Blackdot

16. 05. 2009 (C) 2009 by Johannes Leckebusch

Upgrade: Die EOS 50D - Zwilling der 40D mit mehr Pixeln

Canon ist offenbar bemüht, seine "Mittelklassemodelle" für eine breitere und zugleich anspruchsvolle Klientel aufzuwerten: Derzeit parallel zur EOS 40D (Oktober 2007) gibt es seit Oktober 2008 ein zweites neues Mittelklassemodell, die 50D:

EOS 50D mit EF-S 17-55/2,8

Von vorne gleicht die 50D (oben) der 40D (unten) fast wie ein eineiiger Zwilling, nur das Typenschild und - wenn man es so genau weiß - die schwarze statt silberfarbene Auslegung des Programmwählrades verraten sie.

Canon EOS 40D, Vorderansicht mit EFS 17-55/2,8 IS

EOS 40D und 50D mit dem EFS 17-55/2,8 IS USM. Das ziemlich voluminöse Objektiv mit zuschaltbarem Bildstabilisator ist ein "standesgemäßes" Universalzoom hoher Lichtstärke, besonders für die 50D! Angeboten werden die Kameras auch als "Kit" mit einem EFS 17-85/4,0-5,6 IS USM und neuerdings dem IS 18-200/3,5-5,6 IS. Der hohen Sensorauflösung der 50D wird allenfalls das EF-S 17-55 gerecht. Weiterhin bieten Fotohandler auch "Kits" mit Fremdobjektiven, z. B. von Tamron das 17-50/2,8, das aber dem EF-S 17-55 von Canon nicht ganz das Wasser reichen kann.

Technische Daten 40D bei Canon, englische Besprechung bei dpreveiw.
Technische Daten 50D bei Canon, englische Besprechung bei dpreview.

Die Kameras bieten Livepreview, die 50D hat (wie die 500D) einen 15,1 Megapixel-Sensor und ein 3"-Display auf der Rückseite, mit nunmehr deutlich höherer Auflösung (920.000 Bildpunkte), einen neuen Bildprozessor (DIGIC 4), ISO Einstellbereich bis zu 12800 (!), und kann nun im Live-View-Modus auch über den Sensor per Kontrast scharfstellen, ohne den Spiegel hochzuklappen (aber etwas langsamer, wie schon die 450D, als bei heruntergeklapptem Spiegel mit den Schärfesensoren per Phasenerkennung), dazu nun auch eine Scharfstellung mit Gesichtserkennung (also Fokus auf die Gesichter).
Display der 40D Das Display der 400D/40D erscheint mit 230.000 Pixeln etwas grob aufgelöst

Das Display der 40D ist genauso groß, hat aber nur 230.000 Pixel (siehe oben), der Sensor "nur" 10.1 Megapixel. Was aber für viele Zwecke ausreicht - tatsächlich muss man sich an der 50D/500D fragen: Was für Objektive können die hohe Sensorauflösung überhaupt noch ausnutzen! Wichtig: Der Sucher ist an der 40D genauso gut wie an der 50D und zeigt ein deutlich größeres und helleres Bild als bei den "dreistelligen" Modellen.

RGB-Histogramm der 50D
Das Display der 50D bietet mit 920.000 Pixeln endlich eine feine Auflösung (die sich schwer abfotografieren läßt), und wahlweise ein zusätzliches Luminanz-Histogramm (Helligkeit, unten)
RGB- und Luminanzhistogramm der 50D

Ein Live-Histogramm für Luminanz (Helligkeit), aber auch in Farbe (Drei RGB-Kanäle) gehört bei den aktuellen Modellen schon zum Standard! Damit kann man unmittelbar durch Verändern der Aufnahmeparameter das Histogramm der Belichtung begutachten, ohne dafür ein Probefoto schießen zu müssen!
Ach ja - und noch ein Schmankerl: Man kann für bis zu 20 Objektive individuell bzw. auch generell eine Autofokus-Korrektur einspeichern (gegen den sogenannten Front- oder Backfokus, also eine zu nahe oder zu ferne automatische Scharfstellung).

Das Griffgefühl der 50D ist sehr angenehm und scheint mir das der Vorgängerin oder der alten 5D noch zu übertreffen.


