Die Digitale von Nikon

Traumkamera für Fotoamateure

P.M.-Logo
Im Auftrag von:

(C) by Johannes Leckebusch 2002

Stand: 23. 05. 2002


Eine Nikon für Profis und Amateure: Coolpix 5000Für den Profi selbstverständlich - für viele Fotoamateure ein Traum: Digitalkamera von Nikon (Pressefoto von Nikon)

Für Profis ist sie das täglich Brot - für manchen engagierten Fotoamateur ein Traum: Eine Fotokamera von Nikon. Die Edelschmiede für fotografisches Gerät hat jüngst eine Digitalkamera herausgebracht, die preislich noch von dieser Welt ist (ab 1369 Euro im Internet, nach Nikons Vorstellung für 1580 Euro, wird aber als Bundle mit 1 Gigabyte Microdrive schon für 1529 angeboten).

In der Tat faßt sie sich wie eine professionelle Kamera an - nur dass meine Hände irgendwie eine Idee zu groß zu sein scheinen. Schwarzes Magnesium-Gehäuse, gummiertes Griffteil, satt gehende Rädchen, Schalter und Knöpfchen.

Fünf Megapixel, die eine Bildauflösung von maximal 2.560 x 1.920 Pixeln als JPEG oder wahlweise TIFF liefern, ein Zoom von umgerechnet 28 bis 85 mm Brennweite, mit einer ordentlichen Anfangslichtstärke von 2,8. Nur die maximale Blende von 4,8 im Telebereich enttäuscht zunächst etwas.


Test-CD mit Original-Kameradateien

Überzeugen Sie sich selbst im Vergleich von der Qualität der mit den Kameras gemachten Testbildern: Auf den Internetseiten können die Bilder nur in stark reduzierter Form gezeigt werden. Auf der Test-CD finden Sie die unveränderten Original-Kameradateien aller Testaufnahmen (und weitere, soweit der Platz reicht). Senden Sie bitte Euro 10,- (inkl. Porto, Verpackung und MWSt) mit dem Vermerk "CD Testfotos Pixelgiganten" an Johannes Leckebusch, Schlierseer Str. 27, 83735 Bayrischzell. Absender nicht vergessen! {;-)).

Sonnenreflexe am Thiersee (Österreich)Eher kühle Farben - hier allerdings bei diesigem Aprilwetter spätnachmittags am Thiersee und auf meinem ersten Fotostreifzug mit der Neuen.

Es irritiert mich etwas, dass ich mit der Coolen nicht gleich warm werde - aber es ist ein kaltes Sauwetter 14 Tage nach Ostern, und auch die Flucht aus dem bereits verregneten Bayrischzell zum nahegelegenen Thiersee bringt nur glasige Sonne am eingetrübten Himmel. Ich sitze eingemummt und leicht fröstelnd da, riskiere erste Blicke in das sehr umfangreiche (209 Seiten) Handbuch und verdrücke eine Fertigpizza, deren Wagenradausmaße in etwa dem Euro-Preis entsprechen - schaffe sie nur halb und vom Handbuch ein paar Prozent, ehe ich losmarschiere - einmal rund um den kleinen See.

Cooles Bild bei coolem WetterCoolpix macht coole Bilder bei coolem Wetter ... aber wie gesagt, bei den ersten Versuchen fehlt noch jede Erfahrung, wie die neue Flamme zu entzünden ist.

Zuhause werde ich verzweifelt meinen Monitor auf die maximale Darstellung von 1280 x 1024 Pixeln schalten - gerade mal in 48% Größe vermag dann Corel Photopaint die erste Beute auszulegen.

Bei späteren Streifzügen fällt mir vor allem eines unangenehm auf: Die Coole läßt sich verdammt viel Zeit beim Scharfstellen. Drückt man den Auslöser halb durch, werkelt sie mindestens zwei Sekunden mit surrendem Objektiv, ehe sie sich entschließt, grünes Licht für die Aufnahme zu geben. Manchmal reagiert sie auch gar nicht oder schafft es erst im zweiten Anlauf. Drückt man den Auslöser gleich ganz durch, ohne auf die grüne LED zu warten, muß man die Kamera auf jeden Fall ganz ruhig halten, bis sie mit einem Piepsen das tatsächliche "Auslösen" verkündet - sonst fotografiert man ganz was anderes, als das, was man während des Drückens im Visier hatte. Auch die Canon PowerShot G2 fand manchmal in Landschaften keine Schärfe, bis man sie etwas schräg hielt (anscheinend mag sie keine horizontalen Konturen), aber die Coolpix 5000 macht es grundsätzlich nicht unter zwei Sekunden Bedenkzeit. Das ist wirklich schade - denn bei Motiven, die still halten (wie Landschaften) bringt sie oft dramatische Bilder zustande. Für Schnappschüsse oder Sportfotgrafie scheidet sie aber wohl aus.

