Vier Megapixel für qualitätsbewußte Knipser

Kamera mit optionaler Docking-Station zur Datenübertragung und Akkuladung

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Im Auftrag von:

(C) by Johannes Leckebusch 2002

Stand: 23. 05. 2002


Warten auf den Foto- und Schifffahrtsfrühling ...Warten auf den Frühling

Die gute Nachricht ist: Mit Kodak wird jetzt auch Digitalfotografie in 4-MP-Qualität kinderleicht und deutlich preiswerter. Die schlechte Nachricht: Die ursprünglich mit der DX-Serie als "Bundle" angebotene Docking-Station muß jetzt für zirka 100 Euro extra erworben werden. Ohne Docking-Station kein Akkuladen in der Kamera (allerdings kann man auch herkömmliche NiMH-Akkus und externe Ladegeräte benutzen). Die Kamera hat außer dem speziellen Docking-Steckschuh keinen Anschluß für ein externes Netzgerät. Andererseits ist die DX 4900 ein Batterie-Allesfresser: Mitgeliefert wird eine nicht aufladbare Lithium-Batterie, es können aber auch zwei handelsübliche AA-Zellen eingesetzt werden (von der Verwendung von Alkali-Zellen wird abgeraten). Mit der Docking-Station kommen zwei zu einem Batteriepack verbundene NiMH-Zellen mit der beachtlichen Kapazität von 1600 mAh. Diese werden automatisch geladen, wenn man die Kamera in die Docking-Station setzt. Allerdings können die miteinander Kopf an Fuß verbundenen Akkus in keinem herkömmlichen Ladegerät geladen werden - um außerhalb der Kamera nachzuladen, braucht man wieder ein spezielles "Schnell-Ladegerät" von Kodak. Unverblümt schwärmen denn auch die Pressematerialien von den Zusatzgeschäften, die sich dem Handel "mit hohen Margen und neuen Absatzchancen" bieten. Irgendwie ist es da auch logisch, dass die Docking-Station zwei lose in die Kamera eingesetzte Original-Kodak-NiMH-Akkus von einem früheren Kameramodell gar nicht erst lädt - es fehlen offenbar die Zusatz-Noppen an den miteinander verschweißten Zellen, die da besagen: "Ich bin ein Zubehör, an dem der Handel mit großer Marge mitverdient hat", die in der Kamera einen Geheimkontakt betätigen.

Übrigens braucht man, um unterwegs Akkus nachzuladen, nichts weiter als einen billigen Batteriehalter aus dem Elektronik-Laden, einen passend berechneten etwas dickeren Widerstand, einen halben Meter Litze und einen Stecker für den Zigarettenanzünder im Auto. Diese billige Expeditionsausrüstung (höchstens 10 - 15 Euro und eine halbe Stunde Lötbastelei) verzichtet allerdings auf Ladeautomatik - man muß schon selbst aufpassen, dass die Akkus nicht überladen werden.

Für Kameras, die vier AA-NC oder Ni-MH-Zellen benutzen, besorgt man sich einen passenden Batteriehalter (z. B. bei Conrad), ca. einen Meter Litze (Länge nach Belieben), am besten verschiedenfarbig isoliert, damit man sich mit der Polarität leichter tut, einen Zigaretten-Anzünder-Stecker (KFZ-Fachhandel, Tankstelle oder Obi) sowie einen Widerstand, am besten einen 2-Watt-Typ. Das Kabel wird so an die Lötkontakte des Batteriehalters angelötet, dass Plus an Plus kommt - am besten mit Voltmeter prüfen (der Mittenkontakt des Zigarettenanzünder-Steckers ist Plus). Man muß nun eine der Brücken (Drähte) auftrennen, mit denen die Kontakte der Zellen verbunden sind, so dass diese in Serie geschaltet werden. Diese Brücke wird durch den angelöteten Widerstand, der zur Ladestrombegrenzung dient, wieder geschlossen. Achtung: Der Widerstand wird heiß - daher auf ausreichende Belastbarkeit, mindestens 2 Watt, achten! Wenn es im Auto blanke Karosserieteile gibt (Masse!), sollte man das ganze außenrum gut mit Isolierband vor Kurzschluß schützen.

