Unkonventionelle 4 Megapixel-Kamera von Nikon

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Siehe auch Weihnachtstips in P.M. 11/2002 (erscheint am 18. 10.):

(C) by Johannes Leckebusch 2002

Stand: 10. 09. 2002


Nahaufnahme einer Ein-Cent-Münze
Wer den Pfennig nicht ehrt - hieß es einst. Haben Sie den Cent schon mal so genau betrachtet - die Coolpix 4500 kann das, ohne Zubehör. Da die Aufnahme aus freier Hand gemacht wurde, ist sie rechts etwas unscharf - professionell würde man ein Stativ benutzen und die Kamera exakt ausrichten.

Die etwas seltsame Form der Coolpix 4500 läßt zwei Möglichkeiten offen: Zunächst sieht das Gehäuse aus wie das einer gewöhnlichen Kleinbildkamera mit leicht verdickten Griff/Akkuteil. Dabei starrt das Objektiv jedoch in den Himmel. Hält man sie wie ein Fernrohr vor die Augen, blickt man durch den Sucher vorwärts, aber der Auslöser befindet sich dann an ungewöhnlicher Stelle: an der Unterkante der Vorderfront. Oder man verdreht die linke Hälfte der Kamera um 90 Grad, dann hält man den rechten Teil wie gewohnt, während der linke wie ein Geschütz auf das Motiv zielt.

Das hälftig drehbare Gehäuse hat bei Nikons Digitalen eine mehrjährige Tradition. Schon im Sommer 1999 hatte ich eine Coolpix 950 mit Schwenkobjektiv im Test. Seither bringt Nikon abwechselnd "normal" gebaute Digitalkameras und Modelle mit Drehgestell heraus - so, als wolle man es auch den Kunden recht machen, die dem Kippdesign mißtrauen.

An die ungewöhnliche Handhabung der Drehmodelle gewöhnte ich mich jeweils rasch, sie hat ja auch ihre Vorzüge, wenn man statt des optischen Zoomsuchers das Display am Rücken des Griffteils benutzt, man kann dann in Winkeln fotografieren, bei denen der Blick durch den Sucher nur mit Verrenkungen oder gar nicht möglich wäre.

Die Coolpix 4500 in Arbeitsstellung
Mit herausgedrehtem Aufnahmeteil ist die Coolpix 4500 eine Mischung aus herkömmlicher Sucherkamera und avantgardistischer Knickplastik. Das Stativgewinde befindet sich im Griffteil - leider läßt sich bei montierter Kamera die Batterie nicht zum Nachladen herausnehmen, da der kleine Teller meines Leitz-Kopfes bereits den Deckel des Batteriefaches verdeckt.

Das massive, schwarze Metallgehäuse mit dem teilgummierten Griffteil liegt gut, aber etwas kantig in der Männerhand - besonders zierlich ist die Kamera nicht (Abmessungen bei den technischen Daten). Nachdem ich bei der Coolpix 775 das Fehlen eines Objektivdeckels bemängeln mußte, möchte ich ausdrücklich bemerken: Der 4500 lag einer bei - mit Bändel. Allerdings klappert er beim Laufen mit der umgehängten Kamera nervtötend an das Gehäuse, was daran liegt, daß der Tragriemen seitlich angebracht wird, die Kamera somit längs am Bauch des Besitzers hängt und das Plastikdeckelchen munter darauf herumhüpft, da seine Befestigung ebenfalls an den Ösen des Schulterriemens oder an diesem selbst angebracht werden muß.

Das Gehäuse und alle Mechanik machen einen soliden Eindruck, die Knöpfchen haben einen Druckpunkt und sind aus festem Kunststoff, nicht etwa aus Gummi wie an manchen Billigkameras. Nicht zufrieden bin ich mit der winzigen Zoomwippe an der Kamerarückseite, und der merkwürdige Miniatur-Steuerknüppel (das weiße Knöpfchen rechts unten mit den Pfeilen) zur Menüsteuerung begeistert mich auch nicht. Wenn es nach mir ginge, würde ich den als Ring um den Auslöser mit Auswuchs gestalteten Power-Schalter als Zoomsteuerung (wie bei der Canon Powershot G2) tauschen und den Ein-/Aus-Schalter an weniger prominenter Stelle anbringen (tatsächlich habe ich anfangs immer wieder die Kamera ausgeschaltet, wenn ich zoomen wollte).