EOS 40D/50D - die Mittelklasse von Canon

Wichtiger als die beim Vergleich zu den "kleinen Schwestern" EOS 400D/500D bereits aufgezählten äußerlich erkennbaren Merkmale sind natürlich die inneren Werte: Sehr angenehm ist das große Bildfeld im Sucher (0,95fache gegenüber 0,8facher "Vergrößerung" bei der 400D oder 0,87fach bei der 500D), der zudem auch noch heller ist (auch im Vergleich zur 30D), da er ein echtes Dachkantprisma und nicht nur sogenannte Pentaspiegel (400D) zur Bildumkehr benutzt.
Auffällig - im Sinne von angenehm - leise arbeitet der Verschluss, insbesondere der Spiegeltransport, da der Spiegel nun in beiden Richtungen motorisch bewegt und nicht durch eine Feder zurückgeholt wird. Dagegen ist die 400D (geräuschmäßig betrachtet) eine ausgesprochene Klappermühle.

Canon EOS 50D, Rückansicht mit Menüanzeige auf dem Display

Rückseite der EOS 50D mit dem wie bei der 40D 3-Zoll großen Display. Während man sich aber bei der 40D noch mit 230.000 Pixeln begnügen musste, wurde an der 50D endlich die Auflösung mit stattlichen 920.000 verbessert. Außerdem hat das Display eine bläulich erscheinende Entspiegelung, die Menüdarstellung weicht geringfügig ab, die Symbole wurden neu gestaltet.

Die ehemals seitlich angebrachten Tasten wurden durch das große Display nach unten verdrängt, was bei der Montage auf große Stativteller oder Wechselplatten die Bedienung erschweren kann. Sehr ärgerlich ist, dass diese Tasten fast ständig "von selbst" betätigt werden, wenn man die Kamera am Riemen um den Hals hängen hat, besonders wenn das Objektiv etwas länger und schwerer ist und die Kamera dadurch "nach unten" schaut. So drückt sie mit der Gehäusekante und den Schaltern gegen den Bauch des Fotografen oder auch eventuell gegen den Hosengürtel oder dessen Schnalle.
Der Power-Schalter befindet sich rechts unten und hat, wie bei den größeren Modellen üblich, drei Stellungen - die dritte setzt das große "Daumenrad" (zum Beispiel zum Einstellen der Blende) in Funktion. Leider hat auch er sich bei der oben geschilderten "Kamerahängung" immer wieder verstellt, ist also - neben der ungünstigen Position - an diesem Modell zu leichtgängig.

Canon EOS 40D, Rückansicht mit Menüanzeige auf dem Display

Rückseite der EOS 40D mit dem nunmehr 3-Zoll großen Display. Die ehemals seitlichen Bedientasten wurden dadurch nach unten verdrängt, was bei der Montage auf große Stativteller oder Wechselplatten Probleme bereiten kann. Der Power-Schalter befindet sich rechts unten und hat, wie bei den größeren Modellen üblich, drei Stellungen - die dritte setzt das große "Daumenrad" (zum Beispiel zum Einstellen der Blende) in Funktion.


Im 15-Megapixel-Rausch: EOS 500D

Canon EOS 500D mit Kit-Objektiv
Die EOS 500D unterscheidet sich von vorne außer durch den Schriftzug kaum von den Vorgängerinnen im Einsteigersektor, insbesondere der 450D. Der Handgriff ist ähnlich stark strukturiert (bei der 400D war er noch glatter und nur mattiert).

Die 15-Megapixel starke EOS 500D mit dem neueren Kit-Objektiv 18-55/1:3,5-5,6 mit Bildstabilisator.

Die Länge des Objektivs ändert sich beim Zoomen kaum - es fährt nur ein wenig heraus und wieder hinein beim Durchfahren des Brennweitenbereiches. Leider dreht sich beim Fokussieren die Frontlinse, was für Polfilter und wirksame Gegenlichtblenden (in Tulpenform) ungünstig ist. Lieferbar ist daher nur eine einfache Gegenlichtblende (nicht inbegriffen).

Die Auflösung des Sensors ist eine Herausforderung für moderne Objektive, und so gesehen verdient die Kamera was höherwertiges als das "Kit-Objektiv", aber für den Anfang ist es sicherlich besser als nichts.