Als Wert habe ich 62 Ohm gewählt (Farbcode blau, rot, schwarz und gold oder silber für 5% oder 10% Genauigkeit (nicht so wichtig)). Dabei geht man von der Regel aus, Akkus 14 Stunden mit 1/10 der Nennkapazität zu laden. Die Nennspannung von Nickel-Akkus beträgt zwar 1,2 Volt, steigt aber beim Laden bis auf 1,4 Volt an, macht also 5,6 Volt (kann auch höher werden - aber dann sollte man die Akkus wieder trennen). Nun ist die Nennspannung der Autobatterie 12 Volt, während der Fahrt steigt sie aber auf 14,4 Volt (Ladespannung d. Lichtmaschine) an. Das ergibt eine Spannungsdifferenz zwischen 6,4 und 8,8 Volt, und somit nach dem ohmschen Gesetz - Spannung durch Widerstand - einen Ladestrom zwischen 103 und etwas über 140 mA - damit ist man bei Akkus entsprechender Kapazität (1400 mAh) auf der sicheren (schonenden) Seite. Man kann auch durch Verkleinern des Widerstandes eine schnellere Ladung erzielen, aber dann sollte man ein Digitalvoltmeter und viel Aufmerksamkeit mitbringen. Wenn die Akkus eine höhere Kapazität haben, z. B. 1600 mAh, dauert das Laden halt länger - oder man erhöht den Ladestrom auf 160 mA (56 Ohm wäre der nächste Normwert). Das ist eine ganz billige Möglichkeit, Akkus unterwegs nachzuladen - gelegentlich sollten sie aber auch wieder kontrolliert mit einem elektronischen Ladegerät (zu Hause) geladen werden, obwohl den Ni-MH-Akkus Teilladung und Teilentladung nicht so viel ausmachen - jedenfalls nicht gelegentlich. Führt man zwei oder drei solcher Simpel-Lader mit, hat man meist genügend Stromreserven. Zu beachten ist, dass man die Akkus nicht vergisst, da sie sonst überladen werden, was die Lebensdauer verkürzt.

Im Prinzip kann man sowas auch mit einer elektronischen Schaltung machen, aber dazu habe ich jetzt keine Unterlagen parat (es gibt geeignete ICs dafür) und erhält dann ein mehr oder weniger automatisches Ladegerät, zum Beispiel per Spannungsbegrenzung, was als Begrenzung des Ladevorgangs ausreicht (in diesem Fall auf 5,6 Volt einstellen, Strombegrenzung entsprechend), das ist dann aber wieder teuerer und aufwendiger.

Auch Nahaufnahmen gelingen leichtWarten auf den Frühling - Nahaufnahme

Schade, dass die DX 4900, anders als die 4-MP-Konkurrenten von Canon und Casio, nur einen Typ-I-Slot für CompactFlash-Karten besitzt - das Microdrive kann also nicht benutzt werden. Allerdings bietet Kodak selbst inzwischen CF-Karten mit bis zu 256 MB an, und die Kamera geht recht sparsam mit ihrem Bildspeicher um. Schon auf meine 64-MB-CF passen in der höchsten Qualitätsstufe "4MB wenig komprimiert" laut Anzeige bei leerer Karte 51 Fotos (bei der mitgelieferten knausrigen 16-MB-CF sind es nur 12). Die JPEG-Dateigrößen schwanken zwischen unter 300 KB (!) und 1,7 MB, sie sind sehr stark davon abhängig, wie viele Details die Aufnahme enthält.