Gut dagegen das silbrige Funktions-Drehrad, das je nach Modus z. B. die Blenden- oder Zeitvorwahl einstellt; bzw. zusammen mit Drucktasten auf der Oberseite zwischen den Betriebsarten oder anderen Funktionen wie der Belichtungskorrektur umschaltet. Besonders dass man so an die Belichtungskorrektur, die auch bei Automatik wirksam ist, ohne umständliche Menüs direkt herankommt, ist vorbildlich (naja, eigentlich sollte es selbstverständlich sein).

Der Autofokus ist immer noch nicht überragend schnell, aber nicht so problematisch wie bei der Coolpix 5000. Man kann aber auf "ständiges Fokussieren" (im Menü verwirrenderweise "Serien-Autofokus" genannt) schalten, das kostet zwar mehr Strom, sichert aber weitgehend, dass im Moment des Auslösens bereits scharfgestellt ist. Sonst vergeht nach dem Antippen des Auslösers etwa eine halbe Sekunde - zu viel für impulsive Schnappschüsse. Ich kann in diesem Zusammenhang nur immer wieder auf meine uralte Spiegelreflexkamera (mit ca. 25 Jahren sicher älter als die meisten Käufer von Digitalkameras) verweisen, deren rein mechanischer Verschluß sofort auslöst, wenn ich das Knöpfchen drücke - da spielt nur meine eigene Reaktionszeit eine Rolle. Und scharfgestellt habe ich über den Spiegelreflexsucher von Hand schon dreimal, ehe so eine Automatik sich überlegt hat, welches Bildelement sie denn nun schärfen soll.

Ich hatte zweimal anscheinend unvollständig abgespeicherte Bilder auf meiner 64-MB-CompactFlash-Karte von Apacer. Nikon konnte das Problem nach Rücksendung der Kamera nicht nachvollziehen und "vermutet, das es Kommunikationsprobleme zwischen der Kamera und der Karte gibt. Das kann wohl vorkommen. Wir empfehlen normalerweise Lexar, Sandisk oder Kodak. Diese Karten laufen mit unseren Geräten perfekt."

To zoom or not to zoom

Das Objektiv der Coolpix 4500 besticht vor allem durch seinen vierfachen Brennweitenbereich, der lediglich im Weitwinkel mit 38 mm (KB) etwas schwach ist, und die ungewöhnlich kurze Nahaufnahmedistanz von zwei Zentimetern (siehe Münzaufnahme oben). Die Lichtstärke ist dagegen nur im Weitwinkelbereich mit F2,6 befriedigend, aber auch nicht überwältigend, während man sich im Telebereich mit der maximalen Blendenöffnung von 5,1 zufriedengeben muß. Das ist zwar gemessen an der Brennweite von auf KB umgerechnet 155 mm so schlecht auch wieder nicht, schränkt aber dennoch die Verwendung der Telebrennweite wegen Verwacklungsgefahr auf sehr gute Lichtverhältnisse (oder die Verwendung eines Stativs und unbewegte Motive) ein.

Mit auf KB umgerechnet 38 mm verfügt das Zoom über kein besonders kräftiges Weitwinkel (Standardwert wäre 35 mm).Schloss Neubeuern mit 38 mm
Im Vergleich zur maximalen Telestellung (alle Aufnahmen vom gleichen Standort), die 155 mm bei Kleinbild entspricht, ergibt sich jedoch ein beachtlicher Brennweitenbereich (gut vierfach)Schloss Neubeuern mit 155 mm
Schaltet man den vierfachen Digitalzoom hinzu, ergibt sich sogar eine scheinbare Brennweite von 620 mm. Allerdings sinkt dann die Bildauflösung rechnerisch auf 568 x 426 Pixel. Für Internetbilder reicht das aber.Effekt des vierfachen Digitalzooms
Besäße die Kamera nur eine 38 mm Festbrennweite und einen 16fachen Digitalzoom, sähe der Ausschnitt so aus.Simulierter Effekt eines sechzehnfachen reinen Digitalzooms

Sinn und Unsinn des sogenannten "Digitalzooms" zeigt die obige Bildreihe. Im Prinzip erzeugt ein Digitalzoom nur einen interpolierten Ausschnitt aus dem aufgenommenen Bild, wobei sich die Bildschärfe zwangsläufig verringert. Denn dabei wird ein Teil des Bildes, der vom Objektiv auf einem kleinen Bereich des CCD-Sensors abgebildet wird, "aufgeblasen", also auf die entsprechende Anzahl Pixel eines vollständigen Bildes hochgerechnet. Wirklich scharfe und voll aufgelöste Teleaufnahmen kann nur eine entsprechend "lange Brennweite" erzeugen. Bei vier Megapixeln sind aber Ausschnittvergrößerungen durchaus brauchbar - jedoch braucht man dazu nicht unbedingt eine Digitalzoom-Funktion in der Kamera - mit einem Bildverarbeitungsprogramm läßt sich nachträglich jeder beliebige Bildausschnitt "digitalzoomen". Wenn man sich der Einschränkungen bewußt bleibt, ist gegen die Digitalzoom-Funktion nichts einzuwenden, viele Käufer wissen aber offenbar über den Unterschied zum optischen Zoom nicht Bescheid.

