Eine smarte 3,1 Megapixel-Kamera

Kamera mit Docking-Station zur Datenübertragung und Akkuladung

(C) by Johannes Leckebusch 2001

Stand: 23. 09. 2001


Knackscharfe Bilder, die sich bis auf A4 (etwa 18 x 24 cm) vergrößern lassen, ohne pixelig zu werden, macht die neue DX3900 von Kodak. Aus 3,1 Megapixeln holt sie eine Auflösung von 2160 x 1440. Ausgeschaltet verschwindet das zweifach-Zoom (auf Kleinbild umgerechnet 35 - 70mm) vollständig im Gehäuse und wird von einem eingebauten Deckel geschützt, sodass man die recht kompakte Kamera bedenkenlos in die Hosentasche stecken kann. Der besondere Clou: Zur Datenübertragung und gleichzeitig zum Nachladen der NiMH-Akkus stellt man sie einfach in die Docking Station "EasyShare". Sie ähnelt der Ladestation eines schnurlosen Telefons. Auf Knopfdruck meldet sich die Kamera als "Wechselplatte" am PC oder Mac an, über die schnelle USB-Schnittstelle lassen sich die Bilder abrufen oder werden gleich automatisch kopiert. Für Fotoamateure ist die manuelle Langzeitbelichtung bis 16 Sekunden für Nachtaufnahmen interessant. Der Brennweitenbereich reicht vom klassischen Weitwinkel bis zur Portraitbrennweite (von einem echten Tele kann man nicht sprechen), er lässt sich mit Vorsatzlinsen auf ein Superweitwinkel von 17,5 mm bzw. 140 mm echtes Tele erweitern (Zubehör). Die wichtigste Anschaffung dürfte aber zunächst eine größere CompactFlash-Speicherkarte sein, auf die mitgelieferte 8-MB passen gerade mal 7 Bilder in höchster Auflösung. Für etwa 140 Mark bekommt man eine 64-MB-Karte, die 65 Bilder aufnimmt - fast so viel wie zwei Diafilme. Damit macht das Fotografieren mit dieser Kamera dann richtig Spaß.

Stativaufnahme in einer Kirche mit BelichtungskorrekturSehr nützlich bei Aufnahmen unter schwierigen Lichtbedingungen (hier in einer Kirche) ist die Belichtungskorrektur. Die Kamera setzt man auf ein Stativ (den eingebauten Blitz habe ich absichtlich nicht benutzt, um die Lichtatmosphäre nicht zu verändern). Man könnte hier aber auch die Funktion "Aufhellblitz" benutzen. Damit der Altar nicht zu dunkel wird, weil die Belichtungsautomatik auf die hellen Fenster reagiert, gibt man eine halbe oder ganze Blendenstufe zu.

Die Installation der Software ist ziemlich umfangreich und verlangt nach ihrem Abschluss einen Neustart des Computers.

Zum Anschluss der Docking-Station (EasyShare) muss das beigefügte USB-Kabel verwendet werden, da der Stecker an der DS eine besondere Miniatur-Ausführung ist - die üblichen Kabel passen nicht (weder an der Kamera noch an der Docking-Station gibt es einen Erweiterungsstecker).

Drückt man den Auslöser im Moment der Aufnahme durch, so kann es etwa eine Sekunde dauern, bis das Bild "belichtet" wird. Nur wenn man vorher schon mit halb durchgedrücktem Auslöser "in Bereitschaft war", sodass die Kamera die Schärfe bereits ermittelt und gespeichert hat, geht es schneller - subjektiv momentan.

Jungs beim Drachensteigen

Jungs beim Drachensteigen - da muss man mitunter recht schnell reagieren. Oft gelingt dies nur, wenn man schon vorher den Auslöser halb durchgedrückt und dadurch Belichtung und Schärfe festgelegt hat.

Hochauflösende Bilder vertragen, wenn sie nicht verwackelt sind und die Schärfe stimmt, auch kräftige AusschnittvergrößerungenStark vergrößerter Bildausschnitt

Das Programm "Kodak Bilder Software" bietet nur rudimentäre Funktionen, die sich kaum manuell beeinflussen lassen. Nicht einmal die Größe des Hauptfensters lässt sich verändern, sodass man die Bilder in einer Miniaturdarstellung "bearbeiten" muss. Besser verwendet man ein richtiges Bildbearbeitungsprogramm.

Im Einstellmenü gibt es eine Option, die benutzerspezifischen Einstellungen der Kamera (z. B. nicht blitzen statt automatisch blitzen) zurückzusetzen, wenn diese ausgeschaltet wird. Im englischen Menü heißt das "Reset user setting at camera power OFF - YES/NO", auf Deutsch aber irreführend: "Benutzereinstellungen beim Ausschalten der Kamera wiederherstellen?". Man muss "Nein" wählen, damit die Einstellungen beim Aus- und Wiedereinschalten nicht rückgängig gemacht werden.

An der Kamerarückseite befindet sich eine vierfach-Wippe, die für Menüauswahlen und das Verstellen des Zooms zuständig ist. Zumindest für Fotografen, die mit dem linken Auge durch den Sucher visieren, ist diese sehr unglücklich positioniert, da der Daumen keinen Platz hat, um den Zoom zu betätigen - man muss die Kamera etwas vom Gesicht abrücken, hat dann aber keinen guten Überblick mehr über das Sucherbild.