Als ich die DX 4900 zum erstenmal mit einem "Zero-Shot"-Durchgang in Betrieb nahm, stolperte ich darüber, dass mein Vorgänger allerlei absonderliches eingestellt hatte - den Sepia-Bildmodus, was auf dem recht lichtschwachen LCD am Kamerarücken, das die eben gemachte Aufnahme kurz anzeigt, trotz trüben Nachmittagswetters zunächst kaum zu erkennen war - und das Einprägen eines Datumsstempels mit Uhrzeit in fetten gelben Zeichen in jedes Foto, was mich hernach am meisten ärgerte. Auch hier wie bei einem früheren Modell die merkwürdige deutsche Menüeinstellung "Benutzer-Einst Wiederh" (Benutzereinstellungen beim Ausschalten der Kamera wiederherstellen", wobei "NEIN" bedeutet: Nach dem Aus- und Wiedereinschalten ist alles noch so eingestellt wie zuvor (Englisch: "Reset user setting at camera power OFF?" = NO).

Preiswerte ...

Was bekommt man nun fotografisch für's Geld: Ziemlich viele Megapixel für 649,- Euro Preisempfehlung (im Internet beispielsweise auch für 559 Euro). Zur Erinnerung, das sind 1270,- DM, und im Sommer 2001 mußte man für 3,1 Megapixel in Gestalt der DX 3900 noch knapp 1500,- DM (767 Euro) hinlegen, damals allerdings inklusive Docking-Station (heute für 509 Euro im Internet zu finden). Ansonsten unterscheidet sich die DX4900 außer in der Auflösung kaum von ihrem Vorgängermodell. Man sollte jedoch beim Preis nicht außer Acht lassen, dass für einen vernünftigen Fotografierspaß noch einiges dazuzulegen ist für mindestens eine ordentlich große CF-Speicherkarte (64 MB + 56 Euro) und ein Ladegerät - wobei die Docking-Station (+ 100 Euro), in die man die Kamera wie ein Handy in die Ladeschale ablegt und die auch die Bilddaten an den Computer überträgt, sicher eine recht praktische Lösung ist. Bei Kodak kostet die Kamera dann etwa 800 Euro.

Meist werden auch schwierige Lichtstimmungen - hier Abendlicht in einer Zimmerei - von der Automatik gut erfasst.Abendstimmung in der Zimmerei

Den Zwang zu speziellen Akkus kann man mit einem ev. schon vorhandenen Standard-Ladegerät und einigen Sätzen AA-Akkus umgehen, und für das Übertragen der Bilder ziehe ich persönlich immer noch ein CF-Lesegerät am Computer oder einen entsprechenden Schacht/Adapter am Notebook vor - aber das muß jeder selbst entscheiden.

... Edelknipse

Eigentlich ist die neueste Kodak aber die Kamera für den unbedarften Knipser, der möglichst wenig von Technik wissen will. Viel kann man ja auch nicht einstellen - jedenfalls im Vergleich zu Konkurrenzmodellen mit ihren Dutzenden von Motivprogrammen und Aufnahme-Betriebsarten. Mit dem Einstellrädchen oben nur die Betriebsarten "Aufnahme", "Wiedergabe" und "Grundeinstellungen überprüfen". Zu den Grundeinstellungen gehört die Art des Stromsparmodus, das Zuschalten des Digitalzooms (m. E. sowieso ein Unfug), den Piepston bei Tastenbetätigungen, Datum und Uhrzeit, PAL oder NTSC für die Wiedergabe von Bildern auf einem Fernseher mit Videokabel, die Menüsprache (z. B. Deutsch, Englisch oder Französisch), Speicherkarte formatieren und das Verhalten beim Aus- und Wiedereinschalten (Wiederkehr oder Rücksetzen der individuellen Einstellungen).