Mit Ausschnitten kann man aus einer Aufnahme ganz verschiedene Bilder gewinnen - mit "Digitalzoom" hätte es hier einer zweiten Aufnahme bedurft, dieses Bild wurde aber nachträglich aus der Weitwinkelaufnahme herausvergrößert.Alternativer Bildausschnitt

Die Farbwiedergabe bei Tageslicht im Freien ist weitgehend neutral, bisweilen etwas kühl oder auch leicht rötlich betont.

Spannende Lichtverhältnisse - gut bewältigt

Fotografieren ist Gestalten mit Licht - dazu braucht man nicht immer eine Atelierausrüstung mit zig Scheinwerfern mit sich herumzuschleppen. Oft genügt es, einfach den Standort zu wechseln und richtig zu belichten - hier auf die weichen Sonnenflecken im Hintergrund. Die Statue wird fast zur Silhouette.Statue einmal fast als Silhouette
Alternativ eine Gegenlichtaufnahme, gemessen auf die verhältnismäßig dunkle Statue, die vom Widerschein der Umgebung wunderbar moduliert wird. Beide Aufnahmen entstanden wenige Minuten nacheinander, also bei "gleichem Licht".... oder gut moduliert im Gegenlicht

Was fehlt?

Was fehlt? Zum Beispiel ein Blitzschuh. Um externe Blitzgeräte zu verwenden, braucht man besonderes Zubehör (siehe technische Daten). Den eingebauten Blitz, der auf Knopfdruck wie die erstaunte Augenbraue einer Comicfigur hochklappt (siehe Bild links im Inhaltsframe) habe ich nicht ausprobiert - ich mag keine Aufnahmen mit Blitz an der Kamera. Positiv finde ich, dass sich der eingebaute Blitz, wenn eingerastet, nicht unerwünscht zu Lichte meldet. Ach ja - die Kamera hat kein zusätzliches Schwarzweiß-LCD, auf dem die eingestellten Funktionen angezeigt werden, stattdessen blendet sie diese Informationen (wie eben das durchgestrichene Blitzsymbol für: Blitz AUS) auf dem rückwärtigen, wie üblich ziemlich kleinen Farb-LCD ein. Man kann es auch abschalten - mit der "Displaytaste" am Kamerarücken. Das sonst übliche Zusatzdisplay habe ich nicht vermißt.

Dass man in der Kamera keine handelsüblichen Nickel-Akkus verwenden kann (offenbar auch nicht per Zusatzadapter wie noch bei der Coolpix 5000) hat mich beim Test zwar nicht gestört, beim Erwerb der Kamera bedeutet das aber: Als Reserve- oder Ersatzakku muß man auf das sicher nicht billige Originalzubehör des Herstellers zurückgreifen.

Nahaufnahmen und Reprofotografie

Nahaufnahme in freier Natur
Am Wegesrand beobachtet - nochmal was zum Thema "Nahaufnahme" mit der Coolpix 4500.

Besonders beeindruckt hat mich, wie nah man mit der Kamera an sein Motiv herangehen kann - im Makromodus. Dazu braucht man keine Nahlinsen - ein solches Zubehör ist sicherlich überflüssig (eher kann man sich einen Weitwinkelvorsatz wünschen, siehe Zubehörangebot).

Kamera spart Scanner - zumindest bedingt. Das nebenstehende Foto ist eine SW-Doppelbelichtung mit einer Rolleiflex im Format 6 x 6. Filmscanner für dieses Format sind für den Fotoamateur kaum erschwinglich - mit der Coolpix 4500 vom Leuchtpult abfotografiert und im Bildbearbeitungsprogramm "umgedreht" entsteht eine vergrößerungsfähige Bilddatei. Mit maskierten Farbnegativen klappt das allerdings nicht so recht. Kleinbild-SW-Negative bewältigt die Kamera aber mit ihrem Objektiv auch.Reproduktion eines 6x6-Negativs
Auch dies ein 6x6-Negativ, das ich anschließend im Fotoprogramm etwas im Kontrast verstärkt habe (am besten eignet sich meist die bekannte S-Kurve, die auch für Fotopapiere typisch ist). Die Aufnahme entstand um 1974/75 in Südspanien und zeigt die Maler Dick Sargent und Siegfried Leckebusch (beide verstorben).Reproduktion eines 6x6-Negativs