Beim Ausschalten fährt das Objektiv ganz ins Gehäuseinnere und wird durch einen darübergeschobenen inneren Deckel geschützt, sodass man die Kamera bedenkenlos in die Hosentasche stecken kann, ohne ein Verschmutzen oder Verkratzen zu befürchten - eine recht intelligente Lösung, da man den eingebauten Deckel weder verlieren kann noch an einem lästigen Bändel herumbaumeln hat.

Außer einer Einstellung für Nahaufnahmen gibt es eine für "Unendlich" oder "Fixfokus", damit lässt sich bei Landschaftsaufnahmen verhindern, dass die Kamera auf Details im Vordergrund scharfstellt.

Normalerweise erfolgt die Belichtung automatisch, wobei man eine Belichtungskorrektur um +/- 2.0 Blendenstufen in Schritten von 0,5 vornehmen kann. Auch die Empfindlichkeitseinstellung erfolgt automatisch, kann aber auch manuell auf 100, 200 oder 400 ISO festgelegt werden. Die maximale Blendenöffnung beträgt 2,8 im Weitwinkel (35) und etwas magere 4,0 im Telebereich (70 mm). Der Brennweitenbereich ist bescheiden, aber ausgewogen - vom klassischen Standard-Weitwinkel bis zu einer "Portrait"-Brennweite - von Tele kann man nicht sprechen (darüber tröstet der sechsfache "Digitalzoom" nicht unbedingt hinweg). Es gibt aber Vorsatzlinsen als Zubehör, mit denen der Weitwinkelbereich auf 17,5 mm bzw. der Telebereich auf 140 mm erweitern lässt, natürlich mit den üblichen Nachteilen wie Lichtverlust bei Tele und stärkere Verzeichnung im Weitwinkelbereich.

Aufnahme bei bedeckten HimmelDie Kamera neigt zu eher knappen Belichtungen und satten Farben. Das macht auch Aufnahmen bei trübem Wetter, wie es leider vorherrschte, als ich sie zum Test hatte, wirkungsvoll.

Über den Zeitbereich schweigt sich die Bedienungsanleitung aus. Manuall kann man Langzeitbelichtungen von 0,7 sek. bis 16 Sekunden einstellen, war für Nachtaufnahmen interessant ist. Schaltet man mit der Selekt-Taste den LCD-Bildschirm als Sucher ein, so werden Zeit und Blende am oberen Rand des Displays angezeigt. Die längste automatisch eingestellte Zeit beträgt 1/8 sek, die kürzeste 1/2000 bei 5,6 (Tele) bzw. Blende 8 (Weitwinkel) zu sein.

Zu den unschöneren Sparmaßnahmen gehört die mitgelieferte 8 MB-Picturecard (CompacFlash), auf die in der maximalen Auflösung gerade mal 7 Bilder (15 bei höherer Kompression) passen. Als Format wird JPEG benutzt. Einen Modus, um die Bilder unkomprimiert zu speichern, gibt es nicht.

Beim Design der Kamera stand offenbar eine einfache Bedienung bei hoher Bildqualität im Vordergrund, sie ist somit vor allem für "Knipser" mit gehobenen Ansprüchen geeignet, die sich nicht unbedingt mit technischen Einzelheiten des Fotografierens belasten wollen. Obwohl ich persönlich solche "Knipsen" nicht mag, habe ich mit der DX3900 ganz gerne fotografiert, weil die Ergebnisse dem Stand der Technik entsprechend gut sind.

Technische Daten DX3900

Bildformat:Max. 2160 x 1440; 3,1 MP, verschiedene Komprimierungsstufen sowie 2,2 MP, 1,6 MP und 0,8 MP
Speicher:CompactFlash-Karte, 8 MB mitgeliefert; ebenso verwendbar CompactFlash Typ I von 16 bis 128 MB
Objektiv:35 bis 70 mm (KB-Äquiv.), max. Blende 2,8 (W) bis 4,0 (T), kleinste Blende 8
Sucher:Optischer Zoomsucher, LCD Farb auf Kamerarückseite
Verschluß:1/8 Sek. bis 1/2.000 automatisch, manuell 0,7 bis 16 Sek.
Empfindlichkeit:100, 200, 400 ISO (manuell oder automatisch)
Belichtung:TTL-AE (Mehrzonen, Mittenbetont, Mittelpunkt)
Schnittstelle(n):USB, Video PAL/NTSC
Dateiformat(e):JPEG
Software:k. A. (Übertragungssoftware für Windows 98, 98/SE, 2000, ME, Macintosh OS 8.6, 9.x, X)
Computer:Windows 98/ME/2000, Mac
Stromversorgung:2 x 1,2 Volt Ni-MH wiederaufladbare Akkus; Aufladung über Docking-Station
Gewicht:225 g (ohne Batterien)
Größe (Breite/Höhe/Tiefe):116 x 67 x 42 mm
Besonderheiten:Docking-Station "Kodak EasyShare, lädt Akku und überträgt Bilder per USB auf Knopfdruck. Garantie 1 Jahr
Lieferbares Zubehör:Div. Vorsatzlinsen für Weitwinkel/Tele/Nahaufnahmen
Preis:1499,- DM
URL:http://www.kodak.de/.

Johannes Leckebusch