EOS 500D von hinten
Auf der Rückseite befindet sich ein großes, entspiegeltes und hoch auflösendes Display (3 Zoll mit ca. 920.000 BIldpunkten (VGA)).

Dass sich unter dem Display keine Knöpfchen befinden, ist ein Vorteil: So werden kaum ungewollte Funktionen ausgelöst oder verändert, wenn man die Kamera am Riemen vor der Brust baumeln hat.
EOS 500D von schräg oben
Die sukkzessive Vergrößerung des rückwärtigen Displays bot Anlass zu immer neuen Knöpfchenverschiebereien. Wobei es auf den damenhandgeeigneten Einsteiger-Modellen besonders eng zugeht. Hier ist die Iso-Taste nach oben vorne gewandert - nicht unpraktisch, wenn man sich daran gewöhnt hat. Hinten gibt es statt des Daumenrades bei den professionellen eine Windrosenwippe mit zahlreichen Funktionen ...

Der Sucher der 500D ist etwas größer als bei der 400D (Faktor 0,87 bei 95% Bildabdeckung, wie an der 450D, während es bei der 400D noch nur 0,8 waren). An die wirklich "semiprofessionellen" Sucher der 40D/50D kommt er aber nicht heran (0,995fach und echtes Glasprisma, das heller ist als die "Pentaspiegel" in den Einsteigermidellen), und ab der 5D(II) betritt man sowieso eine völlig andere "Sucherwelt" (viel größeres und zugleich helles Bild). Der Sucher ist bei einer (D)SLR sehr wichtig für die Bildgestaltung, Schärfebeurteilung etc., denn sonst könnte man ja auch gleich bei den Bridge-Kameras oder einer Kamera mit optischem Sucher oder ganz ohne Sucher bleiben (solch schaurige Kompaktkameras, die nur noch ein Display haben und für Aerobiker gedacht sind, gibt es ja auch schon länger). Schade, dass dieses nicht ganz unaufwendige Element bei den Einsteigermodellen früher so stiefmütterlich behandelt wurde ... inzwischen geht die Tendenz neben größeren und höher auflösenden Displays auch wieder zu besseren Suchern, wie sie früher bei den ganz gewöhnlichen "Film"-SLR-Kameras ja auch üblich waren. Nur die Mattscheiben sind noch ein Stiefkind in der Einsteigerklasse. Und der für germanische Männerpratzen zu zierliche Grifffaktor (aber selbst da scheint es abweichende gefühlrte Meinungen zu geben).

Beim stark verkleinerten SD(HC)-Speicherkartenformat ist es geblieben, und ein Daumenrad gibt es auf der Rückseite nach wie vor erst in der nächsten "Klasse".


EF-S 10-22mm f/3,5-4,5

EF-S 10-22 mm

Das EF-S 10-22mm f/3,5-43,5 USM ist ein Superweitwinkelzoom speziell für das APS-C-Format von Canon. Bezogen auf Kleinbild entspräche es dem Brennweitenbereich von 16-35 mm, also ein sehr starkes Weitwinkel bis zur klassischen Grenze des leichten Weitwinkels.


Das famose EFS 10-22/1:3,5-4,5 hat den stolzen Filtergewinde-Durchmesser von 77 mm, um zu verhindern, dass eventuell benutzte Filter zu Vignettierung führen. Eine Sonnenblende gibt es nicht dazu, bzw. nur als extra zu kaufendes Sonder-Zubehör (EW-83E). Kommentar im Handbuch: "... verhindert unerwünschten Lichteinfall. Sie schützt die Frontlinse außerdem vor Regen, Schnee und Staub." Das ist zwar leicht übertrieben ... aber es stünde Canon gut an, solch wertvolle Accessoirs doch einfach mal in den Lieferumfang des Objektivs aufzunehmen, wie es diverse Fremdhersteller ja auch tun.

Nachdem ich das Objektiv jetzt zum zweitenmal ausgeliehen hatte, um ein paar mehr Tests zu machen (Ergebnisse sollten folgen), komme ich immer mehr auf den Geschmack! Es ergänzt den Weitwinkelbereich in idealer Weise bei sehr hoher Qualität und geringer Verzeichnung. Leider ist es mit einem Ladenpreis von derzeit ca. 760,- Euro nicht gerade "billig".