Die DX4900 neigt zu etwas knappen Belichtungen, was aber satte Farben und ordentliche Kontraste ergibt.Bachlauf im Wald
Der Detailreichtum der hochaufgelösten Bilder erschließt sich auf dem Bildschirm erst in einer Ausschnittvergrößerung.Waldbach - Ausschnitt

Im Modus "Aufnahme" gibt es noch ein Menü, in dem man eine Belichtungskorrektur von +/- 2.0 Blendenstufen in halben Blendenstufen (0,5) einstellen kann - keine sehr feine Abstufung, aber ausreichend - und auch nötig, siehe Schneeaufnahmen weiter unten. Für die Praxis ist der Umweg über das Menü mit mindestens fünf Tastendrücken zu umständlich. Des weiteren wählt man in diesem Menü den Weißabgleich (Automatisch, Tageslicht, Kunstlicht oder Leuchtstofflampen), die Bildqualität, die Empfindlichkeit (ISO 100, 200 oder 400 bzw. automatisch), den Farbmodus (Farbe, SW oder Sepia - mehr eine Spielerei), die Art der Belichtungsmessung (Mehrzonen, Mittenbetont oder Mittelpunkt), drei Schärfemodi, eine manuelle Belichtungszeit (nur für längere Zeiten ab 0,7 Sekunden bis 16 Sekunden). Mit den Einstellungen ISO 400 und 16 Sekunden Belichtungszeit kann man zur Not auch bei Vollmond fotografieren - überragend sind die Ergebnisse zwar nicht, aber viele interessante Nachtmotive wie nächtliche beleuchtete Straßen in der Stadt stehen dem Fotografen damit offen.

Aufnahme bei Mondlicht
Auch das geht - Kamera auf's Stativ, manuelle Langzeitbelichtung einstellen - nur der Vollmond erzeugt das bläuliche Licht auf den schneebedeckten Hausdächern, im Vordergrund Widerschein des Lichts aus unserem Haus auf dem gegenüberliegenden Schuppendach.

Blitz (Automatik, Ein, Aus, Vorblitz), Makro oder Fixfokus (Unendlich) und Selbstauslöser werden durch drei Tasten auf der Kameraoberseite eingestellt. Also kaum was Überflüssiges, eigentlich nur das Notwendigste. Für engagierte Amateure oder Profis, die auch mal Zeit und Blende vorwählen oder die Entfernung manuell festlegen wollen, ist diese Kamera also nichts (denen empfehle ich wärmstens die Canon Powershot G2).

Zum Aus- und Einschalten dient ein vergleichsweise rustikaler Schieber am linken Gehäuserand, der auch den eingebauten Objektivdeckel hin- oder herschwenkt. Achtung: Schaltet sich die Kamera im Energiesparmodus selbst ab, wird das Objektiv nicht geschützt! Also vor dem Einstecken in die Hosentasche immer nachschauen.

Inzwischen sind etliche Kameras mit Automatikprogrammen für besondere Aufnahmesituationen ausgestattet - zum Beispiel im Schnee oder am Strand. Notwendig sind solche Korrekturen allemal - bei der DX 4900 muß man auf die Belichtungskorrektur zurückgreifen, was im Prinzip auch sinnvoller ist. Die Mehrzonenmessung schlägt sich meistens wacker, haut aber manchmal auch daneben.

Schneelandschaft - krass unterbelichtet
Hier hat die Automatik wohl was falsch verstanden - aber damit muß man bei Schneelandschaften, hier noch verschärft durch die zwar verschleierte, aber im Bild befindliche Sonne im Himmel, schon mal rechnen - und dann vorsichtig die Belichtungskorrektur benutzen.

Blitzschuh oder -Kontakt gibt es nicht, aber immerhin ein Stativgewinde. Der Kameraboden hat noch einen Schieber, um den speziellen Kontakt für die Docking-Station zu verdecken oder freizugeben.

