektiv, F2,0-2,4 / 9 – 36 mm, Glaslinsensystem inklusive einem ED-Glaselement und zwei asphärischen Elementen (14 Elemente in 11 Gruppen). 
(Entspricht einem 35 - 140 mm-Objektiv bei einer 35 mm Kamera).
Optional: 0,8fach (Weitwinkel), 1,45fach und 3fach (Tele) und Makro-Vorsatzlinsen.
Filtergröße: 62 mm.
Belichtungsmessung: Digitales ESP-Messsystem mit Bildsensor, mittenbetonte Integralmessung und Spotmessung.
Belichtungssteuerung: Programmautomatik.
Belichtungsausgleich: ± 3 Stufen in 1/3-Schritten. Automatische Lichtwertspeicherung möglich.

Auto Bracketing: wahlweise Korrekturstufen 1/3-, 2/3- und 1-Schritten; 3 Bilder.

Blendenvorwahl: Weitwinkel; 2,0 - 11,0; Tele; 2,4 - 11,0, in 1/3-Schritten.

Verschlussvorwahl: 
Interlace Scan-Modus: 2 - 1/640 Sek. (mit mechanischem Verschluss), in 1/3-Schritten.

Progressive Scan-Modus: 2 - 1/4.000, 1/18.000 Sek.

Manuelle Belichtung:
Verschlusszeit; (im "bulb"-Modus Verschlussöffnung
bis zu 8 Min.), 
60 Sek. - 1/640 Sek. (Interlace Scan)

Verschlusszeit; (im "bulb"-Modus Verschlussöffnung bis zu 8 Min.), 
60 Sek. - 1/4.000, 1/18.000 Sek. (Progressive Scan-Modus).

(Verschlusszeit von 1/18.000 Sek. ist in Manuellem und S-Modus möglich).

Auslöserverzögerung: Ca. 60 Millisekunden.
Empfindlichkeitseinstellung: Automatisch, Manuell justierbar (äquivalent zu ISO 80, 160 und 320).
Scharfstellung: Aktiver und passiver TTL-System-Autofokus (Kontrastvergleichssystem) mit Scharfstellbereich: 0,2 m - unendlich (kontinuierlich).
Manueller Fokus (Einstellung mit Messpunkt-Informationen),
Scharfstellbereich: 0,2 m - unendlich (stufenlos regelbar). 
Aufnahmebereich: Standard: 0,6 m - unendlich;
Nahaufnahme: 0,2 m - 0,6 m.
Sucher: Optischer Spiegelreflexsucher mit 95 % Bildfeldanzeige (alle Informationen, Modus, Blende, Verschlusszeit, Messung, +, -, Autofokus, Blitz, Lichtwertspeicherung, Weißabgleich).
Einstellscheibe (zeigt die Schärfeeinstellung).
LCD-Anzeige: 4,5 cm/1,8 Zoll Weitwinkel-Farb-TFT-LCD-Anzeige (aus Niedrigtemperatur-Poly-Silikon hergestellt) mit 118.000 Pixel, Helligkeitsregulierung ist möglich.
Verstellbares LCD: 20° nach unten bzw. 90° nach oben (schrittweise).
Blitzleitzahl: Ca. 13 (ISO 80).
Blitzfunktionen: Eingebauter Blitz: 

Auto (automatische Blitzzuschaltung bei geringer Helligkeit und Gegenlicht), Reduktion des "Rote-Augen-Effekts", Off (kein Blitz), Fill-in (Zwangsaktivierung).

Externer Anschluss: Blitz-Mittenkontakt (Kontrolle des Olympus Blitzgerätes FL-40 möglich),

X-Synchronisationskontakt (ON),

Langzeitsynchronisation (1. und 2. Verschlussvorhangeffekt).

Blitzreichweite: Weitwinkel: 0,6 – 8,9 m (automatisch).
Tele: 0,5 – 7,4 m (automatisch).
Blitzladezeit: Weniger als 7 Sek. (mit neuen Batterien bei Normaltemperatur).
Sequenzmodus: Interlace Scan-Modus: ca. 2,5 Bilder pro Sek. Bis zu 4 Bilder, (bis zu 3 Bilder im RAW-Datei-Modus)
Progressive Scan-Modus: ca. 4,5 Bilder pro Sek. Bis zu 7 Bilder.
Aufnahmen ca. jede Sekunde oder schneller möglich (Anzahl unbegrenzt).
Selbstauslöser/
Fernbedienung:
Ca. 12 Sek. Auslöseverzögerung.
Ca. 2 Sek. Auslöseverzögerung mit Fernbedienung.
Einstellungsspeicher: Möglich.
Externe Anschlüsse: DC-Eingang, USB-Schnittstelle (AutoConnect),

Videoausgang (PAL), Kontakt für externes Blitzgerät FL-40 (Blitz-Mittenkontakt für Zubehörteil), X-Synchronisationskontakt, Buchse für Kabelauslöser.

Umgebungsbedingungen: Temperatur: 0 - 40 °C (Betrieb); -20 - 60 °C (Lagerung).
Luftfeuchtigkeit: 30 - 90 % (Betrieb); 10 - 90 % (Lagerung).
Stromversorgung: Hauptenergiequelle: 2 x Lithium-Batterien CR-V3 / LiPo-Batterien (optional mit Power Grip) / 4 x AA Ni-MH-Batterien / 4 x AA Ni-Cd-Batterien / Optional: AC-Adapter. 

(Mangan- und AA-Lithium-Batterien sind nicht verwendbar.)

Datum/Zeit/
Kalender:
Gleichzeitiges Speichern auf Bilddateien.
Automatisches Kalendersystem: Bis zum Jahr 2030 programmiert.
Abmessungen: 103,5 (Höhe) x 128,5 (Breite) x 161 (Tiefe) mm (ohne hervorstehende Teile).
Gewicht: 1.050 g (ohne Schutzkappe, Batterien und Speicherkarte).
Preisempfehlung: 2454 Euro. Im Internet auch schon Angebote unter 2000 Euro.

Johannes Leckebusch