Sehr unbefriedigend finde ich auch die Zoomsteuerung. Zunächst einmal ist die Taste, die man mit dem Daumen betätigen soll, wenn man die Kamera mit der rechten Hand umklammert hält, für meine Hände ungünstig angebracht - die Lösung bei der Canon PowerShot G2 gefiel mir weitaus besser. Zum zweiten reagiert der Zoommotor manchmal gar nicht oder erst nach sehr festem Drücken der Taste, er läuft nach und man kann die Brennweite nur mühsam exakt einstellen. Und da man im Sucher keine Anzeige hat, weist nur das ausbleibende Geräusch darauf hin, dass man schon eine der Endstellungen erreicht hat - oder aber die Taste nicht reagiert.

Baum gegen dramatischen HimmerHier hat die Automatik den bewölkten Himmel sehr schön in Farbe gesetzt.

Pastelltöne am Abendhimmel fängt sie neutral und wunderbar ein - da kann man über das Foto nicht klagen! Dass der automatische Weißabgleich das obere Bild ziemlich kühl/blau und das untere warm/rot gelassen kann, kann man ihm nur danken - wären beide gleichgerechnet, wäre jede Stimmung futsch. Ein Beispiel dafür, wie schwierig das Thema Weißabgleich tatsächlich ist!

Hier habe ich, da das Tele zu schwach war, nachträglich einen Ausschnitt mit Corel Photopaint bestimmt - was übrigens zeigt, wie überflüssig ein sogenannter "Digitalzoom" eigentlich ist, denn zu Hause am Bildschirm kann man viel besser in Ruhe den Ausschnitt bestimmen.

Seltsames Himmelsphänomen bei untergehender SonneEine seltsame Himmelserscheinung: Über der untergehenden Sonne ist eine verschwommene rote Scheibe zu sehen - wie eine Fatamorgana der darunter stehenden Sonne selbst. Nur gut, dass diese sich nicht rasch bewegt ...

Die Coolpix hat in ihrem Formatvorrat eine Eigenwilligkeit: Bei höchster Auflösung kann man statt 2560 x 1920 Pixeln, was relativ quadratische Bilder ergibt, auch 2560 x 1704 Pixel wählen - also eine Art leichtes Breitwandformat, was (Seitenverhältnis 3:2) in seinen Proportionen dem Kleinbildformat entspricht. Eigenartig ist dies insofern, als das Kleinbildformat sein ziemlich quergestrecktes Format eher technischen Umständen verdankt - es wurde aus der Verdopplung des alten Kino-Normalformates gewonnen, denn Kleinbildfilm ist nach Breite und Perforation nichts anderes als 35mm-Kinofilm, wobei die Aufnahmen längs statt quer auf dem Filmstreifen aufgenommen werden und ein Bildzwischenraum entfällt. Besonders ästhetisch ist das KB-Format eigentlich nicht - und die gängigen Fotopapiere beschneiden es daher auch normalerweise auf der Seite. Anstatt es nun dem Fotografen zu überlassen, aus dem an sich ganz ansprechenden Format des CCD-Sensors im Nachhinein seinen Bildausschnitt und damit auch das Seitenverhältnis zu bestimmen (vergleichen Sie mal mit der Version des oben gezeigten Sonnenunterganges, die ich auf der Leitseite verwendet habe), meint man, dies gleich in die Kamera einbauen zu müssen. So ist eben die vermeintliche Konsumentenmentalität. Ich kann dazu nur sagen: Ehe ich an der Kamera langwierig das Normal- oder Breitbildformat eingestellt habe, ist mir mein Motiv längst davongelaufen. Und bei Studioaufnahmen ist diese Option auch ziemlich sinnlos, denn es wird ja dadurch in der Horizontalen nichts gewonnen - die effektive Bildauflösung wird nur verringert. Das einzige Argument wäre, dass die Bilddateien etwas kleiner ausfallen, weil oben und unten Pixel wegfallen.


Was dem ernsthaften Hobbyfotografen oder Profi an der Kodak DX4900 zu wenig ist, das hat die Nikon Coolpix 5000 für den Knipser schon zu viel: Fotografieren mit Zeit- oder Blendenvorwahl, Einfluss auf den Bildkontrast, professionellen Weißabgleich und vieles mehr. Man kann aber auch ganz einfach automatisch mit ihr knipsen - und das mit der überragenden Auflösung von 5 Millionen Pixeln für Vergrößerungen bis 33 x 26 cm. Das Objektiv bietet ein kräftiges Weitwinkel (28 mm) und eine leichte Telebrennweite (85 mm, auf KB umgerechnet), ist im Weitwinkelbereich auch recht lichtstark (Blende 2,8), im Telebereich wird es aber mit maximaler Blende 4,8 ziemlich lichtschwach, und es zeigt leichte Farbfehler. Außer Compactflash-Speicherkarten (sinnvoll ab 64 MB für 26 Aufnahmen in der höchsten JPEG-Qualitätsstufe, nur 4 im TIFF-Format; mitgeliefert wird nur eine 32 MB-Karte) kann sie auch ein Microdrive bis 1 Gigabyte verwenden. Preisempfehlung 1580 Euro.