Richtet man die Kamera unvermittelt auf ein Motiv, z. B. eine vorbeifahrende Kutsche, drückt rasch den Auslöser durch und schaut dann erwartungsvoll auf das Display am Kamerarücken, sieht man dort wahrscheinlich eine Sekunde später ein Bild der eigenen Schuhe. Es will halt erst in Ruhe scharfgestellt und gemessen werden ...

Fotografiert man Baumäste gegen den Himmel, so sind daran, vor allem an den Bildrändern, grüne und purpurfarbene Säume zu sehen - eine sogenannte chromatische Aberration des Objektivs, das in seiner Qualität doch deutlich unter dem der Canon G2 liegt. Allerdings fallen diese in den meisten Aufnahmesituationen und bei geringerer Vergrößerung kaum auf.


Test Weißabgleich

Der Weißabgleich der DX4900 brachte mich schwer ins Grübeln. Zunächst erhielt ich beim Aufnahmetest mit Kunstlicht in der Stellung "Automatik" stark schwankende Ergebnisse auf dem Display am Kamerarücken - eine Kontrolle der Aufnahmen am Computer zeigte, dass diese tatsächlich extrem unterschiedlich ausgefallen waren (siehe Bildreihe). Eine Wiederholung der Aufnahmen, bei der ich mich sorgfältig vergewisserte, dass sich nichts an der Beleuchtungssituation änderte, keine unkontrollierten Fremdeinflüsse (etwa durch Energiesparlampen) vorhanden waren und auch die Kameraeinstellungen unverändert blieben, brachte dieselben Ergebnisse.

Ziemlich katastrophal arbeitet der automatische Weißabgleich bei Kunstlicht. Die nebenstehenden Aufnahmen entstanden alle bei Beleuchtung mit handelsüblichen Halogen-Lampen, an der Lichtsituation und den Kameraeinstellungen wurde nichts verändert, die Kamera war auf einem Stativ befestigt. Die Testtafel war auf einer Zeitungsseite befestigt, die im Prinzip einem neutral grauen Umfeld entspricht. Bei nacheinander geschossenen Aufnahmen springt die Wiedergabe wild zwischen krassem Purpurstich und leicht blau-grünlicher Verfärbung hin und her.Hier ist ein Bild
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Auch weitere Aufnahmen mit der Voreinstellung "Tungsten" (Kunstlicht) brachten sonderbare Ergebnisse: Beim Fotografieren mit Stativ und Halogenlampen erhielt ich teilweise blau- und teilweise rotstichige Aufnahmen - der Weißabgleich springt manchmal hin und her und ändert sich auch beim Zoomen, wenn dadurch andersfarbige Motivteile in den Bildausschnitt geraten. Hier versucht die Kamera also gerade in der Einstellung auf Kunstlicht, die Farkorrektur aus dem Motiv zu erfassen - augenscheinlich ein Fehler in der Firmware.

Bei der Voreinstellung auf "Tungsten" (bzw. Wolfram oder Kunstlicht) scheint das Resultat zunächst relativ neutral.Hier ist ein Bild
Ein Verrücken der Kamera, wobei in der oberen Hälfte das beige gestrichene Reißbrett ins Bild gerät, werden Zeitung und Testkarte plötzlich himmelblau. Das dürfte nicht sein - denn diese Einstellung sollte ja einen definierten, von der Umgebung unabhängigen Weißabgleich erzeugen.Hier ist ein Bild
Seitlich ins Bildfeld gehaltene farbige Kartons beeindrucken die Farwiedergabe zwar weniger, erzeugen aber dennoch unterschiedliche Tönungen.Hier ist ein Bild
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Ich habe daraufhin einen Teil der Testaufnahmen mit einem zweiten Exemplar der DX4900 wiederholt - die Ergebnisse im Weißabgleichs-Modus "Automatisch" schienen stabiler, die Abweichungen bei vermeintlich fester Einstellung des Weißabgleichs auf Kunstlicht aber waren genauso krass.