Immer ist eine Mauer im Weg ...

Das "klassische Problemfeld" für Weitwinkelobjektive sind Kirchen. Meistens kann man nicht weit genug weg, um sie ganz ins Bild zu bekommen, und wenn doch, ist irgendwas im Wege (wie oben die Friedhofsmauer). Ist das Weitwinkel "stark genug", um näher ranzugehen, muss man den Blick nach oben richten und erhält die gefürchteten "stürzenden Linien" (unten).

Näher ran - stürzende Linien!
Kirche im Ort Irschenberg, aus größtmöglicher Distanz innerhalb der Friedhofsmauer aufgenommen

Das EF-S 10-22 ist zwar kein Tilt-Shift-Objektiv, das man verschieben und Kippen kann, um wie bei einer Fachkamera stürzende Linien auszugleichen, aber man kann eine ähnliche Technik anwenden: Die Kamera nach unten richten und viel Vordergrund aufnehmen, der später weggeschnitten werden kann (siehe Bild unten).
Hier ist ein Bild
Das vorige Bild, etwas perspektivisch geradegerückt und etwas unten beschnitten

Zusätzlich kann man die perspektivische Verzerrung per Software leicht (oben) oder auch kräftiger (unten) ausgleichen.

Hier ist ein Bild
Das vorige Bild "geradegerückt", einschliesslich des dadurch notwendigen stärkeren Beschnitts am unteren Rand


Neues an der digitalen SLR-Front

Die EOS 50D folgte der 40D (siehe unten) erstaunlich schnell nach. Höhre Auflösung von 15,1 MP statt 10 MP, neuer, noch schnellerer Bilprozessor Digic IV statt Digic III. Bei gleicher Displaygröße 3 Zoll zeigt sie die Aufnahmen und Menüs mit 920.000 (VGA) statt der mageren 230.000 Pixeln an. Und dazu kommt noch die Fähigkeit, Videos aufzunehmen - im Full HD-Modus allerdings nur mit 20 Bildern pro Sekunde statt der sonst üblichen 30 Bildern pro Sekunde (die sie bei zwei kleineren Formaten auch beherrscht).

Die EOS 40D diente nicht nur der Modellpflege im Sinne einer Nachfolgerin der 30D mit hier und da aufpolierten und erweiterten Eigenschaften (höhere Sensorauflösung, schnellere Arbeitsweise, wie es die 30D gegenüber der 20D war), sie brachte auch einige grundlegende technische Neuigkeiten. Nicht alle - wie die Live-Bildvorschau vor der Aufnahme über den eingebauten Sensor auf dem rückwärtigen Display - waren absolut neu, aber sie waren es zumindest im Kameraprogramm von Canon. Das trifft auch auf die automatische Sensorreinigung zu, die durch hochfrequentes Schütteln der Filterscheibe vor dem Sensor versucht, lose anhaftenden Staub abzuwerfen - das gab es bei anderen Herstellern schon vorher, und bei Canon erstmals bei der ca. ein Dreivierteljahr vorher auf den Markt gekommenen EOS 400D.

Da ich diese und andere "Neuigkeiten", die - wie die Aufnahmeart mit "Tonwertprioritä" (Highlight-Tone-Priority-Modus) - in der 50D und den anderen 5er-Modellen fortgeführt werden, nicht allesamt wiederholen will, verweise ich dazu auf die Seite über die EOS 400D/40D.


Neues 14-Bit-RAW-Format und DIGIC 4-Bildprozessor

Die 40D erhielt mit dem "Digic III" gegenüber der 400D ("Digic II") einen neuen, noch schnelleren Bildprozessor, die 50D trumpft mit dem noch schnelleren "Digic 4" auf. Geblieben ist das auf 14-Bit erweiterte RAW-Datenformat, das höhere Tonwertdifferenzierung verspricht.
Die mittlerweile 15,1 Megapixel auf einem APS-C-Format-Sensor stellen eine gewaltige Herausforderung dar - nur wenige Objektive können diese Auflösung überhaupt ausnutzen. Insofern sollte man es sich dreimal überlegen, ob man die 50D mit einem der günstigeren Zooms oder gar einem "Superzoom" erwerben will: Eigentlich ist ein Aufpreis für solche Objektive rausgeschmissenes Geld. Ausgenommen, man hat noch nichts gleich- oder besserwertiges, möchte unbedingt ein "Immerdrauf-und-Reisezoom" haben, um die besseren und teuren Optiken auf Reisen nicht mitschleppen und der Diebstahlsgefahr aussetzen zu müssen.