Test-CD mit Original-Kameradateien

Überzeugen Sie sich selbst im Vergleich von der Qualität der mit den Kameras gemachten Testbildern: Auf den Internetseiten können die Bilder nur in stark reduzierter Form gezeigt werden. Auf der Test-CD finden Sie die unveränderten Original-Kameradateien aller Testaufnahmen (und weitere, soweit der Platz reicht). Senden Sie bitte Euro 10,- (inkl. Porto, Verpackung und MWSt) mit dem Vermerk "CD Testfotos Pixelgiganten" an Johannes Leckebusch, Schlierseer Str. 27, 83735 Bayrischzell. Absender nicht vergessen! {;-)).


Das Fotografieren mit der Coolpix 4500 hat Spaß gemacht. Auch wenn sie nicht in allen Punkten meine Wunschkamera wäre - ich mochte sie.



Technische Daten Coolpix 4500

Bildformat:Max. 2272 x 1704; 4 Millionen Pixel, verschiedene JPEG Komprimierungsstufen sowie 1600 x 1200, 1280 x 960, 1024 x 768 und 640 x 480 sowie 2560 x 1520 Pixel (Seitenverhältnis 3:2)
Speicher:CompactFlash-Karte, 16 MB mitgeliefert; ebenso verwendbar CompactFlash Typ I von 16 bis 256 MB und Typ II, z. B. IBM Microdrive 1 Gigabyte
Objektiv:38 bis 155 mm (KB-Äquiv.), max. Blende 2,6 (W) bis 5,1 (T), kleinste Blende 7,5 (W) bis 10,3 (T)
Sucher:Optischer Zoomsucher mit Dioptrieneinstellung -2 bis +2, LCD Farb auf Kamerarückseite
Verschluß:8 Sek. bis 1/2.300 automatisch, manuell 8 bis 1/2000, Langzeitbelichtung bis 5 Min.
Empfindlichkeit:100, 200, 400, 800 ISO (manuell oder automatisch)
Belichtung:TTL-Messung (256-Segment-Matrixmessung, Mittenbetont, Spotmessung, AF-Spotmessung); Programmautomatik, Blendenautomatik, Zeitautomatik, Manuell, Belichtungskorrektur -2,0 bis +2,0 LW in 1/3 Schritten, Belichtungsreihen
Weißabgleich:Automatischer Weißabgleich; 5 manuelle Einstellungen mit Feinabstimmung (Direkte Sonne, Glühlampenlicht, Leuchtstofflampenlicht (3 Typen), Bewölkt, Blitzlicht); Messwertspeicher, Weißabgleichsreihe
Schnittstelle(n):Video PAL/NTSC, digitale Schnittstelle (USB/Fernauslöser)
Dateiformat(e):Unkomprimiertes TIFF oder komprimiertes JPEG (EXIF 2.1), Quicktime Motion JPEG (nur Filmsequenzen); konform zum DCF-Standard (Design rule for Camera File system) und DPOF-Standard (Digital Print Order Format)
Software:Nikon View 5 (auf CD-ROM), Adobe Photoshop Elements
Computer:Windows XP, 2000, Me, 98SE oder Mac OS 9,0, 9,1, 9,2, OS X (10.1.2 oder neuer), jeweils mit USB-Schnittstelle!
Stromversorgung:Wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Akku EN-EL1 (im Lieferumfang, ca. 100 Minuten bei eingeschaltetem Monitor); 6-V-Lithium-Batterie vom Typ 2CR5/DL245 (Sonderzubehör); Netzadapter (Sonderzubehör)
Gewicht:360 g (ohne Batterien)
Größe (Breite/Höhe/Tiefe):130 x 73 x 50 mm
Besonderheiten:Geteiltes Gehäuse mit schwenkbarem Objektivteil
Lieferbares Zubehör:Fisheye-Vorsatz FC-E8, Weitwinkelvorsatz WC-E68, Televorsatz TC-E2, Televorsatz TC-E3ED, Diakopiervorsatz ES-E28 (erfordern jeweils Adapterring), Netzadapter, Monitorlichtschacht HL-CP10, Kabelfernauslöser MC-EU1, Multiblitzhalterung SK-E900/Multiblitzadapter AS-E900 (kein angebauter Blitzschuh), Makro-Ringleuchte COOL-LIGHT SL-1
Preis:Preisempfehlung 825 €
URL:http://www.nikon.de/.

Johannes Leckebusch