Versuch mit einem Ersatzexemplar der DX4900: In der Einstellung "Auto" entsteht zunächst ein nur leicht rotstichiges Bild.Hier ist ein Bild
Sobald aber beim Zurückzoomen das überwiegend gelbe Bildumfeld miterfaßt wird, erscheint die Testtafel deutlich blaustichig.Hier ist ein Bild
Bei der Einstellung auf "Tungsten" (Kunstlicht) erhalte ich in Telestellung zunächst eine sehr neutrale Aufnahme.Hier ist ein Bild
Beim Zurückzoomen aber wird das mittlere Motivfeld nun krass blau - ein klarer Fehler, da diese Einstellung ja einen fixierten Weißabgleich bewirken sollte.Hier ist ein Bild

Eine definitive Bewertung der Farbwiedergabe bei Kunstlicht ist somit nicht möglich - soll ich nun "gute" oder "schlechte" Beispiele, die mehr oder weniger zufällig entstehen, zur Bewertung heranziehen? So kann ich dem Weißabgleich bei Kunstlicht nur die Note "ungenügend" erteilen.

Bei Tageslicht (6500 Kelvin Biolux) liefert die Einstellung auf automatischen Weißabgleich lebhafte Farben, allerdings mit einem merklichen Purpurstich. Das deckt sich mit dem Eindruck der meisten praktischen Aufnahmen bei Tageslicht, die allesamt etwas zum Purpurstich neigen.Tageslicht mit automatischem Weißabgleich
In der Einstellung "Daylight" (Tageslicht) wird die Farbwiedergabe neutraler, seltsamerweise das Bild aber bei sonst gleichen Bedingungen deutlich unterbelichtet.Tageslicht mit Einstellung Daylight

Bedienung

Die Bedienung ist im wesentlichen so simpel, dass es daran kaum etwas auszusetzen gibt. Zu umständlich finde ich allerdings die einzige Möglichkeit der Belichtungskorrektur über das Memü. Und sehr unpraktisch ist - wie bei vielen Kameras dieser Art - die Position der Telewippe - man kann sie, zumindest wenn man das linke Auge zum Visieren durch den Sucher benutzt, nicht betätigen, ohne die Kamera sozusagen aus dem Gesicht zu nehmen. Hier ist die G2 Vorbild, bei der eine entsprechende Wipptaste sich auf der Kameraoberseite befindet, wo man sie ungehindert bedienen kann.

Knackscharfe Bilder, die sich problems auf A4 (etwa 18 x 24 cm) vergrößern lassen, ohne pixelig zu werden, macht die neue DX4900 von Kodak. Aus 4,1 Megapixeln holt sie eine Auflösung von 2448 x 1632. Ausgeschaltet verschwindet das zweifach-Zoom (auf Kleinbild umgerechnet 35 - 70mm) vollständig im Gehäuse und wird von einem eingebauten Deckel geschützt, sodass man die recht kompakte Kamera bedenkenlos in die Hosentasche stecken kann. Der besondere Clou: Zur Datenübertragung und gleichzeitig zum Nachladen der NiMH-Akkus stellt man sie einfach in die Docking Station "EasyShare". Diese ähnelt der Ladestation eines schnurlosen Telefons. Auf Knopfdruck meldet sich die Kamera als "Wechselplatte" am PC oder Mac an, über die schnelle USB-Schnittstelle lassen sich die Bilder abrufen oder werden gleich automatisch kopiert. Für Fotoamateure ist die manuelle Langzeitbelichtung bis 16 Sekunden für Nachtaufnahmen interessant. Der Brennweitenbereich reicht vom klassischen Weitwinkel bis zur Portraitbrennweite (von einem echten Tele kann man nicht sprechen), er lässt sich mit Vorsatzlinsen auf ein Superweitwinkel von 17,5 mm bzw. 140 mm echtes Tele erweitern (Zubehör). Die wichtigste Anschaffung dürfte aber zunächst eine größere CompactFlash-Speicherkarte sein, auf die mitgelieferte 16-MB passen gerade mal 12 Bilder in höchster Auflösung. Für etwa 140 Mark bekommt man eine 64-MB-Karte, die 51 Bilder aufnimmt - etwa so viel wie eineinhalb Diafilme. Damit macht das Fotografieren mit dieser Kamera dann richtig Spaß.