Worauf aber viele Fotoenthusiasten immer noch warten, ist eine deutliche Steigerung des Dynamikumfangs. Er liegt laut c't-Messungen bei der 400D um 9 (bei ISO 100) bis 7,5 (ISO 1600), bei der 40D und 50D um 9,5 (bei ISO 100) bis 8 (bei ISO 1600) Blendenstufen. Strengere Maßstäbe legt offenbar dpreview an und bescheinigt der 40D 9,1 EV und der 50D nur noch 8,3 EV "usable range".
Eine weitere Verringerung des Rauschens in den Schatten (dunklen Bildtönen) beziehungsweise bei hohen Empfindlichkeitseinstellungen (ISO 800 und mehr, bis ISO 3200 oder gar darüber hinaus) und ein "sanfteres" Verhalten der elektronischen Sensoren bei Überbelichtung respektive "Lichtern" (Glanzlichtern, Spiegelungen von oder direkt im Bild befindlichen Lichtquellen etc.) wäre also viel spannender als noch mehr Megapixel. Zwar machten Canons digitale Spiegelreflexkameras in diesen Disziplinen bisher keine schlechte Figur - aber es sollte doch irgendwann noch deutlich besser gehen.

Schließlich möchte ich noch einmal auf die allgemeinen, aber wirklich für die praktische Arbeit wichtigen Vorzüge (beider behandelter Kameramodelle) hinweisen: Das dank echtem Glasprisma (Pentaprisma) deutlich größere Sucherbild (bei gleicher oder besserer Helligkeit), das sich viel besser zur visuellen Schärfenkontrolle oder händischen Einstellung, und auch für die Bildkomposition und Geradestellung eignet als bei den dreistelligen Einsteigermodellen. Und das sehr praktische "Daumenrad" hinten, mit dem man gleichzeitig und ohne Extraknöpfchendrücken die Blende im Wechselspiel mit der Zeit über das Einstellrad oben auf der Kamera festlegen kann (im einzig wahren Aufnahmeprogramm "M"). Die zahlreicheren persönlichen Voreinstellungen sind ebenfalls ein Plus, das größere Gehäuse, das besser in der Hand liegt (für manche Damenhand aber schon wieder zu groß und schwer erscheint). Bei der Funktionsvielfalt wie Meßmethoden, manuelle Eingriffe und Kombinationen haben die Hersteller das künstliche Abspecken per Firmware inzwischen aber weitestgehend aufgegeben.


Lange von Profis und Amateuren mit hohem Anspruch erwartet und seit etwa Dezember 2008 lieferbar: die EOS 5D Mark II, Nachfolgerin der legendären EOS (Vollformat)

Pressefoto Canon 5D Mark II
Pressefoto Canon

Technische Daten bei Canon, englische Besprechung bei dpreview.