Erfreulich: Das Stativgewinde ist aus Metall. Und das Farb-LCD ist von der alleredelsten Sorte: Entspiegelt, in allen Richtungen schwenkbar, sehr fein aufgelöst und es läßt sich wahlweise verdeckt oder mit der Bildfläche sichtbar an den Kamerarücken klappen. Es ist auch etwas größer als gewöhnlich: Etwa 3 x 4 cm statt der üblichen 2 x 3 cm (wie bei der Kodak DX 4900).

Trotzdem kann man auf ihm die 5-Megapixel-Bildschärfe praktisch gar nicht beurteilen - und im Freien ist das Bild, selbst bei diesigem Wetter, nur bedingt zu erkennen. Daher glaube ich nach wie vor, dass dies kein Weg mit Zukunft ist - der kann, außer in einem echten Spiegelreflex-Mattscheiben-Sucherbild, nur darin bestehen, dass man im Sucher ein digitales Bild in der vollen Auflösung sieht - und das kann dann halt nicht von einem, wie das Handbuch sagt, Monitor mit 110.000 Punkten (107 Kilopixel) kommen, sondern von einem mit 5 Megapixeln, und es muß vor Fremdlichteinfluß geschützt sein und sich der Umgebungshelligkeit anpassen. Und im übrigen ziehen die Digitalen mit den Spiegelreflex erst dann gleich, wenn man auch die Tiefenschärfe im Sucher erkennen kann. Und wenn endlich die albernen Wipptasten für Zoom oder Schärfe zugunsten real mechanischer Einstellringe verschwinden. Aber das ist eine zukünftige Geschichte ...

Statt vorgegebener "Motivprogramme" für bestimmte Aufnahmesituationen bietet die Coolpix 5000 neben der Betriebsart Automatik drei Anwendereinstellungen, die sich beliebig konfigurieren lassen. Da kann man also zum Beispiel messtechnisch ermittelte Weißabgleichswerte speichern oder Belichtungskorrekturen für Strand oder Schneeszenen, Gegenlicht etc. Das ist ein sehr flexibles Konzept, wäre eigentlich nur noch zu wünschen, dass man den Betriebsarten eigene Bezeichnungen geben kann, um sich auch immer zu erinnern, zu welchem Zweck welche Einstellung vorbereitet wurde - ich würde mir dafür wohl einen Merkzettel auf die Rückseite des schwenkbaren Displays kleben.


Testaufnahmen Weissabgleich

Auf der Seite Pixelgiganten habe ich ausführlich beschrieben, was unter Weißabgleich zu verstehen ist und was dabei zu beachten ist. Im folgenden finden Sie Ausschnitte aus den dort erläuterten Testaufnahmen.

Ausschnitt aus dem Testbild, aufgenommen bei normiertem Tageslicht mit gemessenem Weißabgleich. Die exakte Farbabstimmung läßt sich vor allem anhand des weißen Papierrandes beurteilen.Aufnahme mit gemessenem Weißabgleich bei Tageslicht
Die Aufnahme mit automatischem Weißabgleich ist mit der bei messtechnischem Weißabgleich fast identisch - ein überragend positives Ergebnis für die Coolpix 5000 - jedenfalls bei Tageslicht (6500 Kelvin).Aufnahme mit automatischem Weißabgleich
Wählt man die Einstellung "Sonnig", so wird eine Aufnahme bei einer Farbtemperatur von 6500 Kelvin leicht blaustichig - bei Sonnenschein, so nimmt die Kamera an, ist die Farbtemperatur niedriger (sie kann z. B. 5000 Kelvin betragen).Aufnahme bei normiertem Tageslicht in Einstellung Sonnig
Umgekehrt führt die Einstellung auf "Wolkig" zu einem etwas rotstichigen Bild. Tatsächlich kann "diffuses Himmelslicht" auch Farbtemperaturen bis 8000 Kelvin oder höher aufweisen. Fazit: Exakte Ergebnisse kann nur die direkte Messung liefern - allerdings lassen sich diese leichten Abweichungen in Naturaufnahmen auch nachträglich im Fotoprogramm gut korrigieren.Aufnahme mit Einstellung Wolkig bei normiertem Tageslicht
Bei automatischem Weißabgleich liefert die Coolpix 5000 bei Kunstlicht ein deutlich rotstichiges Bild. Messtechnisch ein Fehlverhalten - aber bei Partyaufnahmen oder Sonnenuntergängen vielleicht der Erhalt der gewünschten Stimmung!Kunstlichtaufnahme mit automatischem Weißabgleich
Nimmt man vor der Aufnahme eine Weißabgleichsmessung zum Beispiel auf ein weißes Blatt Papier vor, so erhält man ein recht neutral, eher zu kalt (blau) abgestimmtes Bild.Aufnahme nach Weißabgleichsmessung mit Kunstlicht