Die Installation der Software ist ziemlich umfangreich und verlangt nach ihrem Abschluss einen Neustart des Computers.

Zum Anschluss der Docking-Station (EasyShare) muss das beigefügte USB-Kabel verwendet werden, da der Stecker an der DS eine besondere Miniatur-Ausführung ist - die üblichen Kabel passen nicht (weder an der Kamera noch an der Dockin-Station gibt es einen Erweiterungsstecker).

Drückt man den Auslöser im Moment der Aufnahme durch, so kann es etwa eine Sekunde dauern, bis das Bild "belichtet" wird. Nur wenn man vorher schon mit halb durchgedrücktem Auslöser "in Bereitschaft war", sodass die Kamera die Schärfe bereits ermittelt und gespeichert hat, geht es schneller - subjektiv momentan.

Das Programm "Kodak Bilder Software" bietet nur rudimentäre Funktionen, die sich kaum manuell beeinflussen lassen. Nicht einmal die Größe des Hauptfensters lässt sich verändern, sodass man die Bilder in einer Miniaturdarstellung "bearbeiten" muss. Besser verwendet man ein richtiges Bildbearbeitungsprogramm.

Im Einstellmenü gibt es eine Option, die benutzerspezifischen Einstellungen der Kamera (z. B. nicht blitzen statt automatisch blitzen) zurückzusetzen, wenn diese ausgeschaltet wird. Im englischen Menü heißt das "Reset user setting at camera power OFF - YES/NO", auf Deutsch aber irreführend: "Benutzereinstellungen beim Ausschalten der Kamera wiederherstellen?". Man muss "Nein" wählen, damit die Einstellungen beim Aus- und Wiedereinschalten nicht rückgängig gemacht werden.

An der Kamerarückseite befindet sich eine vierfach-Wippe, die für Menüauswahlen und das Verstellen des Zooms zuständig ist. Zumindest für Fotografen, die mit dem linken Auge durch den Sucher visieren, ist diese sehr unglücklich positioniert, da der Daumen keinen Platz hat, um den Zoom zu betätigen - man muss die Kamera etwas vom Gesicht abrücken, hat dann aber keinen guten Überblick mehr über das Sucherbild.

Beim Ausschalten fährt das Objektiv ganz ins Gehäuseinnere und wird durch einen darübergeschobenen inneren Deckel geschützt, sodass man die Kamera bedenkenlos in die Hosentasche stecken kann, ohne ein Verschmutzen oder Verkratzen zu befürchten - eine recht intelligente Lösung, da man den eingebauten Deckel weder verlieren kann noch an einem lästigen Bändel herumbaumeln hat.

Außer einer Einstellung für Nahaufnahmen gibt es eine für "Unendlich" oder "Fixfokus", damit lässt sich bei Landschaftsaufnahmen verhindern, dass die Kamera auf Details im Vordergrund scharfstellt.

Normalerweise erfolgt die Belichtung automatisch, wobei man eine Belichtungskorrektur um +/- 2.0 Blendenstufen in Schritten von 0,5 vornehmen kann. Auch die Empfindlichkeitseinstellung erfolgt automatisch, kann aber auch manuell auf 100, 200 oder 400 ISO festgelegt werden. Die maximale Blendenöffnung beträgt 2,8 im Weitwinkel (35) und etwas magere 4,0 im Telebereich (70 mm). Der Brennweitenbereich ist bescheiden, aber ausgewogen - vom klassischen Standard-Weitwinkel bis zu einer "Portrait"-Brennweite - von Tele kann man nicht sprechen (darüber tröstet der sechsfache "Digitalzoom" nicht unbedingt hinweg). Es gibt aber Vorsatzlinsen als Zubehör, mit denen der Weitwinkelbereich auf 17,5 mm bzw. der Telebereich auf 140 mm erweitern lässt, natürlich mit den üblichen Nachteilen wie Lichtverlust bei Tele und stärkere Verzeichnung im Weitwinkelbereich.