Die Kamera bietet Livepreview, hat einen 21,1 Megapixel-Sensor im Vollformat (36 x 24 mm wie "echter" Dia- oder Negativfilm) und ein 3"-Display auf der Rückseite, mit nunmehr deutlich höherer Auflösung (920.000 Bildpunkte), einen neuen Bildprozessor (DIGIC 4), ISO Einstellbereich bis zu 12800 und 25.600 (!), und kann nun im Live-View-Modus auch über den Sensor scharfstellen, ohne den Spiegel hochzuklappen, dazu nun angeblich auch eine Scharfstellung mit Gesichtserkennung (also auf Gesichter). Und - das ist wohl das neueste "must have": Sie kann knapp 30 Minuten lange HD-Videos (mit 30 Bildern pro Sekunde) aufnehmen, was dann eine 4 GB große Datei ergibt.
Einher mit dem vollen KB-Sensorformat geht ein entsprechend großer und heller Sucher - wie an einer guten klassischen SLR. Wer so etwas jemals in der Hand hatte, kann bei den Sucherblicken der Crop-Format-Kameras eigentlich nur leise bis laut weinen. Die Bildkomposition fällt leichter, und manuellers Scharfstellen ist endlich wieder ein Thema - weil man sieht, wann man worauf genau scharfgestellt hat. Dazu gehört dann auch eine Auswahl an auswechselbaren Mattscheiben für den Sucher mit extem Prisma.
Mit dem vollen Kleinbildfomrat - also 24 x 36 mm statt der typischen ca. 15 x 22 mm - erreichte schon die 5D nicht nur eine legendäre Bildqualität und Rauscharmut auch bei hohen ISO-Zahlen, sondern eben auch das Schärfentiefeverhalten einer Kleinbildkamera. Das heißt, bei einer bestimmten Blende nimmt die Schärfe zum Vorder- und Hintergrund hin rascher ab als bei kleineren Aufnahmeformaten, weil der Abbildungsmaßstab größer ist. Das setzen kreative Fotografen gerne zum "Freistellen" eines Motivs ein, um störenden Hintergrund einfach in der Unschärfe verschwinden zu lassen.
Ein weiterer Traum wurde wahr: Ein Live-Histogramm für Luminanz (Helligkeit), aber auch in Farbe (Drei RGB-Kanäle)! Damit kann man unmittelbar durch Verändern der Aufnahmeparameter das Histogramm der Belichtung begutachten, ohne dafür ein Probefoto schießen zu müssen!
Ach ja - und noch ein Schmankerl: Man kann für bis zu 20 Objektiven individuell bzw. auch generell eine Autofokus-Korrektur einspeichern (gegen den sogenannten Front- oder Backfokus, also eine zu nahe oder zu ferne automatische Scharfstellung).

Testfotos bei dpreview

Ladenpreis für's Gehäuse derzeit z. B. 2349,- Euro.


Bewertung

Eine vergleichende Bewertung zwischen drei unterschiedlichen "Klassen" angehörenden Kameras ein und desselben Herstellers ist natürlich schwierig. Die Dreistelligen oder "Einsteigermodelle" bieten inzwischen längst "professionelle Auflösung" mit 10 oder 15 Megapixeln - besser als Film, mehr, als man meistens braucht. Schön ist die Reserve für stärkere nachträgliche Bildausschnitte - falls die verwendeten Objektive und die Schärfe der Aufnahme das hergeben. Nachteilig sind die kleineren und dunkleren Sucherbilder, denn eine Spiegelreflexkamera lebt ja vor allem vom "lebensechten", großen, hellen und scharfen Blick durch den Sucher. Und - je nach persönlichen Vorlieben - der kleinere "Grifffaktor" (siehe EOS 40D Grifffaktor). Dazu kann man aber nur raten: Suchen Sie sich ein Fachgeschäft, und nehmen Sie dort die Kameramodelle, die Sie in die engere Wahl ziehen, in die Hand, vergleichen Sie die Sucherbilder etc.

In der "Mittelklasse" wird professionelles Gehäusedesign geboten: Passend auch für normale Männerhände, eigenes Einstellrad ("Daumenrad") auf der Rückseite, um ohne Knöpfendrückerei wahlweise Zeit (mit dem Rädchen oben) oder Blende (Daumenrad) verstellen zu können - denn Könner verwenden am liebsten die Einstellung "M" (manuelle Belichtung). Einziger "Nachteil": Das Bildformat ist kleiner als beim herkömmlichen Kleinbildfilm oder "Vollformat", letzteres ist eben die Domäne der 5D MKII oder noch höherer Modelle mit einer 1 vorne im Namen.


Links lichtstarkes Universalzoom, rechts Reise- oder Superzoom
Zum Größenvergleich in eingefahrenem Zustand: Links das empfehlswerte hochwertige und lichtstarke "Universalzoom" EF-S 17-55 mm f/2,8 IS USM für die meisten fotografischen Situationen, rechts ein "Reisezoom" oder "Superzoom", das EF-S 18-200/3,5-5,6 IS von Canon. Bei 18 mm sehr kompakt, aber in der Abbildungsleistung eher mäßig, auch wenn es noch zu den besseren Vertretern seiner Art gehört und nicht ganz billig ist.