Insgesamt arbeitet der Weißabgleich der Coolpix 5000 sehr gut bis zufriedenstellend (die Automatik bei Kunstlicht muß ich noch in der Praxis erproben), und die Einstellmöglichkeiten und die Speicherung einer Messung lassen kaum Wünsche offen. In drei individuell konfigurierbaren "Anwendereinstellungen" kann man demnach auch bis zu drei verschiedene Weißabgleich-Betriebsarten oder Messwerte speichern und wieder abrufen.

Die Nikon-Coolpix ist eine interessante Kamera mit vielen professionellen Merkmalen, sie kann jedoch nicht in allen Punkten überzeugen - vor allem der Autofokus ist zu langsam.



Technische Daten Coolpix 5000

Bildformat:Max. 2560 x 1920; 4,92 Millionen Pixel, verschiedene Komprimierungsstufen sowie 1600 x 1200, 1280 x 960, 1024 x 768 und 640 x 480 sowie 2560 x 1700 Pixel (Seitenverhältnis wie bei KB-Negativ)
Speicher:CompactFlash-Karte, 32 MB mitgeliefert; ebenso verwendbar CompactFlash Typ I von 64 bis 256 MB und Typ II, z. B. IBM Microdrive 1 Gigabyte
Objektiv:28 bis 85 mm (KB-Äquiv.), max. Blende 2,8 (W) bis 4,8 (T), kleinste Blende 8
Sucher:Optischer Zoomsucher mit Dioptrieneinstellung, LCD Farb auf Kamerarückseite
Verschluß:8 Sek. bis 1/4.000 automatisch, manuell bis 60 Sek.
Empfindlichkeit:100, 200, 400, 800 ISO (manuell oder automatisch)
Belichtung:TTL-Messung (256-Segment-Matrixmessung, Mittenbetont, Spotmessung, AF-Spotmessung); Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik, Manuell
Weißabgleich:Automatischer Weißabgleich mit TTL-Matrixmessung; 5 manuelle Einstellungen mit Feinabstimmung (Direkte Sonne, Glühlampenlicht, Leuchtstofflampenlicht, Bewölkt, Blitzlicht); Messwertspeicher, Weißabgleichsreihe
Schnittstelle(n):USB 1.1, Video PAL/NTSC, digitale Schnittstelle (USB/Fernauslöser)
Dateiformat(e):Unkomprimiertes TIFF oder komprimiertes JPEG (EXIF 2.1), Quicktime Motion JPEG (nur Filmsequenzen); konform zum DCF-Standard (Design rule for Camera File system) und DPOF-Standard (Digital Print Order Format)
Software:Nikon View 4 (auf CD-ROM), Adobe Photoshop Elements
Computer:---
Stromversorgung:Wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Akku EN-EL1 (im Lieferumfang, ca. 100 Minuten bei eingeschaltetem Monitor); 6-V-Lithium-Batterie vom Typ 2CR5/DL245 (Sonderzubehör); Batteriepack MB-E5000 für sechs 1,5-Volt-LR6-Batterien (AA), 1,5-V Lithium, 1,5 NiMH oder 1,2V NiCd-Batterien (Sondernzubehör); Netzadapter (Sonderzubehör)
Gewicht:360 g (ohne Batterien)
Größe (Breite/Höhe/Tiefe):101,5 x 81,5 x 67,5 mm
Besonderheiten:frei schwenkbares Farb-LCD, kann auch mit Bildschirm nach außen an Kamerarückseite geklappt werden. Vier Betriebsarten: Automatik, dazu drei individuell konfigurierbare Anwendereinstellungen.
Lieferbares Zubehör:Fisheye-Vorsatz FC-E8, Weitwinkelvorsatz WC-E68, Televorsatz TC-E2, Televorsatz TC-E3ED, Diakopiervorsatz ES-E28 (erfordern jeweils Adapterring), Adapterringe, Streulichtblenden, Batteriepack, Kabelfernauslöser MC-EU1
Preis:Preisempfehlung 1580 €
URL:http://www.nikon.de/.

Johannes Leckebusch