Über den Zeitbereich schweigt sich die Bedienungsanleitung aus. Manuall kann man Langzeitbelichtungen von 0,7 sek. bis 16 Sekunden einstellen, war für Nachtaufnahmen interessant ist. Schaltet man mit der Selekt-Taste den LCD-Bildschirm als Sucher ein, so werden Zeit und Blende am oberen Rand des Displays angezeigt. Die längste automatisch eingestellte Zeit beträgt 1/8 sek, die kürzeste 1/2000 bei 5,6 (Tele) bzw. Blende 8 (Weitwinkel) zu sein.

Zu den unschöneren Sparmaßnahmen gehört die mitgelieferte 16 MB-Picturecard (CompacFlash), auf die in der maximalen Auflösung gerade mal 12 Bilder passen und das "Entbundling": Die Docking-Station muß man jetzt extra kaufen.. Als Dateiformat wird JPEG benutzt. Einen Modus, um die Bilder unkomprimiert zu speichern, gibt es nicht.

Beim Design der Kamera stand offenbar eine einfache Bedienung bei hoher Bildqualität im Vordergrund, sie ist somit vor allem für "Knipser" mit gehobenen Ansprüchen geeignet, die sich nicht unbedingt mit technischen Einzelheiten des Fotografierens belasten wollen. Obwohl ich persönlich solche "Knipsen" nicht mag, habe ich mit der DX4900 ganz gerne fotografiert, weil die Ergebnisse dem Stand der Technik entsprechend gut sind.

Technische Daten DX4900

Bildformat:Max. 2448 x 16320; 4,1 MP, verschiedene Komprimierungsstufen sowie 3,1 MP, 2,2 MP und 1,0 MP
Speicher:CompactFlash-Karte, 16 MB mitgeliefert; ebenso verwendbar CompactFlash Typ I von 32 bis 256 MB
Objektiv:35 bis 70 mm (KB-Äquiv.), max. Blende 2,8 (W) bis 4,0 (T), kleinste Blende 8
Sucher:Optischer Zoomsucher, LCD Farb auf Kamerarückseite
Verschluß:1/8 Sek. bis 1/2.000 automatisch, manuell 0,7 bis 16 Sek.
Empfindlichkeit:100, 200, 400 ISO (manuell oder automatisch)
Belichtung:TTL-AE (Mehrzonen, Mittenbetont, Mittelpunkt)
Weißabgleich:Automatisch, Tageslicht, Fluoreszierend, Wolfram
Schnittstelle(n):Kodak-EasyShare Kamera-Station, USB, Video PAL/NTSC
Dateiformat(e):JPEG
Software:k. A. (Übertragungssoftware für Windows 98, 98/SE, 2000, ME, XP, Macintosh OS 8.6, 9.x, X)
Computer:Windows 98/ME/2000/XP, Mac
Stromversorgung:2 x 1,2 Volt Ni-MH wiederaufladbare Akkus; Aufladung über Docking-Station
Gewicht:225 g (ohne Batterien)
Größe (Breite/Höhe/Tiefe):116 x 67 x 42 mm
Besonderheiten:Docking-Station "Kodak EasyShare, lädt Akku und überträgt Bilder per USB auf Knopfdruck. Garantie 2 Jahre. DPOF-Format
Lieferbares Zubehör:Div. Vorsatzlinsen für Weitwinkel/Tele/Nahaufnahmen
Preis:649 €, mit Docking-Station 699,- €
URL:http://www.kodak.de/.

Johannes Leckebusch