Mittlerweile kostet die EOS 40D genauso viel oder wenig wie eine 500D, bietet aber viel mehr professionelle Qualität (im Mai 2009 je 749,- Euro bei Foto Sauter). In der Praxis dürften die 15 Megapixel bei der 50er oder 500er keinen wirklichen Mehrgewinn gegenüber den Modellen mit einer 4 vorne im Namen und 10 oder 12 Megapixeln bedeuten - nur größere Dateien und deutlicheres Überfordern des Auflösungsvermögens auch besserer Objektive. Solange es den Herstellern gelingt, immer mehr Pixel auf das APS-C-Format zu quetschen, ohne die Aufnahmequalität - wie bei Kompaktkameras - dadurch zu verschlechtern, mag das ja noch ok sein - aber es verursacht völlig unnötigen Speicherbedarf für Bearbeitung und Aufbewahrung der Bilder.
Wer unbedingt beides will, ist für knapp 1000,- Euro und der 50D mit dabei - zweifellos eine wunderbare Kamera (bis auf die paar Schwachpunkte in der Anordnung von Tasten). Wem sie wiederum zu schwer ist, wer meint, auf den besseren Sucher verzichten zu können, aber nicht auf 15 Megapixel, dem steht von Canon die 500D zur Verfügung.
Da die Größe der Bildsensoren (APS-C-Format, exakt 22,2 x 14,8 mm) bei den genannten Kameras gleich ist (auch wenn sie wohl nicht identisch sind) gibt es hinsichtlich des Objektivangebotes keine Unterschiede: Alle drei Modelle verfügen über das kombinierte Bajonett EF/EF-S, vertragen also sowohl die für das "volle" KB-Format gerechneten Objektive wie auch die neueren EF-S-Modelle, die für einen kürzeren Abstand der Hinterlinse zum Sensor und einen kleineren Bildkreis gerechnet sind (und etwas anders angesetzt werden). Bei Fremdherstellern wie Tamron gibt es ohnehin keinen Unterschied, sie passen bei entsprechender Canon-Fassung immer an das EF-Bajonett, und auch die für einen kleineren Bildkreis berechneten Typen lassen sich an beiden Kameras verwenden (nicht aber z. B. an der EOS 5D, wo sie nur einen Teil des Bildes kreisförmig auszeichen und in den Ecken sozusagen extrem vignettieren - dh. dunkle Ecken machen).
Bei der 40D sind die drei "Benutzermodi" interessant, die man mit dem Programmwahlrad zusätzlich zu den üblichen Einstellungen wie M, Av, Tv und den "Idiotenbetriebsarten" (sorry) einstellen kann, und auf die sich bevorzugte Einstellungen der Individualfunktionen legen lassen. Das spart Zeit und Menügesuche, wenn man in bestimmten Aufnahmesituationen mit entsprechenden Voreinstellungen arbeiten möchte. Absurderweise hat die 50D nur noch zwei derartige Voreinstellungen auf dem Programmwählrad (die dritte ist offenbar der neuen Einstellung "creative auto" oder "Kreativ-Automatik" zum Opfer gefallen, die einem offenbar gegenüber der "Vollautomatik" ein paar mehr Einstellungen erlaubt. Wer's braucht ...).
Wirklich in einer anderen Liga spielt dagegen die 5D MKII, über die ich in "Ein Pladoyer für das Vollformat" berichtet habe. Erfahrungen mit dem Vollbild-Format versus Crop sind in dem Artikel Von Brennweiten und Formaten wiedergegeben.


Serie über Grundlagen der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung bei: http://www.heise.de/foto/.
Wechselspiel: Zeit und Blende
Von Brennweiten und Formaten
Belichtungshelfer: Histogramme richtig anwenden
Selbstgemacht: Belichtung manuell messen

Weitere Artikel zu Fotothemen bei: http://www.heise.de/foto/.
Praxistest: Reisezooms für Canon-SLRs
Mit Weitblick: Fisheye und Weitwinkelobjektive richtig einsetzen
Prioritäten setzen: Mehr Lichterzeichnung aus Digitalfotos herausholen
Temperaturabhängig: Weißabgleich und Farbwiedergabe
Workshop: Licht im Fokus
Farbkopiert: Negative per Digitalkamera digitalisieren
Das HDRI-Handbuch
Photoshop CS3 für digitale Fotografie